New-Nazi-Economy

Jens Siefert, einer der bekanntesten Nazis Hamburg, ist Internet-Provider geworden

Sieferts Firma Netzpunkt in der Hamburger Eiffestrasse sitzt dort, wo Siefert seit längerer Zeit auch das so genannten Nationale Infotelefon Hamburg (NIT) betreibt. Die unverfängliche Website der New-Nazi-Economy verzichtet auf die in diesem Milieu übliche Tümelei. Das Internet heißt dort nicht "Weltnetz", und der potentielle Kunde findet nur "Verweise" auf Software-Firmen und Computerzeitschriften. Es gibt sogar einen ganz undoitschen "Test-Shop".

Der MacIntosh-Fan Siefert ist nach eigenen Angaben seit Mitte 1995 online. Er gehört zu einer braunen Seilschaft, die seit Jahren die neuen Medien für die ultrarechte Szene hoffähig macht. Siefert ist der Spezialist für die Technik, insbesondere für die Nationalen Infotelefone. Bei Schulungen durch das Landesarbeitsamt erwarb er sich die Kenntnisse, die man als brauner ISP braucht. ("Im Vergleich zu den Staatsmedien sind wir gänzlich unbedeutend") André Goertz, einer seiner Vertrauten, organisiert die Inhalte des zur Zeit bedeutendsten rechten Portals seines NIZ-Verlages. 1995 standen Siefert und Goertz gemeinsam vor Gericht, weil ein Staatsanwalt meinte, der Begriff "Auschwitz-Mythos", der in der Nazi-Szene ironisch gebraucht wird, müsse strafrechtlich verfolgt werden. Thorsten Lemmer pusht mit seinem Vertrieb "Moderne Zeiten" und seinem Hochglanz-Musikmagazin Rocknord Nazi-Pop in den Mainstream. Lemmer ließ sich schon vor drei Jahren von Siefert den WWW-Auftritt gestalten. Damals hieß "Netzpunkt" noch "Skuld". Einer der ersten Online-Auftritte der deutschen Nazi-Szene war das "Abendland"-Projekt, gefordert durch die braune Medien-Dreieinigkeit NIZ, "Moderne Zeiten" und "Rock Nord".

So schnell vergisst jemand wie Siefert seine einschlägige politische Sozialisation nicht: sie führte ihn über die heute verbotene Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei zu den Jungen Nationaldemokraten, dann zu den "freien Kameradschaften". Seine Infotelefone forderten im Herbst 1993 die "Kameraden" bundesweit auf, gegen die politischen Gegner aktiv vorzugehen. Im "Einblick", einer Namensliste von Nazi-Gegnern mit Adressen, forderte die Anti-Antifa, den dort Genannten "unruhige Nächte" zu bereiten. Die "Kameraden" der Medien-Seilschaft sind jedoch dem Stiefelfaschisten-Alter entwachsen. Mit Glatze und Skinhead-Proll-Manieren verschreckt man nur die Kunden. Deswegen grenzen sich die Herren vornehm von "der Szene" ab. Man nennt sich "progressiver Nationalist". Das hindert Siefert aber nicht daran, mit "der Szene" Geld zu verdienen: er gestaltet die Website des "Club88" in Neumünster und des "Bündnis Rechts für Lübeck". Computerprogramme, so Siefert, seien "weder rechts noch links".

Dass auch Nazis sich der ökonomischen Gesetze des Kapitalismus bedienen, ist nur für den verwunderlich, der meint, Rassisten und Antisemiten wären automatisch dumm und sähen auch so aus. Sieferts Firma ist auch nicht erste dieser Art, wie antifaschistsche Rechercheure in der Newsgroup (Burkhard Schröder)