Nachhaltige Kriegsführung mit dem Öko-Panzer

Im Rahmen des "Future Combat Systems Program" (FCS) sollen die Bodenfahrzeuge der US-Armee in Zukunft mit Hybridmotoren ausgestattet werden. Der erste Panzer dieser Kategorie wurde bereits vorgeführt

Der augenblicklich umweltfreundlichste Panzer der Welt ist eine Haubitze mit Selbstantrieb, oder etwas genauer: eine self-propelled Non-Line-Of-Sight Cannon (NLOS-C). Das Artilleriesystem, das 2008 in Produktion gehen soll, ist Teil des „Manned Ground Vehicle Program“ (MGV) der US-Army und dem gegenwärtig benutzten M-109 in einer ganzen Reihe von Punkten überlegen. Dazu zählen unter anderem die erhöhte Feuergeschwindigkeit, das relativ geringe Gewicht des Panzers und die Fähigkeit des Systems, schnell zwischen verschiedenen Munitionsarten wechseln zu können.

NLOS-C mit Hybridantrieb. Bild: BAE Systems

Schwärmerisch ist die Kurzbeschreibung auf der Army-Website:

The NLOS-C will be a self propelled howitzer with a two man crew. It will have a 155 mm, Zone 4, 38 caliber cannon, fully automated armament system and a high level of commonality with other MGV variants. It will incorporate a suite of protection measures to enhance crew and platform survivability. The cannon will be able to move rapidly, stop quickly, and deliver lethal first round effects on target in record time.

Das NLOS-C ist aber eben nicht nur ein ungemein effektives Waffensystem, sondern gleichzeitig auch noch der Toyota Prius unter den Panzern. Entwickelt von den britischen BAE-Systems, dem weltweit drittgrößten Rüstungsproduzenten, verfügt das NLOS-C über einen hochmodernen Hybridmotor, der nun auch in die anderen sieben Bodenfahrzeuge integriert werden soll, die im Rahmen des FCS entwickelt werden.

Hybridtechnologie hat eine ganze Reihe von Vorteilen für Armeefahrzeuge. Dazu zählt natürlich vor allem der geringere Spritverbrauch. Daneben gibt es aber noch weitere Gründe für die Army, in Hybridtechnologie zu investieren. Unter anderem wird das Fahrzeug durch den hochmodernen Antrieb leiser, darüber hinaus erhöht sich die Manövrierfähigkeit, insbesondere bei eher langsamer Fahrt.

Der Öko-Panzer ist nicht das erste umweltfreundliche Waffensystem, das von BAE entwickelt wird. Schon im vergangenen Jahr machte BAE Schlagzeilen mit der angekündigten Produktion bleireduzierter Munition. Die Pressesprecherin von BAE Systems, Dr. Debbie Allen, erklärte damals:

Weapons are going to be used and when they are, we try to make them as safe for the user as possible, to limit the collateral damage and to impact as little as possible on the environment.

Bei Umweltschützern und Anti-Rüstungsaktivisten zog das Argument jedoch nicht. Symon Hill von Campaign Against Arms Trade (CAAT), die BAE schon vorher wegen dubioser Deals mit Saudi-Arabien angegriffen hatten, kritisierte das Vorhaben von BAE Systems mit scharfen Worten:

BAE is determined to try to make itself look ethical, but they make weapons to kill people and it's utterly ridiculous to suggest they are environmentally friendly.

Und auch Greenpeace äußerte kein Verständnis für das gute Anliegen des Waffenherstellers. Im Gegenteil. In Einklang mit der empörten Reaktion bei CAAT sah auch Greenpeace die Pläne von BAE Systems als zynisch an und forderte statt einer Ökologisierung der Kriegsführung lieber deren Einstellung.

Die US Army nimmt was Letzteres angeht verständlicherweise einen anderen Standpunkt ein, das Thema Nachhaltigkeit soll allerdings in Zukunft eine große Rolle spielen. Mittlerweile hat die Army sogar ein Nachhaltigkeitsprogramm unter dem Motto „Sustain the Mission – Secure the Future“ aufgesetzt. In den Zielen des Programms wird unter anderem auf die endlichen Energieressourcen hingewiesen:

Achieving and maintaining this ethic of sustainability requires that Army leaders foster a climate in which the Army community embraces the reality that the Earth’s resources, while essential to military operations, are not inexhaustible. Such a mind-set protects military readiness, advances sustainability, and builds trust.

Vermutlich wird jedoch sowohl dem Nachhaltigkeitsprogramm der Army als auch dem umweltfreundlichsten Panzer der Welt keine Welle der Freundlichkeit von Umweltschützern entgegenschlagen. BAE Systems scheint sich solches bereits gedacht zu haben und verzichtet in der Presseerklärung weitgehend auf sämtliche Anspielungen, die das neue Waffensystem als „ökologisch“ darstellen. Stattdessen wird lediglich darauf verwiesen, dass der gesparte Sprit ein Vorteil für die bei Militäroperationen immer schwierige Logistik ist. Aber vielleicht sollten Umweltschützer in dieser Hinsicht doch ein Auge zudrücken. Schließlich ist es eher unwahrscheinlich, dass die großen Armeen über Nacht verschwinden und Überlegungen, wie man derartige milliardenschwere Unternehmen ökologischer gestalten könnte, durchaus begrüßenswert. Nichts spricht dagegen, auch die Kriegsführung ökologischen Maßstäben anzupassen. Klingt blöd, ist aber so.

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