Neuer Wohntrend? "Die Zukunft ist Zugang, nicht Besitz"

Bild: PodShare

Co-Living ist Luxus, jetzt kommt "PodSharing" in "minimalistischen Räumen"

In den USA könnte sich ein neuer Trend des Wohnens als Reaktion auf die teuren Miet- und Immobilienpreise in manchen Städten ausbreiten. Besonders teuer ist es in der kalifornischen Bay Area geworden, wo selbst die gut bezahlten Angestellten der IT-Konzerne Schwierigkeiten haben, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Nachdem findige Startups die kommerzielle Form der Wohngemeinschaften, das Co-Living nach dem vorausgegangenen Konzept des Co-Working entwickelt haben, steht nun die billigere Variante des PodShare, der geteilte Wohnraum oder Wohnen in der Holzklasse, an.

Ein Geschäft soll es schon sein, wenn Minimalismus oder "Weniger ist mehr" angepriesen wird. Die einst gepriesene Sharing Economy ist vor allem Letzteres, die Schaffung neuer Unternehmen, die den Übergang von der Kultur des Besitzens zu einer des Leihens oder des Zugangs leisten. Freier wird die Gesellschaft dadurch freilich nicht, die gemeinsame Nutzung der Dinge macht diese nur etwas billiger. Das macht den Einzelnen vielleicht flexibler, wie dies von der Wirtschaft auch gewünscht wird, aber er verliert auch an Macht, Sicherheit und Einfluss, wenn er Produktionsmittel oder eben auch Wohn- oder Arbeitsräume nicht besitzt, sondern nur gegen Geld nutzen kann.

Man kann natürlich auch Wohnräume schrumpfen lassen, um sie billiger zu machen. Das ist der Trend zu luxuriösen oder billigen Mikroappartments oder Minihäusern, Hütten oder Bauwagen. Daneben werden stapelbare Container zu Wohnräumen umgewandelt, man baut sein mobiles tiny house auf Anhängern oder richtet sich in Schiffen ein. Das kalifornische Co-Living-Startup Starcity kauft Häuser auf und baut sie so um, dass Wohneinheiten mit einzeln vermieteten möblierten Zimmern, gemeinsam genutzten Räumen wie Küchen, Essräumen, Wohnzimmer, Bäder entstehen.

Dazu werden, im Preis inbegriffen, Dienstleistungen wie regelmäßige Reinigung der gemeinsam genutzten Räume und Fernsehgeräte mit Zugang zu Netflix, Hulu und HBO geboten. Statt 3.600 US-Dollar zahlt man so "nur" 2.100 US-Dollar Miete für ein Zimmer in San Francisco (Co-Living: Kleine Räume mit Gemeinschaft, profitabel für Investoren).

Wer wenig Geld hat, kriegt bestenfalls Zugang

Jetzt also kommt PodShare, bei dem es keine Einzelzimmer mehr gibt, in die man sich aus der "Gemeinschaft" zurückziehen kann, sondern nur noch Schlafkabinen oder Schlafkojen. Die Japaner haben schon lange die Kapselhotels entwickelt, um günstige Unterkünfte zu schaffen. In den Kapseln verschließen sich allerdings Bewohner, was beim ebenfalls kalifornischen PodShare nicht der Fall ist. Hier feiert man hingegen die Massenunterkunft, das Konzept der Jugendherberge oder von Hotels bzw. Hostels, die einzelne Betten in Gemeinschaftsunterkünften anbieten, um den Raum maximal auszunutzen und zu Geld zu machen.

Natürlich wird aus dem Geschäft eine Ideologie gemacht: "Die Zukunft ist Zugang, nicht Besitz", heißt es auf der Website vollmundig tönend, als würde die Firma nicht die Immobilien besitzen - oder diese von einer anderen pachten. Wer wenig Geld hat, kriegt eben bestenfalls Zugang. Für ein Bett (Pod) für eine Nacht in der Gemeinschaftsunterkunft in Los Angeles werden 50 US-Dollar - in Venice 60 US-Dollar - verlangt, für einen Monat 1.000 bzw. 1.400 US-Dollar, also einfach nochmal günstiger als beim räumlich noch luxuriösen Co-Living.

Erfahrungsökonomie anstatt Besitzökonomie

Das Leben in Pods soll einen neuen Lebensstil in "minimalistischen Räumen für sozial Reisende" oder für Millennials schaffen. Bislang gibt es solche Pod-Häuser nur in Los Angeles, man will sie aber auf der ganzen Welt errichten, natürlich um Gutes zu schaffen: "Weil wir glauben, dass das Einreißen der Mauern die Menschen zusammenbringt, wodurch langsam die -ismen und -phobien zusammenbrechen."

Angeboten werden Einzel- und Doppelbetten, manche lassen sich in einen Schreibtisch verwandeln. Es gibt sogar welche mit einer Toilette und Platz für Koffer, man ist also nicht uniformistisch oder gleichmacherisch. Alle haben aber einen Flachbild-TV-Bildschirm mit Netflix, Hulu und Spielen, an den man auch seine Geräte anschließen kann.

In der Küche gibt es Frühstück, in den Bädern Handtücher, Seife und Zahnpasta. Zur Verfügung stehen ansonsten Schließfächer, aber auch Computer, und wer Mitglied ist, kann alle PodShare-Räumlichkeiten 24 Stunden lang nutzen, auch wenn man nur einen Tisch benötigt, kurz mal ausruhen oder sein Handy aufladen will. Die PodShares sollen auch als Co-Working-Räume benutzt werden, mitunter gibt es Zugang zu einem Garten, auch Veranstaltungen finden statt.

Es gibt Befürworter, die Co-Living nicht nur als eine Frage der Kosten und des Profits sehen. So sagt Jill Pable, Professorin für Innenarchitektur Florida State University, Co-Living passe gut damit zusammen, dass "wir uns jetzt in Richtung einer Erfahrungsökonomie anstatt einer Besitzökonomie bewegen".

Verbunden sei der Trend mit der "Tiny-House"-Bewegung und der großen Rolle, die heute das Reisen spiele. Aber zu den Reisenden, Studenten und neuen Nomaden des digitalen Zeitalters, die nicht nur billig unterkommen wollen, sondern auch neue Menschen kennenlernen und sich (noch) nicht fest niederlassen wollen oder können, gehören eben auch die, die sich andere Wohnungen nicht leisten können, sich erst einmal nach Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten in einer neuen Stadt umschauen wollen oder aus ihren Wohnungen ausziehen mussten. (Florian Rötzer)

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