Netz-Journalismus wird anders - oder er wird nicht sein

Grafik: TP

Die Wechselwirkung zwischen Datennetz, Inhalt und Wirtschaftsform bleibt eine Zwickmühle

Was wir gerade nicht wissen: ob einmal ein Wunder geschieht. Worauf sollten Journalisten sonst gegenwärtig hoffen? Halten wir vorerst die zentralen Punkte fest:

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  • Gedruckte und verkaufte Auflagen sinken - ein Ende ist nicht abzusehen.
  • Für Online-Journalismus gibt es wenige erfolgreiche Bezahlmodelle.
  • Im Internet gibt es meist kostenlose Angebote, auf die man ausweichen kann, wenn ein anderes kostenpflichtig wird.
  • Je kleiner das jeweilige Angebot, desto geringer seine Chancen auf dauerhaft zahlende Kundschaft.
  • Dieser Wettbewerb wird durch englischsprachige Angebote noch verschärft.

Ich möchte hier einige Zusammenhänge und Perspektiven skizzieren, die von diesen Faktoren ausgehen.

Ein Hauptunterschied, den ich zwischen Internet-Publizistik für ein größeres Publikum und sog. "Etablierten" ausmachen kann, besteht in ihrer Stimmung. Ich beziehe mich dabei zunächst wesentlich auf politische und wirtschaftliche Websites und Blogs. Das Internet zeichnet sich durch Pessimismus und Untergangs-Prognosen aus. Das kann politisch rechts- oder linksgerichtet argumentiert sein.

Dann hätten wir noch das Feuilleton. Wenn es sich politisch äußert, tendiert es zu linksliberalen Positionen. Es hat generell einen etwas freundlicheren Zugang zu seinen Gegenständen, denn ein Rezensent liest prinzipiell gerne Romane, schaut Filme etc. Hinzu kommt, dass schon im Print-Bereich Abhängigkeiten existieren.

Gefälligkeits-Rezensionen sind für Kritiker, die im Geschäft mit den Presse-Abteilungen der Medienproduzenten bleiben wollen, eher die Regel als die Ausnahme. Ein Kritiker, der vieles schlecht findet, entzieht sich selbst die Geschäftsgrundlage (Rezensionsexemplare, Presse-Einladungen). Paradoxerweise muss man also seinen beruflichen Status als Kritiker in der Tendenz aufgeben, wenn man kritisiert. Manipulatives Product Placement, das wissen wir, ist im Internet noch schlimmer als im Print-Bereich.

Und es bleibt vorerst so, dass das Internet-Publikum jüngeren Alters ist. Die nahezu konkurrenzlose Plattform YouTube als "neues Fernsehen" ist in ihrem Programm-Bukett für Nutzer nicht zu überblicken. Formen eines Programmführers stecken allenfalls in den Kinderschuhen. Das Einrichten und Durchgehen von Abonnements "überfordert" Konsumenten sehr schnell.

Am Ende stehen wenige individuelle Lieblings-Kanäle, die gewohnheitsmäßig angesurft werden. Sie bieten meist in schneller Folge Neues - einmal oder mehrmals die Woche. Und damit leiden alle Einzelangebote, die eine geringere Frequenz haben.

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Bei den Jüngeren finden darüber hinaus kaum Angebote Anklang, die einen gewissen Grad von Komplexität und Anspruch behaupten können. Die Hits für Jugendliche und junge Erwachsene auf YouTube sind ein Mix aus flachster und obszöner Blödelei, Erziehung zum Konsumtrottel und grenzenloser Verspieltheit immer neuer, meist konzeptuell gleichförmiger Videogames.

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