Neues aus der Quantenphysik: Unser Universum ist ewig

Es ist besser, sich mit der nackten Realität zu konfrontieren

Sollte die wissenschaftliche Methode überarbeitet oder integriert werden? Kann sie die Realität ausreichend beschreiben?
Antony Garrett Lisi: Meiner Meinung nach ist die wissenschaftliche Methode das beste Verfahren zum Verständnis der Realität. Neuerdings wird viel darüber diskutiert, vor allem unter Stringtheoterikern, ob die theoretische Physik über die wissenschaftliche Methode hinausgegangen ist, um in das Gebiet der reinen, selbsttragenden mathematischen Spekulationen einzudringen, u.a. mit Theorien, die auch in ihrem Prinzip unerprobt bleiben - und ob die wissenschaftliche Methode geändert werden muss. Ich glaube nicht, dass die wissenschaftliche Methode am Versagen ist, sondern diese Wissenschaftler.
Welchen Einfluss haben die neuesten Entdeckungen der Quantenphysik auf den Alltag?
Antony Garrett Lisi: Drei praktische Anwendungen kommen sofort in den Sinn. Die erste ist die Quanten-Festkörperphysik und die fortlaufende Weiterentwicklung von Computergeräten - einschließlich der Telefone, die wir alle mit uns tragen. Die zweite Entdeckung ist die effiziente Manipulation von DNA auf atomarer Ebene, und die Auswirkungen, die sie auf Organismen haben wird, einschließlich den unseren. Eine dritte praktische Auswirkung der Quantenphysik, die sich noch in einer embryonalen Entwicklungsphase befindet, ist das Quantencomputing.
Der deutsche Philosoph Hegel behauptete in seiner Phänomenologie des Geistes: "das Wahre ist das Ganze". Sehen Sie eine Analogie zwischen dieser Aussage und Ihrer Theorie? Sehen Sie irgendeine Beziehung zwischen dieser Aussage und Heisenbergs Grundsatz der Unbestimmtheitsrelation?
Antony Garrett Lisi: Bei der Arbeit in der Grundphysik springt man immer wieder von einer Idee zur anderen. Dabei geht es um die Welt, um das Testen dieser Ideen, um damit verbundene Probleme, um deren mögliche Lösung in der Natur oder wie diese Synthese die ursprünglichen Ideen beeinflusst. Die Natur ist letztlich ein konsequentes Ganzes - und das orientiert unsere Arbeit in der Physik. Heisenbergs Quanten-Unschärferelation ist die Erkenntnis, dass ... die Natur bizarr ist und viele unserer klassischen Ideen falsch waren.
Wenn man die Natur als Ganzes und ihre mathematische Beschreibung betrachtet, begegnet man auch der Gödelschen Unvollständigkeit - d.h., dass es in jedem komplexen formalen System Dinge gibt, die wahr sind, die aber nicht nachweislich wahr sind. Es ist eine Art Erweiterung von Heisenbergs Unbestimmtheit in der formalen Mathematik.
Aber als Physiker interessiert mich mehr, was wahr ist, und nicht so sehr, was nachweisbar ist - also ist Gödel kein Hindernis für die Arbeit an den theoretischen Grundlagen. Mit der Gödelschen Unvollständigkeit ärgert und amüsiert das Universum die Mathematiker.
Was würde Ihnen mehr Freude bereiten: die Vollendung Ihrer Theorie oder das Reiten der perfekten Big One, der erstaunlichsten Welle aller Zeiten?
Antony Garrett Lisi: In den Wellen zu spielen, macht mir große Freude und hält mich gesund. Surfen ist der gröβte Spaβ, den man auf diesem Planeten haben kann. Aber die Arbeit an der theoretischen Physik ist eine intellektuelle Anstrengung, die viel reichhaltiger ist - sie bereitet mir größere Frustrationen und Befriedigungen und sorgt für eine tiefere und abstraktere Wertschätzung der Natur.
Glauben Sie an Gott? Der Glaube an Götter hat im umfangreichen kulturellen Erbe der Menschheit eine wichtige Rolle gespielt und kann insofern respektiert werden. Es gibt allerdings keinen glaubwürdigen Beweis für die Existenz von Göttern, übernatürlichen Einflüssen oder mystischen Energien im Universum - oder für den Fortbestand des Bewusstseins nach dem Tod.
Wenn jemand an diese Dinge glaubt, was bei der Mehrheit der Menschen der Fall ist, führt das zu fehlerhaften Modellen der Realität und Fehlentscheidungen. Es ist, denke ich, besser, sich mit der nackten Realität zu konfrontieren, wie sie ist, und das Beste aus unserem Leben und unserer wunderbaren und wunderschönen Naturwelt zu machen, so gut wir können, solange wir das können.
Wer ist Ihr Lieblingsautor?
Antony Garrett Lisi: Douglas Adams (Jenny Perelli)