"Neue Form von Versklavung"

Malis Bauern lehnen die Einführung genveränderter Pflanzen ab

Die Zukunftsaussichten für den Anbau genveränderter Nutzpflanzen sehen, so sieht man es in der Branche und wohl auch in der US-Regierung, gut aus. Im nächsten Jahrzehnt sollen die Zuwachsraten, die jetzt im zweistelligen Prozentbereich liegen, weltweit noch steigen. Für die nächsten 10 Jahre sieht ein Bericht der International Service for the Acquisition of Agri-biotech Applications (ISAAA), auf den auch vom US-Außenministerium hingewiesen wurde, die bestehenden Hindernisse für den Anbau von Gen-Pflanzen im schwarzen Kontinent, wo sie nur in Südafrika angebaut werden, schwinden. In Mali haben sich allerdings die Bauern erst einmal gegen die Einführung von genverändertem Saatgut ausgesprochen.

Die US-Regierung hatte immer mal wieder versucht, auch über Lebensmittellieferungen bei Hungerkatastrophen (Gen-Food, nein danke!, Spiel mit dem Hunger?), der Gentech-Industrie unter die Arme zu greifen und in afrikanische Länder Produkte oder Saatgut aus genveränderten Pflanzen einzuführen. Bislang aber sperrt man sich auf dem schwarzen Kontinent. Die ISAAA macht dafür vor allem Europa verantwortlich, weil hier die Importeure keine genveränderten Lebensmittel haben wollen. Aber das würde sich in Europa und auch in Afrika allmählich ändern, zumal wenn hier genveränderte Pflanzensorten angeboten werden, die spezifisch auf die Länder zugeschnitten sind, beispielsweise Pflanzen, die mit weniger Wasser auskommen. Genveränderte Pflanzen seien nicht nur gegenüber Schädlingen resistenter und toleranter gegenüber Herbiziden, sie seien auch billiger, umweltfreundlicher und ergiebiger als traditionelle Sorten.

In Mali, dem viertärmsten Land der Welt, in dem vorwiegend Baumwolle produziert wird, scheinen die optimistischen Prognosen von der Gentech-Branche bei den Bauern nicht anzukommen. Am Ende einer mehrtägigen, vom britischen International Institute for Environment and Development (IIED) organisierten Konferenz - Espace citoyen d’interpellation démocratique (ECID) -, die in Sikasso stattfand, lehnten die in der Jury befindlichen Bauern und Vertreter von Landwirtschaftsverbänden aus dem ganzen Land die Einführung von genveränderten Saatgut einstimmig ab. Die Konferenz, bei der internationale Experten von der FAO oder der Gentech-Branche sowie Kritiker und Landwirte aus Indien und Südafrika, die Erfahrung mit dem Anbau von GMOs haben, die Bauern über die Vor- und Nachteile informierten, fand im Kontext der Diskussion eines neuen Gesetzes über die Ausrichtung der Landwirtschaft in Mali statt, bei dem es auch um die Zulassung des Anbaus von genveränderter Baumwolle geht, die gegen Schädlinge resistent ist. Bislang werden nur in Südafrika GMOs angebaut, Burkina Faso, das Nachbarland von Mali, hat mit Testversuchen begonnen.

So erklärte der Kleinbauer Birama Kone, der Mitglied in der Jury war: "Genveränderte Pflanzen sind mit einer Art der Landwirtschaft verbunden, die die gegenseitige Hilfe und Kooperation unter den Bauern und unser soziales und kulturelles Leben an den Rand drängt." Manche waren sich auch ganz sicher, dass sie niemals GMOs im Land haben wollen. Gefürchtet wird die Belastung der Böden mit den toxischen Produkten der Bt-GMOs, das Verschwinden der traditionellen Sorten, die möglichen Folgen für Tiere und Menschen und die Kontrolle, die die GMO-Hersteller über die Bauern ausüben könnten. So hatte auch die Mehrzahl der Experten darauf hingewiesen, dass GMOs für die Bauern nicht kostengünstiger seien, sondern sie jedes Jahr das Saatgut von Konzernen wie Monsanto oder Syngenta neu kaufen müssten."Warum wollen sie uns etwas aufzwingen, das wir nicht wollen?", fragte Dramane Dembélé, für die GMOs eine neue Art der Versklavung darstellen. Das Nein der Jury ist nicht bindend, dürfte aber einen Einfluss auf die Entscheidung der Regierung haben. Die Konferenz wurde auch von der regionalen Verwaltung unterstützt.

Für Michel Pimbert vom IIED geht es darum, mit solchen Initiativen gerade in Ländern mit "demokratischen Defiziten" den Bauern und Bürgern dazu zu verhelfen, dass sie ausreichend auch über komplizierteund umstrittene Sachverhalte informiert werden und so selbst entscheiden können, was sie anbauen wollen, und das nicht die Regierungen oder die Konzerne für sie entscheiden.

Die US-Entwicklungsbehörde USAID fördert die Einführung von genveränderten Pflanzen, um den Hunger zu bekämpfen. Die britische Hilfsorganisation Oxfam weist darauf hin, dass aber gerade die USA durch die massive Subvention der eigenen Baumwolle-Farmer erheblich zur Verarmung der Bauern in Westafrika beitragen. So erhalten die amerikanischen Baumwolleproduzenten mehr Subventionen als das gesamte Bruttoinlandsprodukt von Burkina Faso und drei Mal so viel wie die gesamten Hilfen von USAID für Afrika. Mali büßt dadurch nach Oxfam 1,7 % des Bruttoinlandprodukts und 8% der möglichen Exportgewinne ein. Mali erhielt beispielsweise 2001 37 Millionen Dollar Entwicklungshilfe, büßte aber durch die Subventionen 43 Millionen Dollar ein. Da hilft genveränderte Baumwolle in der Tat wenig, sondern verstärkt das Ungleichgewicht nur. (Florian Rötzer)