Kohleausstieg 2050?

So oder so, die Kernfusion bleibt Zukunftsmusik, wobei allerdings die Kapelle schon etliche Milliarden Euro Gage einstrich, ohne eine einzige Note gespielt zu haben. Musik von gestern ist derweil die Kohle, an der hierzulande einige immer noch verbissen festhalten.

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Wie berichtet hatte der dem wirtschaftsliberalen Flügel der Grünen nahestehende Think Tank "Agora Energiewende" Mitte Januar ein Konzept zum Kohleausstieg vorgelegt, das mit 2040 ein wenig ehrgeiziges Zieldatum vorsah.

Das scheint Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) nicht allzu ungelegen zu sein. Allerdings ließ er wissen, dass er nichts von einem Masterplan für einen beschleunigten Kohleausstieg hält, wie er aus Reihen der Linkspartei und der Grünen gefordert werde. Die Vorstellungen der Energiewirtschaft lägen doch gar nicht so weit von denen der "Agora Energiewende" entfernt, so Gabriel. Die Konzerne gingen von 2050 aus.

Das lässt aufhorchen, denn die grüne "Denkfabrik" wurde einst von Rainer Baake gegründet, Urgestein vom rechten Flügel der Grünen, einst Staatssekretär unter dem grünen Umweltminister Jürgen Trittin und zur Zeit wieder Staatssekretär im Hause Gabriels. Baake war wahrscheinlich auch der Autor des Vorschlags einer Klimaschutzabgabe für besonders alte und ineffiziente Kohlekraftwerke. Diese war im letzten Sommer grandios gescheitert und endete, wie berichtet, in einer Art Abwrackprämie, mit der den Kraftwerksbetreibern die Stilllegung ihrer Altanlagen versüßt wird.

Der Vorstoß von "Agora Energiewende" könnte also der nächste Versuch sein, die Energiekonzerne auf eine einkömmliche Abwicklung der Kohle zu verpflichten. Dazu passt auch, dass Gabriel ankündigte, noch in diesem Jahr einen runden Tisch einrichten zu wollen, an dem die Zukunft der Kohle diskutiert werden soll.

Damit liegt er schon recht nahe bei dem Vorschlag von Baakes Freunden, die als eines der ausdrücklichen Ziele ihres Konzepts das Vermeiden größerer gesellschaftlicher Konflikte nennen. Wer weiß, vielleicht wird an Gabriels rundem Tisch ja ein Ausstieg bis 2055 ausgehandelt, wobei die Unternehmen noch ein paar 100 Millionen Euro Entschädigung pro abgeschriebenem Alt-Kraftwerk mit auf den Weg bekommen.

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