Neue Indizien legen nahe, dass den Anschlägen vom 11. September 2001 kein Selbstmordplan zugrunde lag

9/11 - eine andere Perspektive - Teil 1

Bei der Betrachtung von 9/11 beherrschen weiterhin zwei einander heftig bekämpfende Lager das Feld. Die einen sehen es als erwiesen an, dass die Terroranschläge von Bin Ladens Al Qaida geplant wurden, die anderen unterstellen eine Inszenierung von Teilen der US-Regierung. Eine Annäherung der beiden Lager scheint ausgeschlossen, zu unterschiedlich sind die jeweils zugrundeliegenden Weltbilder. Dabei ist bei Betrachtung aller Indizien eine überraschende Synthese der beiden Sichtweisen möglich. Der folgende Text soll diese neue Perspektive vorstellen.

Ich habe nie verstanden warum diese 19 Leute das taten. Wir haben uns ihren Hintergrund angeschaut. In ein oder zwei Fällen waren sie offenbar glücklich, gut situiert, nicht besonders religiös, einer hatte eine Freundin. Wir haben einfach nicht herausfinden können, warum er es tat. Ich weiß es noch immer nicht. Und ich glaube, dass eine der großen unbeantworteten Fragen - ein gutes Thema für investigative Journalisten - lautet: Warum haben diese 19 das getan? In unserem Untersuchungsbericht haben wir darüber spekuliert, warum der Feind uns hasst, aber wir waren einfach nicht in der Lage, die Fragen zu den 19 zu beantworten.

Dieses Zitat stammt von Lee Hamilton, dem Vizevorsitzenden der amtlichen 9/11 Commission und langjährigen engen Freund von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und Vizepräsident Dick Cheney. Die von ihm gemeinsam mit Gouverneur Tom Kean geleitete Untersuchung der Anschläge währte mehr als eineinhalb Jahre, von Ende 2002 bis Mitte 2004, und beschäftigte in dieser Zeit über 80 Stabsmitglieder. Ihr Abschlussbericht maß 567 Seiten. Und doch, lange nachdem die Kommission ihre Arbeit abgeschlossen hatte, nachdem vieles ermittelt, aufgeschrieben und analysiert worden war, blieb der Kern, nämlich das Motiv der mutmaßlichen Täter, weiter im Dunkeln.

Tatsächlich waren die Anschläge aus Sicht von Bin Laden und Al Qaida zumindest in hohem Maße irrational. Dass die USA mit Krieg reagieren würden, war absehbar - und für Al Qaida keineswegs wünschenswert. Deren Ziel waren autonome arabische Staaten fundamentalistischer Prägung, und nicht von westlichen Truppen besetzte Protektorate, wie sie in der Folge von 9/11 in Afghanistan und dem Irak entstanden. Die populäre These, Bin Laden habe den Westen in die Falle eines langdauernden Krieges gelockt, ist erst im Nachhinein konstruiert worden - und sie ist wenig schlüssig. In der Realität kämpften arabische Fundamentalisten von Anfang an, schon vor 9/11, für den Abzug westlicher Truppen, etwa aus Saudi-Arabien.

Dazu sind weitere, sehr grundsätzliche Fragen bis heute offen. Warum etwa stellte Al Qaida unmittelbar nach 9/11 keine politischen Forderungen? Weshalb veröffentlichten die Terroristen kein Ultimatum, in dem sie den USA mit einem weiteren Anschlag drohten, sollten ihre Forderungen nicht erfüllt werden? Warum einen so aufwendigen Anschlag ins Werk setzen und ihn dann nicht ausnutzen? Was sind das für Terroristen, die unter dem Radar sämtlicher Geheimdienste durchtauchen, in technischer Perfektion vier Mal an einem Tag amerikanischen Überschall-Abfangjägern davonfliegen, drei Hochhäuser im Finanzdistrikt Manhattans pulverisieren und anschließend geisterhaft verstummen?

Kapitel 1: Auf der Suche nach Beweisen

Es erscheint sinnvoll, sich zunächst über die tatsächlichen, offiziell vorgebrachten Beweise klar zu werden. Wie hatte man die Verbindung zu Bin Laden und Al Qaida ursprünglich überhaupt ermittelt?

Unmittelbar nach den Anschlägen gab es zunächst kein Bekennerschreiben. Bin Laden selbst dementierte stattdessen in mehreren öffentlichen Stellungnahmen im September 2001 seine Beteiligung an 9/11. Und anscheinend konnte in den ersten Wochen und Monaten niemand das Gegenteil beweisen. Wie die BBC im Oktober 2001 berichtete:

Es ist kein direkter Beweis bekannt geworden, der Osama Bin Laden mit den Anschlägen verknüpft. Bestenfalls handelt es sich um Indizien. (...) Diese werden nicht vor einem Gericht geprüft. Sie müssen lediglich Regierungen in aller Welt überzeugen, den US-geführten Krieg gegen den Terrorismus zu unterstützen, sowie in geringerem Umfang die Öffentlichkeit. Regierungsvertreter der USA und Großbritanniens haben angedeutet, dass sie aus Sicherheitsgründen nicht alle Beweise öffentlich machen können.

Dennoch fand das FBI belastendes Material. Unmittelbar nach den Anschlägen tauchte eine ganze Reihe von Indizien auf, zurückgelassen in einem Mietwagen am Flughafen sowie im Koffer des mutmaßlichen Anführers Mohammed Atta. Der Koffer war aus unerfindlichen Gründen nicht ins Flugzeug verladen worden. Er enthielt Attas Testament, einen Koran sowie Videobänder mit Boeing-Fluganleitungen. Diese Funde schienen einige der 19 Männer mit den Flugzeugentführungen zu verknüpfen. Rätselhaft blieb dabei unter anderem, weshalb ein Selbstmordattentäter sein Testament in einen Koffer packte, von dem er annehmen musste, dass dieser zerstört werden würde. Auch einige Ermittler selbst hatten hierbei den Eindruck, einer absichtlich gelegten Spur zu folgen. Seymour Hersh, einer der renommiertesten Journalisten der USA, schrieb dazu Anfang Oktober 2001 im "New Yorker":

Viele der Ermittler gehen davon aus, dass einige der zunächst entdeckten Hinweise zu den Identitäten der Terroristen und ihren Vorbereitungen, wie etwa die Fluganleitungen, gefunden werden sollten. Ein ehemaliger hochrangiger Geheimdienstbeamter sagte mir: "Die Spuren wurden absichtlich gelegt - damit das FBI ihnen folgt."

Abgesehen von diesen Funden ermittelte man, dass ein paar der Männer ein militärisches Training in Afghanistan absolviert hatten und dass einige auf Flugschulen in den USA eingeschrieben gewesen waren. Der klare Beweis für einen von Bin Laden organisierten Selbstmordplan fehlte jedoch weiterhin. Dazu zitierte Seymour Hersh Beamte der US-Regierung:

"Diese Leute müssen nicht alle von Bin Laden sein", sagte mir ein Beamter des Justizministeriums. "Wir überprüfen noch vieles." Am 23. September hatte Außenminister Colin Powell erklärt, dass "wir der Welt und dem amerikanischen Volk einen überzeugenden Fall präsentieren werden", der Bin Ladens Verantwortung für die Anschläge zeige. Doch das allgemein erwartete Papier konnte, so der Beamte des Justizministeriums, aus Mangel an harten Beweisen nicht veröffentlicht werden. "Es reichte einfach nicht aus."

Die Hypothese eines von Bin Laden erdachten Selbstmordplans wurde erstmals gestützt durch ein vom Pentagon im Dezember 2001 veröffentlichtes Video, auf dem sich Bin Laden, einer Übersetzung der US-Regierung zufolge, mit der Planung der Anschläge brüstete. Eine Neuübersetzung, in Auftrag gegeben von einem Reporterteam der deutschen ARD, konnte dies jedoch nicht bestätigen. Darüber hinaus ist das Video von amerikanischen Strafverfolgungsbehörden selbst nie offiziell als Beweis für eine Verantwortung Bin Ladens angesehen worden.

In diesem Sinne betonte auch FBI-Direktor Robert Mueller sieben Monate nach den Anschlägen, im April 2002:

Die Flugzeugentführer hinterließen keine Dokumente. In unserer Untersuchung haben wir nicht ein einziges Blatt Papier gefunden, das irgendeinen Aspekt des 9/11-Plans erwähnte - weder hier in den USA, noch in dem Schatz von Informationen, der in Afghanistan und anderswo auftauchte.

Ebenfalls im April 2002 tauchte erstmals ein Video eines der mutmaßlichen Attentäter auf, aufgenommen offenbar Monate vor den Anschlägen. Darin wurde in martialischen Worten verkündet, dass man die "Ungläubigen" von der arabischen Halbinsel vertreiben und auch Amerikaner töten müsse. Ein konkreter Bezug zu 9/11 war nicht enthalten. Ähnliche Videos anderer mutmaßlicher 9/11-Attentäter erschienen im September 2002, sowie zu den folgenden Jahrestagen der Anschläge - ausgestrahlt jeweils vom arabischen Sender Al Jazeera. Keine der Aussagen auf diesen "Märtyrer-Videos" offenbarte allerdings Täterwissen oder kündigte die Anschläge konkret an. Dafür hatten die Filmproduzenten in den Bildhintergrund der Videos nachträglich digital die explodierenden Türme des World Trade Centers und ähnliche Symbole für 9/11 hineinkopiert - was zwar suggestiv war, aber ohne jede Beweiskraft für die Beteiligung der entsprechenden Personen an den Anschlägen.

Ausgerechnet von den mutmaßlichen Piloten tauchten zudem keine solchen "Märtyrer-Videos" auf, obwohl die doch eine führende Rolle gespielt haben sollten. Abgesehen davon erscheint es wenig schlüssig, ein im Voraus erstelltes Bekennervideo sieben Monate, bzw. sogar mehrere Jahre nach der Tat zu veröffentlichen.

Der nächste größere Versuch, die Verantwortung von Bin Laden und Al Qaida zu belegen, erfolgte zum ersten Jahrestag der Anschläge, im September 2002. Wiederum über Al Jazeera wurde nunmehr lediglich eine Tonaufnahme veröffentlicht, auf der sich angeblich die Drahtzieher der Anschläge, Ramzi Binalshibh und Khalid Scheich Mohammed, zu der Tat bekannten. Der Fernsehproduzent Yosri Fouda berichtete, wie er die beiden in Pakistan konspirativ für ein Interview getroffen hätte. Im Nachhinein verstrickte sich Fouda jedoch in massive Widersprüche, was Zeitpunkt und Umstände dieses Interviews betraf. Auch diese Tonaufnahme sowie Foudas Aussage selbst wurden zu keinem Zeitpunkt von US-Strafverfolgungsbehörden als Beweismittel angesehen.

Was also sind die Beweise für einen Bin Laden-Plot? Tatsächlich basiert die offiziell akzeptierte These der Verantwortung von Al Qaida, wie sie im 9/11 Commission Report aus dem Jahr 2004 dargelegt wird, auf den Berichten mehrerer Männer, die den Behörden in Pakistan ins Netz gingen: Abu Subaida (Festnahme im März 2002), sowie die bereits erwähnten Ramzi Binalshibh (Festnahme im September 2002), und Khalid Scheich Mohammed (Festnahme im März 2003). Deren Aussagen - und keine wie auch immer gearteten Videos - bilden die Grundlage der offiziellen Theorie zur Planung und Durchführung der Anschläge.

Der 9/11 Commission Report basiert wesentlich auf den Geständnissen dieser drei Männer. Subaida etwa wird namentlich auf 31 Seiten des Commission Reports erwähnt, Binalshibh auf 50 Seiten und Khalid Scheich Mohammed (abgekürzt "KSM") sogar auf 99 Seiten. Die Erläuterungen des Reports zur Planung der Terroranschläge sind voll von Formulierungen wie "KSM behauptet, dass ...", "KSM zufolge ...", "KSM bestand gegenüber seinen Vernehmern darauf, dass ..." und so weiter.

Jedoch besaß die 9/11 Commission keine Möglichkeit, diese Behauptungen auch zu überprüfen, da sie keinen Zugang zu den Gefangenen hatte. Den Ermittlern der Commission wurde nicht einmal erlaubt, mit den Vernehmern zu sprechen.1 Als der Vizevorsitzende Lee Hamilton schließlich im Dezember 2003 CIA-Chef George Tenet persönlich aufsuchte, um nachdrücklich den Zugang der Commission zu diesen Hauptzeugen einzufordern, erhielt er eine deutliche Antwort2:

Lee, Du wirst keinen Zugang zu ihnen bekommen. Es wird nicht passieren. Nicht einmal der Präsident der Vereinigten Staaten weiß, wo diese Leute sind. Und er hat keinen Zugang zu ihnen. Und Du wirst keinen Zugang zu ihnen erhalten.

Währenddessen wurden Subaida, Binalshibh und Mohammed in Geheimgefängnissen versteckt, wo man sie schwer folterte. Ihren Geständnissen kann somit kaum Glaubwürdigkeit beigemessen werden. Es dauerte mehrere Jahre, bis sich in den USA ein renommierter Journalist fand, der diesen Skandal thematisierte. Im Bericht von Robert Windrem vom amerikanischen TV-Sender NBC aus dem Jahr 2008 heißt es:

Eine Analyse von NBC News zeigt, dass mehr als ein Viertel aller Fußnoten des 9/11 Reports auf CIA-Verhöre von Al Qaida-Mitgliedern verweist, die den inzwischen strittigen Verhörmethoden ausgesetzt wurden. Tatsächlich basieren die entscheidendsten Kapitel des Reports zur Planung und Ausführung der Anschläge im Kern auf Informationen aus diesen Verhören.

Schließlich räumte die US-Regierung 2009 in einem Gerichtsdokument sogar ein, dass Abu Subaida, ihre erste und wichtigste Quelle, die von Präsident Bush als "Al Qaidas Operationschef" bezeichnet worden war, tatsächlich nie ein Mitglied oder auch nur Unterstützer von Al Qaida gewesen war. Diese Enthüllung stellt zusätzlich große Teile des Commission Reports in Frage.

In der Summe gibt es bis heute keinen verlässlichen Beweis für die offizielle Behauptung, dass Bin Laden eine Selbstmordmission der 19 Männer geplant habe. Ein FBI-Sprecher hatte dies bereits 2006 zugegeben, als er erklärte, dass "dem FBI keine harten Beweise vorliegen, die Bin Laden mit 9/11 verknüpfen". Der Sprecher führte aus:

Das FBI sammelt Beweise. Diese Beweise werden dann dem Justizministerium übergeben. Das Ministerium entscheidet, ob die Beweise ausreichen, um Anklage zu erheben. Im Falle der Anschläge auf die US-Botschaften von 1998 ist Bin Laden formell angeklagt worden. In Verbindung mit 9/11 ist er nicht formell angeklagt worden, weil dem FBI keine harten Beweise vorliegen, die ihn mit den Anschlägen verknüpfen.

Kapitel 2: Geänderte Listen

Weiterhin besteht Unklarheit, was die Identitäten der mutmaßlichen Flugzeugentführer angeht. Das FBI räumte dies ein, nachdem es am 14. September 2001 die endgültige Verdächtigenliste vorgelegt hatte. Was nicht erwähnt wurde: Die Liste der vermeintlichen Entführer hatte sich zwischen dem 11. und dem 14. September geändert.

Der offiziellen Darstellung zufolge wurde Flug American 77 von Entführer Hani Hanjour ins Pentagon gesteuert. Daran gibt es jedoch ernste Zweifel. Als die American Airlines direkt am 11. September Details zu den Passagieren von Flug 77 an die Ermittler sandten, war kein Hani Hanjour auf der Liste. Anstelle der später behaupteten 5 waren nur 4 Namen von Verdächtigen darauf verzeichnet: Khalid al Midhar, Nawaf al Hazmi, Salem al Hazmi und Majed Moqed. Die Liste, abgeschickt von American Airlines-Mitarbeiter George Bartulevicz ist kaum bekannt. Sie tauchte in einem Stapel interner Dokumente der 9/11 Commission auf, die erst 2009 freigegeben wurden.

Die Tatsache, dass man in Zusammenhang mit Flug 77 vor dem 14. September nur von 4 Entführern ausging, wird bestätigt durch eine Stellungnahme von FBI-Direktor Robert Mueller. Dass Hani Hanjour nicht auf der ursprünglichen Liste stand, wird zusätzlich belegt durch einen Bericht der Washington Post, in dem es heißt: "Sein Name war nicht auf der American Airlines-Passagierliste weil er möglicherweise kein Ticket besaß." Einer späteren FBI-Ermittlung zufolge hatte Hanjour allerdings am 31. August ein Ticket für den fraglichen Flug gekauft.3 Daher müsste er auch zwingend auf der ursprünglichen Liste gestanden haben - was aber nicht der Fall war.

Eine logische Erklärung für diesen Widerspruch, sowie für die erwiesene Tatsache dass sein Name erst nach den Anschlägen ergänzt wurde, lautet, dass Hanjour den Flug nie antrat.

Interessanterweise gibt es konkrete Beweise für diese Annahme. Die 9/11 Commission untersuchte die tatsächlichen Check-in-Daten am Washingtoner Flughafen, von wo aus Flug 77 gestartet war. Den Daten zufolge hatten Khalid al Midhar und Majed Moqed um 7:15 Uhr am Ticketschalter von American Airlines eingecheckt. Die beiden Brüder Nawaf und Salem al Hazmi folgten wenig später, um 7:29 Uhr, nach. Was Hani Hanjour angeht, vermerkt der Commission Report jedoch: "Die Fluggesellschaft war noch nicht in der Lage, die Check-in-Zeit von Hanjour zu bestätigen."4 American Airlines selbst hatte der Commission in klareren Worten mitgeteilt, dass sie "nicht feststellen konnten, ob Hanjour eingecheckt hat".5

Die Behauptung, dass Hanjour an Bord gegangen ist, stützt sich lediglich auf ein Video einer Überwachungskamera vom Flughafen. Die Aufnahme wurde im Jahr 2006 im Rahmen des Prozesses gegen den sogenannten "20. Hijacker" Zacarias Moussaoui veröffentlicht. Auf dem Video ist ein Mann zu sehen, der Hani Hanjour sein könnte. Jedoch kann es sich auch um jemand anderen handeln - die Aufnahme ist in keinem Fall ein eindeutiger Beweis. Dazu gilt: wenn es Hanjour auf dem Video wäre, dann müsste die Fluggesellschaft natürlich auch sein Einchecken registriert haben. Aber dies ist nicht der Fall.

Es gibt auch keinen DNA-Beweis, obwohl die sterblichen Überreste aller Passagiere sehr gründlich untersucht wurden. Tatsächlich konnten 63 der 64 Flugzeugpassagiere am Schauplatz der Pentagon-Tragödie anhand ihrer DNA identifiziert werden. Die darunter befindlichen mutmaßlichen Entführer wurden jedoch sämtlich lediglich per Ausschlussverfahren bestimmt. Dies bedeutet, dass man DNA, die nicht zu einem der bekannten Opfer passte, einfach den behaupteten fünf Terroristen zuordnete. Diese Funde wurden zudem nicht abgeglichen mit DNA-Spuren, die das FBI in Mietwagen und Hotelzimmern der Männer sichern konnte. Im Ergebnis wurde keiner der mutmaßlichen Entführer dieses Fluges an der Absturzstelle positiv identifiziert - auch nicht Hani Hanjour.

Flug 77 ist nicht die einzige entführte Maschine, deren Passagierliste offenbar nach 9/11 geändert wurde. Ein weiterer Fall betrifft die Bukhari-Brüder. Amir und Adnan Bukhari standen ursprünglich im Verdacht, zu den Entführern zu gehören, die ins World Trade Center geflogen waren. Ein solcher Verdacht konnte nur auf der originalen Passagierliste des Fluges beruhen. Die Bukhari-Brüder waren allerdings auf der FBI-Liste vom 14. September nicht zu finden. Warum nicht? Der simple Grund lautet: Einer von ihnen hatte sich unmittelbar nach 9/11 als lebendig herausgestellt und der andere, so fanden es die Ermittler heraus, war bereits im Vorjahr verstorben. Auffällig: Beide waren Saudis mit Pilotenlizenz, genau wie Hani Hanjour.

Handelte es sich also um einen Fall gestohlener Identitäten? Offenbar nicht, denn der 9/11 Commission Report behauptet nicht, dass gestohlene Identitäten eine Rolle bei den Anschlägen gespielt hätten. Der offiziellen Darstellung zufolge hatten alle 19 Männer ihre echten Namen benutzt, auch beim Kauf der Flugtickets. Eine Fülle von persönlichen biographischen Hintergrundinformationen zu jedem einzelnen der Terroristen untermauerte die angenommene Echtheit der Namen im Commission Report.

Was die Bukhari-Brüder anging, wurde die Liste einfach geändert. Sie wurden ersetzt durch die Al Shehri-Brüder (Walid und Wail al Shehri). Gleiches geschah mit zwei weiteren unmittelbar nach 9/11 auf Basis der Passagierlisten verdächtigten Saudis. So wurden die mutmaßlichen Flugzeugentführer Amir Kamfar und Abdul Rahman al Omari am 14. September ersetzt durch den zum Verwechseln ähnlich klingenden Abdul Aziz al Omari, sowie Satam al Suqami. Das ganze seltsame Hütchenspiel wurde bis heute nicht einmal ansatzweise der Öffentlichkeit erklärt.

Ergänzt werden kann, dass der Beweis für die Anwesenheit des erwähnten Suqami an Bord der entführten Maschine außergewöhnlich ist: Es wird offiziell behauptet, man habe seinen Pass im Staub der zerstörten Twin Towers gefunden. Angeblich habe er den Flugzeugcrash, das Feuerinferno, sowie die anschließende Pulverisierung des Nordturms unversehrt überstanden. Der Fall Omari ist ähnlich frappierend: Hier wird behauptet, dass sein Pass in Attas Koffer gefunden worden wäre, in eben jenem Gepäckstück, das nicht ins Flugzeug verladen worden war. Beide Funde sind zweifelhaft. Der 9/11 Commission Report betonte6:

Nur die Pässe von Satam al Suqami und Abdul Aziz al Omari wurden nach 9/11 gefunden. Beide waren manipuliert worden."

Es existieren also starke Indizien dafür, dass die FBI-Verdächtigenliste der 19 Flugzeugentführer vom 14. September inkorrekt ist. Offenbar wurden die sich ändernden Listen teilweise mit Saudis ergänzt, die Kontakte zu Terroristen hatten und im Besitz von US-Visa waren (Suqami, Omari), sowie zusätzlich eine Fluglizenz besaßen (Hanjour, Bukhari). Anscheinend hatte die Person, die diese Änderungen vornahm, Zugriff auf eine Datenbank von Saudis in den Vereinigten Staaten.

Die Frage ist nun nicht nur, wer diese Person war, sondern zuallererst, warum Änderungen notwendig wurden. Zu welchem Zweck wurden die originalen Passagierlisten manipuliert? Im Fall von Hani Hanjour scheint die Antwort offensichtlich: sein Name wurde offenbar ergänzt, da er ein Saudi mit Pilotenlizenz war, und es ohne ihn auf der Liste völlig rätselhaft erschienen wäre, wer das Flugzeug dann ins Pentagon gesteuert hatte. Da Hanjour aber, wie dargelegt, offenbar tatsächlich nicht an Bord war, ist dieses Rätsel bis heute ungeklärt.

Wie mehrere professionelle Piloten betonten, waren die finalen Manöver der Maschine außergewöhnlich präzise. Daher tauchte von Beginn an die Frage auf, ob die Jets wirklich von Amateurpiloten gesteuert worden waren. Im Interview mit der 9/11 Commission zeigte sich sogar Präsident Bush überrascht. Der Commission Report erwähnt7:

Als ehemaliger Pilot war der Präsident erstaunt von der offensichtlichen Raffinesse der Operation und der Steuerung der Flugzeuge, besonders von Hanjours Hochgeschwindigkeitsanflug auf das Pentagon.

Ein weiterer Fakt: Die Maschine war von Washington aus gestartet, der Flughafen befand sich nur etwa 30 Kilometer entfernt vom Ziel der Terroristen, dem Pentagon. Trotzdem flog sie zunächst mehr als 400 km in die entgegengesetzte Richtung, bevor sie gewendet wurde. Diese Wende vollzog sich dabei präzise in einem kleinen Gebiet fehlerhafter Radarerkennung. Dies hatte zur Folge, dass das Flugzeug - als einziges der vier - von den Radarschirmen der Luftüberwachung verschwand und auch nicht wieder entdeckt wurde. Hätte die Maschine aber nur ein paar Minuten früher oder später gewendet, wäre sie den Fluglotsen nachweislich nie verloren gegangen und wäre daher auch mit großer Wahrscheinlichkeit von Abfangjägern erreicht worden. Jedoch gibt es keine denkbare Möglichkeit, wie die angeblichen Entführer von dieser kleinen Zone fehlerhafter Radarerkennung erfahren haben könnten. Es handelte sich um vor 9/11 nicht öffentlich zugängliche Informationen. Nur sehr wenige technische Insider wussten zu der Zeit von den Radarproblemen in diesem speziellen Sektor. Eine im Jahr 2013 veröffentlichte Analyse nennt die immer noch wenig bekannten Einzelheiten dieses Sachverhalts.

Kapitel 3: Selbstmordmission?

Im Zeitablauf bestehen die Anschläge aus drei Teilen: einem Plan, Flugzeuge zu entführen, Flugzeugeinschlägen in Gebäude, sowie dem Einsturz von Gebäuden. Die amtliche Darstellung verknüpft diese drei Teile in einer Folge von Ursache und Wirkung. Demnach war der Entführungsplan ursächlich für die Flugzeugeinschläge, die wiederum den Zusammenbruch der Gebäude auslösten. Tatsächlich wirkt das plausibel. Zumindest sieht 9/11 genau danach aus. Allerdings können die drei Teile auch als voneinander unabhängige Ereignisse betrachtet werden.

Denn beim Planen der Flugzeugentführungen müssen die Al Qaida-Terroristen nicht notwendigerweise auch ihren Selbstmord einkalkuliert haben. Es ist denkbar, dass ihnen stattdessen eine traditionelle Entführung vorschwebte, bei der sie auf einem Flughafen landen und Forderungen stellen würden. In diesem Sinne wäre auch keine Übernahme der Flugzeugsteuerung durch sie nötig gewesen. Man hätte die regulären Piloten stattdessen einfach zur Landung auf einem Flughafen eigener Wahl zwingen können.

Die Annahme, dass die Muslime in den Flugzeugen möglicherweise nicht vorhatten zu sterben, wird zunächst gestützt durch das tatsächliche Verhalten der Männer. Sie benahmen sich einfach nicht wie Menschen, die von ihrem unmittelbar bevorstehenden Tod wissen. Mohammed Attas letzte Aktivität am Abend, bevor er starb, war ein Besuch im Supermarkt (das FBI weigerte sich später, seine Einkäufe offenzulegen).8 Ziad Jarrah, ein anderer mutmaßlicher Pilot, versicherte im letzten Telefonat mit seiner Familie am 9. September, dass er sie am 22. September auf einer Familienfeier wiedersehen würde.9 7 der 19 angeblichen Entführer hatten Tickets für Anschlussflüge gebucht, die am Nachmittag des 11. September oder später starteten.10 Zwei der Männer, unter ihnen Mohammed Atta, hatten in den letzten Tagen ihres Lebens Bonusmeilenkonten eröffnet.11

Andererseits hatte keiner der 19 irgendeine persönliche Nachricht oder einen Abschiedsbrief hinterlassen. Die "Märtyrer-Videos" waren, wie erwähnt, bereits Monate vor den Anschlägen aufgenommen worden und dabei ohne konkreten Bezug zu 9/11. Der immer wieder erwähnte angebliche deutsche Abschiedsbrief von Ziad Jarrah enthält tatsächlich nichts, was darauf hinweisen würde, dass er vorgehabt hätte zu sterben. Stattdessen liest er sich wie ein Liebesbrief. Darin rät er seiner Freundin, positiv zu bleiben. Der Brief schließt mit der Wendung "Auf Wiedersehen". Auch waren die angeblichen Selbstmörder nicht allesamt verzweifelte junge Einzelgänger ohne Bindung. Einem CIA-Bericht mit detaillierten persönlichen Profilen der Männer zufolge waren fünf von ihnen verheiratet, darunter zwei der Piloten. Zwei hatten Kinder.12

Schließlich widerspricht auch der gesunde Menschenverstand der Selbstmordthese. Falls die offizielle Darstellung zuträfe und 9/11 auf einem Selbstmordplan beruhte, dann hätten die Planer vor einem unlösbaren Problem gestanden. Von Selbstmordattentätern im Nahen Osten ist bekannt, dass es sich einige dieser "Märtyrer" in letzter Minute anders überlegen. Konfrontiert mit dem unmittelbaren Tod entscheiden sie sich zu leben. Es ist das eine, erbittert genug zu sein, um sich als Märtyrer auf dem Weg ins Paradies zu sehen, aber ein ganz anderer Entschluss, wirklich einen Knopf zu drücken und sich selbst umzubringen. Planer, die Selbstmordattentäter einsetzen, können diesen grundsätzlichen Schwachpunkt nie ganz ausschalten. Sie müssen sich im Klaren sein, dass der Terrorist in letzter Minute schwanken kann. Am Ende handelt es sich um Menschen - und wenn sie auch radikale Fundamentalisten sind, so doch keine perfekt programmierbaren Maschinen.

Im Falle von 9/11 nun mussten die Planer diese gravierende Unsicherheit mit dem Faktor 20 multiplizieren. Jeder einzelne der Entführer konnte an Bord des Flugzeuges seine Meinung ändern. Vom Standpunkt der Planer aus wäre es tatsächlich eher unwahrscheinlich, dass dies keiner von ihnen täte.

Ermittler nach 9/11 verstanden dieses Problem nur zu gut. Im Oktober 2001 kam das FBI offiziell zu dem Schluss, dass mindestens 11 der 19 Entführer wohl nicht gewusst hatten, dass sie auf tödlicher Mission waren. Stattdessen wären sie davon ausgegangen, an einer konventionellen Entführung teilzunehmen, mit dem Ziel, Hintermänner früherer Anschläge auf die USA freizupressen.13

Diese Schlussfolgerung löst jedoch nicht das zugrundeliegende Problem. Sie verlagert es nur auf eine andere Ebene. Wenn der Plan wirklich vorsah, dass 11 der 19 Entführer erst an Bord der Flugzeuge von ihrer Selbstmordmission erfuhren, konnte man kaum sicher sein, dass alle 11 die "Todes-Überraschung" einfach so hinnehmen würden. Selbstverständlich wäre dieses Dilemma auch den Planern im Voraus klar gewesen. Der gesunde Menschenverstand legt daher nahe, dass man kaum eine Operation planen kann, die 20 gleichzeitige Selbstmorde erfordert. Der Erfolg wäre viel zu unsicher, um die monatelange Arbeit und die Hunderttausende von Dollars für die Planung zu rechtfertigen. Und dennoch wird behauptet, es sei genauso passiert.

Aber gibt es denn - von diesen Erwägungen abgesehen - auch Beweise oder Indizien für einen traditionellen Entführungsplan ohne Selbstmordabsicht am 11. September?

Ja, die gibt es - und zwar nicht wenige. Es existieren in diesem Zusammenhang:

  1. Die Aussage des sogenannten "20. Hijackers" Zacarias Moussaoui vor Gericht im Jahre 2005, wo er erklärt, dass es sich bei dem Entführungsplan, dessen Teil er war, um "eine andere Verschwörung als 9/11" handelte, mit dem besonderen Ziel, Scheich Omar Abdel Rahman freizupressen, den sogenannten "Blinden Scheich", einen fundamentalistischen Anführer, der wegen Terrorplanungen in den USA inhaftiert war14;
  2. Ein "Senior Executive Intelligence Briefing" der CIA vom Mai 2001, betitelt: "Terrorgruppen kooperieren Berichten zufolge für eine geplante Geiselnahme in den USA", veröffentlicht erst 2012 (in stark zensierter Form), das warnt: "Die Verschwörer, die den "Blinden Scheich" Umar Abd al-Rahman und andere Gefangene in den USA freipressen wollen, könnten sich für eine Flugzeugentführung oder die Stürmung einer US-Botschaft entscheiden (--zensiert--) haben erwogen, Geiseln zu nehmen - möglicherweise im Zusammenhang mit Flugzeugentführungen - um Forderungen durchzusetzen, und Al Qaida hat Berichten zufolge Personen in Kidnapping-Techniken trainiert (--zensiert--)."15
  3. Eine öffentliche Stellungnahme Bin Ladens aus dem Jahr 2000, "alles in unserer Macht stehende zu tun", um den "Blinden Scheich" zu befreien16
  4. Ein vom FBI im Juli 2001 überwachtes Treffen eines Vertrauten des "Blinden Scheichs" mit diesem im Gefängnis, in dem er dem Scheich mitteilt, dass der Terroranschlag auf die USS Cole im Jahr zuvor verübt wurde, um ihn aus dem Gefängnis zu befreien, und dass die Cole-Angreifer vorbereitet wären, "eine weitere Operation durchzuführen".
  5. Die Aussage von Niaz Khan, einem ehemaligen Al Qaida-Kämpfer; dieser hatte in Pakistan trainiert und war im Jahr 2000 in die USA geschickt worden, wo er überlief, zum FBI ging, und Ermittlern gegenüber enthüllte, dass man ihm beigebracht hatte, wie man Waffen durch den Sicherheitsbereich eines Flughafens schmuggelt und wie man Passagiere und Crewmitglieder überwältigt, um in ein Cockpit zu gelangen; Khan zufolge handelte es sich bei diesem Plan nicht um eine Selbstmordmission - er war lediglich gefragt worden, ob er bereit sei, an einer normalen Entführung teilzunehmen
  6. Die Entführung von Indian Airlines Flug 814 im Dezember 1999, ganz offenbar eine Vorlage für 9/11: Ein von muslimischen Fundamentalisten gekapertes großes Passagierflugzeug, dessen Pilot später berichtete, dass die Terroristen Techniken angewandt hatten, die denen der 9/11-Entführer ähnelten. Mit Messern bewaffnet, schnitten sie einem Passagier die Kehle durch, trieben alle in den hinteren Teil des Flugzeuges, von wo aus einige Reisende mit dem Handy Verwandte anriefen; einer der Entführer erwähnte sogar, er habe auf einem Flugsimulator trainiert - alles mit dem Ziel, in Indien inhaftierte Al Qaida-Kämpfer freizupressen, was nach langen Verhandlungen schließlich auch gelang.

Womöglich war dies auch der Plan am 11. September: Flugzeuge entführen, um andere Terroristen freizupressen und um politische Forderungen zu stellen - die klassische Form eines Hijackings seit den 1970er Jahren.

Wie sind die Anschläge ohne Selbstmordplan erklärbar?