Neue Ziel- und Schusstechnik: "One shot, one kill"

Bild: Smart Shooter

Eine israelische Firma hat ein auf Gewehre montierbares Zielgerät entwickelt, das erst dann feuert, wenn ein auch bewegliches Ziel optimal erfasst ist - Zwischenschritt zur autonomen Waffe

2017 hatte das israelische Militär (IDF) ein neues Zielsystem, das auf Schusswaffen angebracht werden kann, erstmals vorgestellt. Geworben wird mit "one shot, one kill". Mittlerweile ist SMASH 2000 von der israelischen Firma Smart Shooter vom Kibbutz Yagur vom Militär ausgiebig und angeblich erfolgreich an der Grenze zum Gazastreifen getestet worden. Das IDF soll enthusiastisch sein und Tausende der Geräte bestellt haben, auch die US-Luftwaffe ist interessiert und testet sie.

SMASH 2000 ist ein elektrooptisches Zielgerät, das es auch nicht so erfahrenen und sogar untrainierten Schützen ermöglichen soll, kleine, bewegliche Ziele wie Minidrohnen abzuschießen, die in letzter Zeit zu Waffen umgerüstet wurden. Begonnen damit hatte der IS als billige Ergänzung zu Selbstmordanschlägen. Großen Schaden konnte er mit den mit Granaten oder Sprengstoff ausgestatteten kleinen Drohnen nicht ausrichten, aber die Drohnen terrorisierten Soldaten und Bevölkerung dennoch, weil man überall und jederzeit mit ihnen rechnen musste. Seitdem sind Militärs und Sicherheitskräfte auf der Suche nach einer wirksamen Drohnenabwehrtechnik.

In Israel kam hinzu, dass die Palästinenser bei ihren Protesten an dem Grenzzaun neben Drohnen vermehrt Ballons und Flugdrachen als fliegende Brandsätze mit Molotowcocktails oder Sprengladungen einsetzten, die schwer abzuschießen sind (Wettrüsten: Israels hochgerüstete Armee im Kampf gegen Flugdrachen). Die größeren Drohnen, die die Hisbollah aus dem Norden gelegentlich nach Israel steuert, werden meist mit dem Patriotsystem abgeschossen. Hier kostet eine Rakete 3 Millionen US-Dollar, eine Drohne vielleicht ein paar hundert US-Dollar, was ein groteskes Missverhältnis ist. Man schießt buchstäblich mit Kanonen auf einen Spatz (Mit Patriot-Kanonen auf Drohnen-Spatzen schießen).

Mit dem Zielgerät sollen Soldaten oder Polizisten nicht nur Drohnen in der Luft abschießen, sondern auch Menschen schneller und genauer erschießen können. Es enthält Zielalgorithmen, mit denen sich auch sehr schnell Ziele auf eine Entfernung von angeblich einigen hundert Metern verfolgen und mit einem Schuss treffen lassen. Der Schütze wählt das Ziel aus und loggt es ein. Wenn der Abzug gedrückt wird, wird mit Bildverarbeitung und Algorithmen die Bewegung des Ziels berechnet und sein Weg vorhergesagt. Die Patrone wird erst dann abgeschossen, wenn das Ziel genau erfasst ist.

Bild: Smart Shooter

Der einer Präzisionsbombe analoge Präzisionsschuss verleiht dem Schützen Vorteile gegenüber seinem Gegner, solange dieser nicht über eine ähnliche Technik verfügt oder SMASH 2000 stören kann. Wer das Zielgerät auch über Militär und Polizei hinaus besitzt, wird zu einem noch tödlicheren Scharfschützen, auch wenn er kaum Erfahrung mit Gewehren hat - und hat selbst größere Überlebenschancen. Weitere Vorteile könnten sein, dass "Kollateralschäden" und Opfer von friendly fire vermieden werden. SMASH 2000 könnte auch einem ängstlichen, aufgeregten, wütenden und unsicheren Schützen ein emotionsfreies Mittel zur Verfügung stellen. Geworben wird damit: "Reduces effects of stress and physical effort". Das heißt, es wird maschinenförmiger getötet. Man zielt nur noch, aber feuert nicht mehr direkt. Das könnte das Töten erleichtern, weil man es an die Maschine delegiert.

Versprochen wird auch, Geiselnehmer, die sich hinter ihren Geiseln verstecken, damit töten zu können, ohne die Geisel zu verletzen. Das Versprechen:

But with the help of SMASH, the target can be clearly selected in the weapon sight and if the shooter commits and pulls the trigger, they have the reassurance that the shot will only be taken when the advanced fire control computer makes the split second decision on the optimum moment to fire.

Smart Shooter

Ähnlich wie Präzisionsbomben (Autonome Systeme: "Technisches Roulette" im Wettrüsten) ist das System ein Zwischenschritt zu einer autonomen Waffe. Noch ist ein "human in the loop", der das Ziel vorgibt, während das System autonom entscheidet, wann es abdrückt. Aber im Prinzip ließe sich das System, montiert mit einem Gewehr oder einer anderen Waffe auf einer Drohne, einem unbemannten Fahrzeug oder Schiff auch trainieren, auf bestimmte Ziele zu schießen, beispielsweise aufgrund eines Vergleichs mit einer Bilddatenbank. Das könnten Individuen sein oder Drohnen, Ballons oder was auch immer. (Florian Rötzer)