Neues Rennen zum Mond

Innenraum der Dragon-2-Kapsel. Bild: SpaceX

SpaceX und die NASA planen bemannte Flüge - und Indien will den Erdtrabanten als Energielieferanten nutzen

Gestern gab Elon Musks Firma SpaceX bekannt, dass sie eine "bedeutende Anzahlung" von zwei Weltraumtouristen erhielt, die 2018 auf der Spur von Apollo 8 eine Reise um den Mond machen wollen. Bislang reiste noch kein Weltraumtourist so weit. Eine Landung von Menschen auf dem Mond, wie sie zwischen 1969 und 1972 bislang nur insgesamt sechs Mal geschah, ist SpaceX zufolge aber nicht vorgesehen. Nun will das Unternehmen die körperliche Verfassung der Anwärter prüfen, um herauszufinden, ob sie den Anforderungen solch einer Reise physisch gewachsen sind.

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Außerdem testet man noch die Raumkapsel Dragon 2, was bis Mai 2018 abgeschlossen sein soll. Diese für den bemannten Raumflug ausgebaute Weiterentwicklung der Dragon-Kapsel soll auch eingesetzt werden, um professionelle Astronauten zur Internationalen Raumstation ISS zu transportieren. Ebenfalls noch nicht fertig ist die Falcon-Heavy-Rakete, mit der die Kapsel ins Weltall gebracht wird.

Ob die bemannte Mondumrundung tatsächlich pünktlich stattfinden wird, ist deshalb offen und hängt auch von der finanziellen Situation von SpaceX ab, über die in den letzten Wochen in US-Medien vermehrt spekuliert wurde. Das Unternehmen gibt sich jedoch optimistisch und verkündete, dass es außer den beiden Pionieren schon mehrere weitere Interessenten gebe, weshalb man hoffe, bald 10 bis 20 Prozent des Umsatzes mit Weltraumtourismus zu erwirtschaften.

Die NASA, der alte staatliche Konkurrent von SpaceX, gratulierte ihrem "Branchenpartner" gestern und verlautbarte, dass die Weltraumagentur Mitte 2019 selbst zwei Astronauten auf einen acht oder neun Tage dauernden Mondrundflug schicken könnte. Die Machbarkeitsstudie, ob das mit der neuen Orion-Raumkapsel zwei Jahre früher als ursprünglich geplant möglich ist, wurde im Februar von der Trump-Administration in Auftrag gegeben und soll Ende März oder Anfang April fertig sein.

Für viele Beobachter kam der Auftrag dazu überraschend, da sich der neue Präsident Donald Trump bisher wenig zu diesem Bereich äußerte und der raumfahrtinteressierte Newt Gingrich entgegen erster Erwartungen keinen Posten in seiner Administration bekam. Auch Bill Gerstenmaier, der Vize-Chef der NASA-Abteilung für bemannte Raumfahrt, zeigte sich öffentlich "ermutigt". Später sollen bemannte Orion-Kapseln der NASA Asteroiden anfliegen. Eine Reise zum Mars ist für Mitte 2030 geplant - SpaceX möchte bereits früher dort sein (vgl. Musk plant Marsbesiedlung ab 2025).

In Indien will man nicht nur zum Mond, sondern auch etwas von dort mitnehmen: Das auf der Erde extrem seltene Helium-3, das der Einschätzung des bei der Indian Space Research Organisation (ISRO) beschäftigten Professor Sivathanu Pillai nach bereits 2030 in Fusionsreaktoren zur Energieversorgung Indiens beitragen könnte. Diese Hoffnung offenbarte der ehemalige Chef von BrahMos Aerospace beim Kalpana-Chawla-Weltraumpolitikdialog der Observer Research Foundation (ORF). Seiner Meinung nach gibt es im Mondstaub so viel Helium-3, dass man damit die Energieprobleme der gesamten Erde lösen könnte. Nicht gelöst ist bislang allerdings das Problem, wie man das Helium-3 oder die daraus gewonnene Energie so unaufwendig auf die Erde bekommt, dass sich der Abbau wirtschaftlich lohnt.

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Ein anderes Ziel offenbarte P.M. Bali, der Generaldirektor für Perspektivplanung bei der indischen Armee. Seiner Einschätzung nach ist die Entwicklung eigener indischer Weltraumtechnologie auch für die Sicherheit des Landes enorm wichtig. Er plädiert wegen der "sich verändernden Realitäten in unserer Nachbarschaft" für ein eigenes finanziell großzügig ausgestattetes militärisches Weltraumprogramm, das die "strategische Stabilität" gewährleisten soll. (Peter Mühlbauer)

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