Neuer Ökostrom-Rekord

Die Energie- und Klimawochenschau: Von Braunkohleprotesten, Menschenketten, schwindendem Meereis und einem kräftigen Ausbau der Windkraft

Sommerzeit - Protestzeit für Braunkohlegegner. Wie schon in den vergangenen Jahren wird es auch in diesem wieder verschiedene Protest-Camps in den Braunkohleregionen der Republik geben. Das erste hat am vergangenen Samstag im Rheinland begonnen. Rund 200 Menschen treffen sich nach Angaben der Veranstalter in der Nähe des Dörfchens Holzweiler, nordwestlich von Köln und unweit der niederländischen Grenze.

Im Mittelpunkt steht der Protest gegen den Tagebau Garzweiler II, den der Energiekonzern RWE dort betreibt. "Mit der Wahl unseres Standortes zeigen wir Präsenz an einem energiepolitischen Zankapfel", sagt Melanie Schubert vom Klimacamp-Bündnis. "Nach den Plänen von RWE soll Holzweiler abgebaggert werden. Im nächsten Jahr wird sich zeigen, ob die rot-grüne Landesregierung genug Rückgrat hat, um dies zu verhindern."

Organisiert wird das Protestlager und dessen umfangreiches politisches und kulturelles Programm von einem breiten Bündnis. Neben der Jugendorganisation des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND) sind unter anderem auch das Netzwerk Bergbaugeschädigte und das Gelbe Band mit von der Partie. Im letzteren haben sich die Randgemeinden der rheinischen Tagebaue zusammengeschlossen, die mit zahlreichen unschönen Begleiterscheinungen des Braunkohleabbaus zu kämpfen haben. Dazu gehört unter anderem eine erhebliche Feinstaubbelastung, nächtliches Flutlicht und Lärmbelästigung durch die Riesenmaschinen, die sich mehrere hundert Meter tief in die Erde wühlen. Hinzu kommt die Furcht vor abrutschenden Hängen, denn das Rheintal ist immerhin ein aktives Erdbebengebiet, wie sich zuletzt Ende Mai gezeigt hatte.

Am heutigen Mittwoch wird es im nahezu geräumten "Geisterdorf" Borschemich, direkt an der aktuellen Kante des dortigen Tagebaus, ein Straßenfest geben. Bewusstsein für die menschenunwürdige Behandlung eines Teils der Einwohner Borschemichs solle geschaffen werden, heißt es in einer Pressemitteilung. "Wenigstens für einen Tag wollen wir Leben in den fast entvölkerten Ort zurückbringen."

Mit dabei beim Straßenfest werden auch die über 100 Teilnehmer (ebenfalls nach Veranstalterangaben) einer Fahrradkarawane sein, die unter dem Motto "Tour de Natur" am vergangenen Samstag in der alten westdeutschen Hauptstadt Bonn gestartet ist und noch bis zum 9. August zunächst durchs Rheinland und dann durchs Ruhrgebiet ziehen wird. Derweil werden die letzten Camp-Teilnehmer am 4. August zum Abschluss eine Fahrrad-Demo zum Hambacher Forst unternehmen, der in den letzten Jahren in der Region durch verschiedene Besetzungen zu einem Symbol des Widerstandes gegen die Ausweitung des Braunkohleabbaus geworden ist.

Mancher der Aktivisten wird im Anschluss daran vermutlich in die brandenburgische Lausitz weiter ziehen, wo am 16. August in der Nähe von Guben, im Südosten Brandenburgs, die Zelte für das "Lausitzer Klima- und Energiecamp" aufgeschlagen werden. Bis zum 24. August wird es dort mehrsprachig zugehen, denn zum einen ist die Lausitz das Land der Sorben, die eine westslawische Sprache sprechen. Zum anderen werden sicherlich auch Gäste aus dem benachbarten Polen anwesend sein. Dort wehrt man sich ebenfalls gegen den Landschaft und Dörfer zerstörenden Braunkohle-Tagebau.

Daher soll es auch am 23. August, wie bereits in der letzten Wochenschau erwähnt, eine grenzüberschreitende Menschenkette geben. Aus der ganzen Republik und darüber hinaus werden Teilnehmer erwartet. Busse wird es aus Bonn, Dresden, Dortmund, Berlin und vielen anderen deutschen Städten geben, aber zum Beispiel auch aus dem tschechischen Brno, dem belgischen Brüssel sowie dem polnischen Kattowice und Gdansk. Selbst im fernen Flensburg wird eine gemeinsame Zugfahrt organisiert.

Vom 9. bis zum 16. August treffen sich AKW-Gegner in Altenholz bei Kiel. Das umfangreiche Programm ist hier nachzulesen. Unter anderem wird es um Atomtransporte durch den nahe gelegenen Nord-Ostsee-Kanal und über Deutschlands Atombombentechnologie gehen. (Versehentlich war hier auf ein Klima-Camp in Mannheim hingewiesen worden, das aber bereits letztes Jahr stattgefunden hat.)

Und wer dann immer noch nicht genug hat vom Protest-Campen, kann sich dann noch auf den Weg nach Mannheim machen, wo vom 23. August bis zum 1. September ein weiteres Klima-Camp stattfindet.

Immer wärmer

Wir hatten bereits kürzlich berichtet, dass der Juni 2014 im globalen Maßstab außergewöhnlich warm ausfiel, auch wenn er hierzulande zeitweise durch die sogenannte Schafskälte weniger angenehm war. Das Goddard Instiute for Space Studies der NASA hatte berechnet, dass in den bis 1880 zurück reichenden Zeitreihen nur der Juni 1998 noch etwas wärmer gewesen war.

Nun berichtetder Deutsche Wetterdienst unter Berufung auf die US-Behörde für die Atmosphäre und die Ozeane (NOAA), dass der Juni nach deren Berechnungen der wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen gewesen sei. Die Unterschiede betragen allerdings nur einige Hundertstel Grad Celsius und liegen damit im Bereich der Messungenauigkeiten.

Bemerkenswert ist allerdings, dass der Juni vor allem in vielen arktischen Gebieten und benachbarten Regionen sehr warm ausfiel, wie obige Grafik zeigt. Das deckt sich ganz gut mit den Beobachtungen der letzten Jahrzehnte wie auch mit den Projektionen der Klimamodelle, wonach sich der hohe Norden besonders schnell erwärmt. Dadurch zieht sich dort im Sommer das Meereis inzwischen weit zurück und entblößt weitere Teile des Arktischen Ozeans. Diese können dadurch monatelang von der dort derzeit 24 Stunden am Tag über dem Horizont stehenden Sonne erwärmt werden.

Klimaerwärmung immer schneller

NOAA-Chef Thomas Karl geht davon aus, dass sich das Klima derzeit schneller als irgendwann sonst seit 1880 verändert. Seit diesem Jahr gibt es geografisch weit genug verteilte Wetterstationen mit genormten Aufzeichnungen, mit denen sich das globale Klima beurteilen lässt.

Karl verweist vor allem auf den raschen Anstieg der drei wichtigsten Treibhausgase Kohlendioxid (CO2</sub>), Methan und Lachgas (N2</sub>O). Kohlendioxid hatte im Juni etwa 401 Millionstel Volumenanteile (ppm) an der Atmosphäre. Gemessen wurde dieser Wert auf dem Mauna Loa auf Hawaii. Die dort seit den späten 1950er Jahren aufgenommene Messreihe gilt wegen der Höhe der Station und der Ferne zu großen Städten und Industriezentren als repräsentativ für die ganze Atmosphäre. Durch Eisbohrkerne, die in Grönland und in der Antarktis gewonnen wurden, wissen wir, dass der CO (Wolfgang Pomrehn)