Neue Art des Menschen entdeckt

Zähne von CCH6. Bild: Callao Cave Archaeology Project/Nature

Nicht nur in Zeiten der gegenwärtigen Globalisierung, sondern auch im späten Pleistozän vermischten sich die Menschen

Archäologen haben eine neue Art des Menschen gefunden. Eigentlich ging man mit der Out-of-Africa-Theorie davon aus, dass der moderne Mensch nach der ersten Globalisierungswelle von Homo erectus, der bis nach Asien kam, und dem Neandertaler ungefähr vor 40.000 Jahren über Afrika hinaus gewandert ist. 2003 waren auf der indonesischen Insel Flores Knochen von kleinen Menschen gefunden worden. Der Homo floresiensis, auch Hobbit genannt, wurde dem Homo erectus zugeordnet, weil die These, dass sich der moderne Mensch an verschiedenen Orten multiregional aus dem Homo erectus entwickelt haben könnte, unwahrscheinlich erschien und vielleicht auch nicht erwünscht war.

Nun aber wurden Fuß-, Hand- und Oberschenkelknochen sowie Zähne von mindestens drei Individuen einer bislang unbekannten Menschenart auf den Philippinen in der Callao-Höhle im Norden der Insel Luzon von einem internationalen Wissenschaftlerteam gefunden.

Callao-Höhle. Bild: Callao Cave Archaeology Project/Nature

Sie sollen, wie die Wissenschaftler in ihrem in Nature veröffentlichten Bericht schreiben, zwischen 50.000 und 67.000 Jahre alt sein und eine Kombination von Merkmalen aufweisen, die sie von anderen Homo-Arten wie Homo floresiensis, Homo naledi, Homo neanderthalensis und Homo sapiens unterscheiden, aber auch Nähen etwa zum Australopithecus haben. So konnten sie aufrecht laufen, aber ihre Beine waren wohl auch noch auf das Klettern auf Bäumen ausgerichtet, aber sie hatten kleine Backenzähne, wie sie Homo sapiens eigen sind. Vermutlich waren die Menschen woanders gestorben und in die Höhle geschwemmt worden. Ähnlich wie Homo floresiensis lässt sich aus den Funden schließen, dass es sich um eine kleine Menschenart handelt, also um weitere Hobbits.

Die Wissenschaftler glauben jedenfalls, eine neue Art gefunden zu haben, die sie Homo luzonensis nennen. Das würde auch darauf hinweisen, dass Südostasien eine wichtige, bislang unterschätzte Rolle in der Evolution des Menschen einnimmt, die bislang mit der Auswanderung von Homo sapiens in den Nahen Osten und nach Europa stärker eurozentristisch geprägt war.

Offenbar entwickelten sich, was man auch sonst aus der biologischen Evolution kennt, unterschiedliche Menschenarten zunächst unabhängig in verschiedenen Regionen, die nebeneinander lebten. Durch Wanderungen, Migrationen, trafen manche Arten - wie Homo Sapiens und Neandertaler - aufeinander und bekämpften sich nicht nur, sondern vermischten sich auch. In den Genen trägt Homo sapiens, also wir, auch wenn das sapiens nicht immer zutreffen mag, die Erinnerung an Folgen dieser sexuellen Begegnungen.

Allerdings wurden bei den Knochen keine Werkzeuge gefunden, es konnte auch keine DNA gefunden und analysiert werden. Unklar ist auch, wie die neue Menschenart auf die Insel gekommen ist, auf der sie sich vermutlich isoliert, aber zusammen mit vorhergehenden Arten von Homo erectus, die schon vor 700.000 Jahren eingewandert waren, weiter entwickelt haben. Und unbekannt ist auch, warum diese Menschenart wie so viele andere ausgestorben ist und nur Homo sapiens übriggeblieben ist. (Florian Rötzer)