Nahostkonflikt: Kampf um Wasser

Gazastreifen, Ausschnitt. Bild: United Nations OCHA oPt, CC BY 3.0

In kaum einer anderen mit Wasserknappheit ringenden Gegend der Erde treten die im Verteilungskampf auftretenden Probleme so existentiell und facettenreich zugleich zutage wie im Nahen Osten. Teil 1

Die permanente Wasserknappheit in weiten Teilen des Nahen Ostens führte immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen den Nachbarn, die sich nicht auf eine gerechte Aufteilung der Wasserressourcen einigen konnten. Seinen vielleicht sichtbarsten Ausdruck fand dieser Konflikt im Sechstagekrieg von 1967, in dessen Folge Israel neben dem Sinai und Ostjerusalem auch die Golanhöhen, das Westjordanland und den Gazastreifen besetzte.

Dem Krieg waren unterschiedliche Vorstellungen der Jordan-Anrainer über die Aufteilung seines Wassers vorangegangen. Die Arabische Liga wollte im Rahmen des Headwater Diversion Plan mit Hasbani und Banias zwei der drei Hauptzuflüsse des oberen Jordan umleiten, um israelischen Plänen einer Nutzung dieses Wassers für Bewässerungsvorhaben weiter unten im Süden zuvorzukommen. Doch Syrien verlor im Sechstagekrieg die Golanhöhen und ist seitdem von den Quellen des Jordans abgeschnitten. In den folgenden zehn Jahren kam es zu weiteren bewaffneten Zusammenstößen zwischen Israel und Jordanien sowie dem Libanon, und wieder ging es um das Wasser des Jordans.

National Water Carrier in der Nähe des Kibbuz Hukok, unweit des Sees Genezareth. Bild: Ariel Palmon, CC BY 3.0

Grenzüberschreitende Wasserressourcen im Heiligen Land

Der Jordan ist für die israelische Wasserversorgung von zentraler Bedeutung: Wasser aus dem Jordanbecken wird am See Genezareth entnommen und über den National Water Carrier nach Süden geleitet - bis vor kurzem noch kam ein Drittel des jährlichen Wasserbedarfs aus dem größten Süßwasserspeicher Israels.

Doch die Sache hat einen Haken: Der Wasserspiegel des Sees ist drastisch gesunken. Noch einschneidender sind die Veränderungen am Zustand des Toten Meers - um es zu retten, werden unterdessen megalomanische Pläne geschmiedet, deren aktuellster die Heranführung von Wasser über eine 220 Kilometer lange Pipeline aus dem Roten Meer vorsieht, um den Wasserspiegel des Toten Meeres wieder zu heben. Beobachter machen darauf aufmerksam, dass das im 10 Milliarden US-Dollar teuren "Red-Dead Project" herangebrachte Wasser jedoch nur 10% von dem sei, was eigentlich zur Erhaltung des gegenwärtigen Wasserstands benötigt würde.

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