Naht das Ende der Moon-Hoax-Legende?

Das weltweit größte verschiebbare Teleskop VLT-Interferometer AT1 ging in Betrieb, dessen Auflösung bald 50 Mal genauer als die von Hubble sein wird

Bald blicken Astronomen noch genauer und klarer ins All. Wenn das Interferometer des Very Large Telescope (VLTI) ab dem Jahr 2006 vollends funktionstüchtig ist, wird das Auflösungsvermögen des in der chilenischen Atacama-Wüste ansässigen Observatoriums 50 Mal besser sein als das von Hubble. Theoretisch könnte damit ein Mensch auf dem Mond observiert werden. Einen wichtigen Schritt in diese Richtung machte jetzt die Europäische Südsternwarte ESO. Sie nahm das Auxiliary Telescope 1 (kurz AT1) in Betrieb. Der 1,8 Meter Durchmesser große Hauptspiegel ist der erste von insgesamt vier baugleichen Hilfsteleskopen und das derzeit weltweit größte verschiebbare Fernrohr. Sobald die gesamte VLT-Anlage 2006 komplett ist und einmal einen Blick auf den Mond wirft, dürften die Mond-Verschwörungstheoretiker in Argumentationsnöte geraten.

AT1. Foto: ESO

Der städtischen Zivilisation weit entrückt, ungestört von Smog, feuchter Luft, Lichtverschmutzung und aufsteigender Warmluft, die Turbulenzen erzeugt, thront auf dem hochgelegenen Gipfelplateau des 2.635 Meter hohen Cerro Paranal in der Atacama-Wüste im Norden von Chile das weltweit größte, bislang modernste optische und leistungsstärkste bodengestützte Observatorium der Postmoderne: das Very Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte ESO.

Die mit vier stationären 8,2-Meter-VLT-Spiegelteleskopen operierende Sternwarte hat ihre außerordentliche Leistungsfähigkeit schon mehrfach unter Beweis gestellt. So konnten die VLT-Teleskope mal im Verbund oder Duo bzw. Trio neben Schwarzen Löchern auch Exoplaneten und ferne Galaxienhaufen aufspüren sowie Gammastrahlenblitze registrieren. Und vielleicht wird die Hightech-Anlage in absehbarer Zeit sogar mit einer unrühmlichen Legende gründlich aufräumen, die nach wie vor von einer großen Anhängerschaft tradiert wird.

Nachwuchs auf Schienen

Momentan sieht es nämlich ganz danach aus, als rücke für die Moon-Hoax-Fans, die alle Apollo-Missionen (manche nur die erste ...) als böswillige Mystifikationen der US-Regierung verdammen, der "Tag X" immer näher. Denn soeben haben Antu, Kueyen, Melipal und Yepun - so die Namen der VLT-Fernrohre - Nachwuchs bekommen; Nachwuchs wohl gemerkt, der eine neue Ära in der optischen Astronomie einleiten könnte.

Als neues Mitglied der VLT-Familie präsentiert sich nämlich nunmehr das "Auxiliary Telescope 1" (kurz AT1), dem bis zu Jahr 2006 noch drei weitere baugleiche High-Tech-Spiegel folgen werden. Dabei weisen die AT-Vierlinge eine Besonderheit auf. Denn im Gegensatz zu ihren "Eltern", die riesige, dafür aber immobile Fernrohre sind, lassen sich die neuen vier im Familienbunde mit ihren 1,8 Meter großen Spiegeln problemlos auf Schienen bewegen. Nicht nur einige Meter, sondern bei Bedarf auch Dutzende: Je nach Anforderung können die Geräte unterschiedliche Positionen auf dem Paranal einnehmen und in einer maximalen Entfernung von 200 Metern aufgestellt werden. Dank dieser enormen Mobilität bilden die ATs in den Planungen der ESO-Forscher einen essentiellen Bestandteil des Very Large Telescope Interferometer (VLTI).

Bei der interferometrischen Beobachtungstechnik wird ein ausgewählter Stern oder Himmelsausschnitt mit mindestens zwei Teleskopen anvisiert. Dabei gilt es, das eingesammelte Licht zu einem gemeinsamen Fokus zu leiten und dort kohärent zu überlagern. Gelingt es, das Licht der jeweiligen Fernrohre in einem gemeinsamen Brennpunkt zu bündeln, erhöht sich automatisch das Auflösungsvermögen des Observatoriums. Das Bild gewinnt an Schärfe.

Auflösungsvermögen eines 200-Meter-Teleskops

Genau für diese Aufgabe sind die neuen Hilfsteleskope, von denen jedes immerhin 33 Tonnen auf die Waage bringt, vorgesehen. Sie sollen das Licht zusammen mit den vier großen Fernrohren dergestalt kombinieren, dass bislang unbekannte Sterngebiete oder gar Exoplaneten (Transit) an Konturen gewinnen. Gleichwohl sollen die vier Hilfsteleskope auch unabhängig von ihren "Eltern" operieren, bisweilen sogar als "Solisten" agieren und untereinander interferometrische Aufnahmen generieren.

Wenn ab 2006 alle ATs funktionsbereit sind (und damit die gesamte VLT-Anlage komplett ist), können sie in Zusammenarbeit mit den VLT-Teleskopen unter Anwendung des Interferometrie-Verfahrens ein Auflösungsvermögen erreichen, das 50 Mal besser ist als das des Weltraumteleskops. Einfach ist die Aufgabe, das Licht der vier Fernrohre in einem gemeinsamen Brennpunkt zu bündeln, beileibe nicht. An dem komplexen optischen Ausgleichssystem, das hierfür erforderlich ist, feilen die Forscher immer noch. Gelänge es ihnen, das VLTI weiter zu optimieren, besäße das Fernrohr-Quartett ein Auflösungsvermögen eines 200-Meter-Teleskops - genug, um einen Menschen auf der Mondoberfläche zu erkennen.

Ende einer unseligen Debatte?

Vielleicht wäre dies später ja mal ein einmalige Chance, den Apollo-Verschwörungstheoretikern, den Moon-Hoax- und Moon-Fake-Protagonisten, die so gerne die Mondlandungen in das Reich der Fabeln verweisen, vor Augen zu führen, dass Armstrong und Co. im Juli 1969 den Mondstaub auf "La Luna" eben doch höchstpersönlich per pedes aufgewirbelt haben - und statt dessen nicht etwa irdischen Staub in irgend einem abgelegenen NASA-Fernsehstudio (»2001«: Eine Odyssee im Weltraum?).

Am 30. 2002 entstand das bislang schärfste Bild von der Mondoberfläche von der Erde aus. Aufgenommen wurde das Gebiet in der Nähe des Vulkans Taruntius mit dem Very Large Telescope der ESO

Zwar wird das Auflösungsvermögen der Teleskope noch nicht reichen, um im Mare Tranquillitatis die ältesten von "Menschenfuß" hinterlassenden Spuren im Sand der Mondwüste zu bestaunen: die Original-Fußabdrücke der ersten Menschen auf dem Mond (Neil Armstrong und Edwin E. Aldrin). Doch spätestens, wenn die US-Flagge, das Mondauto, die Landefähren oder die anderen technischen Utensilien, die unsere Apollo-Astronauten dem Mond quasi als irdische Souvenirs schenkten, auf den VLTI-Computerbildschirmen der ESO an Konturen gewinnen, müsste der Moon-Fake-Spuk ein für allemal zu Ende sein.

Es wäre eine Suche nach der Nadel im "lunaren" Heuhaufen; aber allein die Aussicht, dass dadurch die unseligen Moon-Hoax-Fantasten endlich zum Schweigen gebracht würden, rechtfertigte diesen Aufwand. Allerdings steht zu befürchten, dass hartnäckige Verschwörungstheoretiker sich selbst von den "optischen" Beweisen, die das ESO-Ausnahmeteleskop sammeln könnte, dann nur wenig beeindrucken lassen würden.

Einige Beispiele dafür, wie schnell sich die Argumente der Mond-Verschwörungstheoretiker in Luft auflösen, dokumentiert Badastronomy.com. (Harald Zaun)