Nicht sparen bitte! - Corona wirbelt vieles durcheinander

Bitte immer für Notlagen sparen. Nur nicht jetzt

Vielen Menschen ist bis dato unbekannt, dass auch im Arbeitslosengeld II ein sogenannter Ansparbetrag vorgesehen ist. Vom Bezieher dieser Transferleistung wird insofern verlangt, monatlich etwas für Notfälle beiseite zu legen, obwohl dieser Ansparbetrag in der Berechnung des ALG II-Betrages nicht extra aufgeführt ist.

Immer schön sparen

Offiziell wird insofern ein solcher inkludierter Betrag verneint, es heißt jedoch, dass erstens ein "wirtschaftliches Verhalten" des ALG II-Beziehers zu erwarten sei und es weiterhin ja auch in seinem eigenen Interesse liege, Geld für Notfälle beiseitezulegen. Ist ein solches Geld für Notfälle nicht vorhanden, werden die meisten Notfälle über Darlehen der Jobcenter abgehandelt, d.h. es gibt keineswegs Extrageld, sondern der Gesamtbetrag wird über ständige kleine oder größere Raten vom ALG II zurückgeholt.

Und auch die Arbeiter, Angestellten und Beamten wurden stetig dazu aufgefordert, ihr Geld anzulegen - in die Riester-Rente, in Aktien… Hauptsache, es wurde nicht alles gleich für den Konsum ausgegeben. Der stete Konsum, das sofortige Ausgeben von Extrageld wurde als verwerflich und undiszipliniert angesehen.

Denkt denn keiner an die Volkswirtschaft?

Seit das große C (Corona, um diesen saloppen Ausdruck zu gebrauchen) aber nicht nur die Medien, sondern auch das "ganz normale Leben" beherrscht (oder besser gesagt: die teilweise überzogenen Maßnahmen gegen Corona), haben viele Selbständige, Teilzeitbeschäftige oder Geringverdiener ihre Einkommen verloren, sind jetzt auf Stützzahlungen des Staates angewiesen und haben z.T. auch noch Zusatzausgaben (ein Beispiel wären fehlende Schulessen, so dass für die Sprösslinge selbst gekocht werden muss, fehlende Kantinenessen, z.T. fehlende Einkaufsmöglichkeiten usw.).

Die Frage, die im Raum steht, ist ohne Zweifel: Wie lange wird dies alles noch andauern? Geht man, wie es viele tun, von einer zweiten Welle im Herbst aus, so ist es verständlich, dass die Stützgelder nun vielfach nicht sofort ausgegeben werden, sondern zur Seite gelegt, da nicht ersichtlich ist, wann sich die Situation dauerhaft entspannt.

Seit Öffnung (nicht nur) der Baumärkte erhofften sich die Gewerbetreibenden wie auch die Regierung einen starken Konsumanstieg. So schreibt Beate Sander, Börsen-Millionärin, Autorin und Kolumnistin in Sparen und Konsum:

"Falls die Politik zwar mit Kurzarbeitergeld und sonstigen Direkthilfen das verringerte Einkommen vieler Arbeitnehmer stützt, aber auf direkte Anreize verzichtet, das Geld auch wieder auszugeben, wird es kaum zum erwünschten konjunkturellen V kommen, nämlich: starker Absturz - schnelle Erholung."

Letztendlich, sofern es keinen Zwang gibt, das Geld sofort auszugeben, können die Anreize nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich momentan das Leben auf unsicherem Terrain bewegt und nach den "Hamsterkäufen" nun eher das Sparen eingesetzt hat. Was ja vor Corona auch noch positiv bewertet wurde.

Jetzt aber wird das Erhalten der Volkswirtschaft an erste Stelle gestellt und derjenige, der Geld hat, soll gefälligst konsumieren, so viel es ihm möglich ist.

Doch nicht nur seit Aufräumtipps und Ausmist-Tipps an Beliebtheit zunehmen, fragen sich mehr und mehr Menschen, ob sie wirklich jedes Jahr neue Kleidung benötigen, weil neue Farben "in" sind, ob auch noch die letzte Tischdecke passend zum neuen Wohntrend sein muss oder sich nicht auch ganz andere, sinnvollere Dinge mit Extrageld finanzieren lassen bzw. dieses einfach "auf die Seite gelegt werden sollte", wohlwissend, dass bisher niemand sagen kann, wann ein ganz "normales" Leben wieder möglich sein wird, und ob, bedingt durch die Corona-Zeit, nicht auch so mancher auf den Besuch im Fast-Food-Restaurant oder im Nagelstudio usw. verzichten wird, was sich natürlich auch auf viele Betriebe auswirken wird, - und somit auf Arbeitsplätze.

Was einem so lange eingetrichtert wurde, dass man für Notlagen sparen soll, geschieht derzeit - sehr zum Verdruss derjenigen, die ihre Meinung diesbezüglich momentan einmal geändert haben. (Alexander und Bettina Hammer)