Neuer landesweiter Blackout in Venezuela

Kommunikationsminister Jorge Rodriguez ist seit den ersten Stromausfällen der Frontmann der Regierung. Bild: @VTVCanal8

Regierung verweist auf einen erneuten Angriff, die Opposition macht die Regierung verantwortlich. US-Regierung droht erneut wegen der Ankunft russischer Soldaten

Gestern gab es wieder einen Blackout in Venezuela. 18 von 23 Bundesstaaten sollen davon betroffen gewesen sein, auch die Hauptstadt Caracas. Nach Netblocks sind 88 Prozent des Landes ohne Strom. Wieder gingen die Ampeln und die U-Bahnen nicht, waren Telefon- und Internetnetze nicht mehr verfügbar, schlossen die Läden und waren Lebensmittel, die gekühlt werden müssen, gefährdet. Wie schon vorher, werfen sich Opposition und Regierung gegenseitig die Schuld vor.

Nach Auskunft der Regierung, die von einem neuen "elektrischen Anschlag der terroristischen Rechten" spricht, soll inzwischen die Stromversorgung weitgehend wieder hergestellt worden sein, was zumindest teilweise zuzutreffen scheint. Für heute hat die Regierung erneut einen arbeits- und schulfreien Tag wegen des Stromausfalls angeordnet.

Der erneute Stromausfall kam nach den Berichten, dass zwei russische Militärmaschinen mit Soldaten und Ausrüstung in Venezuela gelandet seien. Kanzler Jorge Arreaza bestätigte die "militärische Kooperation" beider Länder. Venezuela sei ein freies und unabhängiges Land, die einzige Gefahr gehe von den USA aus, die mit einer Intervention drohen und die Wirtschaft des Landes blockieren. Russland und Venezuela hätten ihre Beziehungen vertieft, man habe in der letzten Zeit über 260 Verträge abgeschlossen, die neben dem Militär auch die Landwirtschaft, Erdöl, Erdgas, Industrie etc. betreffen.

"Die USA werden keine feindlichen ausländischen Militärmächte dulden"

Sicherheitsberater Bolton verkündete weitere Drohungen nach Landung der Flugzeuge. Dabei ist klar, dass es der US-Regierung nicht um die Menschen geht, sondern um einen Regime Change in Venezuela und den Versuch, russisches Militär in ihrem Vorhof abzuwehren, was man freilich in Europa ganz anders sieht. "Die USA werden keine feindlichen ausländischen Militärmächte dulden", so Bolton, "die sich in die gemeinsamen Ziele der westlichen Hemisphäre von Demokratie, Sicherheit und der Herrschaft des Gesetzes einmischen. Das venezolanische Militär muss auf der Seite der Menschen von Venezuela stehen."

Propagandistisch wiederholte er, dass die USA Lebensmittel und Medizin schicken würden, während Russland strategische Bomber und Spezialkräfte zur Unterstützung eines korrupten Diktators schicke. Russland und Caracas betonen, dass auch die Russen Medikamente geliefert haben. Außenminister Pompeo warnte, dass die USA nicht untätig zusehen würden, wenn Russland Venzuela unterstützt. Die russischen Soldaten würden die Spannungen verstärken

Senator Marco Rubio, der schon schnell den ersten Stromausfall aufgegriffen hatte, versucht wieder, den neuen Vorfall gegen die Maduro-Regierung zu wenden: "Eine weitere Erinnerung, dass #MaduroCrimeFamily zwar Repression ausüben, aber keine grundlegende Dienste liefern kann."

Angriff oder marode Infrastruktur?

Das ist auch die Strategie, die der selbsternannte Präsident Juan Guaidó seit dem ersten Stromausfall verfolgt. Die Regierung können und wolle die Stromversorgung nicht aufrechterhalten und nutze die Ausfälle zur Desinformation der Bevölkerung. Der Stromausfall sei durch die Überbelastung von Umschaltwerken verursacht worden. Das sei die reale Ursache, schrieb er, um den Verdacht zurückzuweisen, dass hinter den Stromausfällen die Opposition oder die USA stehen, wie das die Regierung behauptet und bereits Roberto Marrero, den Bürochef Guaidós, inhaftiert hat, weil er angeblich eine "Terrorzelle" leitet. Die Maduro-Regierung sieht auch noch kolumbianische Paramilitärs im Dienste der Opposition am Werk.

Die Maduro-Regierung spricht von einem erneuten Angriff auf das Wasserkraftwerk Guri, das fast das ganze Land mit Strom versorgt. Weil die Stromversorgung derartig zentral organisiert und damit wenig resilient ist, können bei Pannen oder Angriffen so große Folgen hervorgerufen und fast das ganze Land lahmgelegt werden. Soweit man aus den Veröffentlichungen ablesen kann, gibt es aber keine Beweise dafür, dass es sich beim erneuten Stromausfall um einen Anschlag, eine Sabotage oder einen Cyberangriff handelte, die Maduro-Regierung zögert auch, den festgenommenen Bürochef Guaidós direkt für die Stromausfälle verantwortlich zu machen.

Der Kommunikationsminister Jorge Rodríguez erklärte, der Hauptangriff sei auf eine "Maschine" des Wasserkraftwerks geführt worden. Weil man nach dem Angriff vom 7. März, der auf ähnliche Weise erfolgt war, aber entsprechende Vorkehrungen getroffen habe, konnte man nun die Stromversorgung im "Rekordtempo" von wenigen Stunden wiederherstellen. Nach Twitter-Meldungen scheint das übertrieben zu sein, aber man kann sich hier nicht darauf verlassen, dass die Meldungen stimmen. (Florian Rötzer)

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