Nichttödliche Waffen für den allseitigen Gebrauch

PepperBall bietet Schusswaffen an, die mit extrem scharfen Pfeffer und kinetischer Energie Schmerzen zufügen

Nichttödliche Waffen, auch weniger tödliche Waffen genannt, sollen als Mittel dienen, den Einsatz tödlicher Waffen zu vermeiden, aber doch einen Menschen vorübergehend außer Gefecht zu setzen oder zumindest abzuwehren. Mit der Betonung auf die Vermeidung von schweren oder tödlichen Verletzungen wird ihr Einsatz bei Militär, Polizei, privaten Sicherheitskräften oder zum Selbstschutz angepriesen. So auch die neue Waffe von PepperBall Technologies.

Das nichttödliche Waffenarsenal von PepperBall. Bild: PepperBall

Die von PepperBall entwickelte Technik bietet Waffen an, die auf zwei Weisen Menschen über eine Entfernung bis zu 20 Metern Schmerzen zufügen können, so dass sie abgewehrt oder überwältigt werden können. Die Waffen schießen runde Geschosse aus zerbrechlichem Plastik ab, die mit Wucht auf dem Körper auftreffen, aber nicht in ihn eindringen. Neben diesem Schmerz platzen sie beim Aufprall auf und geben ein extrem scharfes, künstliches Pfefferpulver PAVA (Capsaicin II) frei, das Atemwege, Augen und Haut schmerzhaft reizt. Ohne die Schmerzzufügung durch die kinetische Energie soll die Reichweite für die Wirkung des Pfeffers bis zu 60 Meter sein.

Angeboten werden Pistolen, Gewehre und halbautomatische Karabiner, letztere können 12 Schuss pro Sekunde abgeben. In Deutschland darf eine Pistole mit einer Reichweite bis zu zehn Metern und einer kinetischen Energie unter 7,5 Joule nur gegen Tiere verwendet und kann von Erwachsenen erworben werden. Für das Mitführen außerhalb der Wohnung, der Geschäftsräume oder des eigenen Grundstücks ist ein Waffenschein erforderlich. Aber gleich, ob die nichttödlichen Waffen nur an Militär, Polizei und Sicherheitskräfte oder mit bestimmten Einschränkungen an Privatpersonen verkauft werden, so werden sie ebenso wie andere Waffen zu all denen gelangen, die sie besitzen oder für irgendwelche Zwecke anwenden wollen.

So wird beispielsweise dafür geworben, dass sich damit Angreifer stoppen, Menschenmengen auflösen oder unfolgsame Menschen, inklusive Angestellte, gebeugt werden können. Der extrem scharfe Pfeffer kann bis zu 15 Minuten wirken, Erstickungsgefühle oder Brechreiz auslösen, zur vorübergehenden Erblindung führen und einen brennenden Schmerz auf der Haut verursachen. Für den Schutz von Führungspersonal oder Prominenten gibt PepperBall folgende Beispiele:

PepperBall systems can be used to quickly subdue or disperse dangerous intruders on private property. Threats to your client can be neutralized without resorting to risky, more aggressive, or harmful means. Disgruntled employees, over zealous fans, rabble rousing crowds that intrude, attempt to assault, or otherwise endanger security can be safely managed.

Dass sich nichttödliche Waffen selbstverständlich auch als Angriffswaffen, zum Quälen oder für kriminelle Zwecke verwenden lassen, taucht bei den Beschreibungen der Hersteller nicht auf. Während immer beschworen wird, dass man damit nicht zu " riskanten, aggressiveren oder gefährlicheren Waffen" greifen muss, wird ebenfalls verschwiegen, dass mit der Existenz von nichttödlichen Waffen, bei denen ja angeblich nichts passieren kann, abgesehen von der Schmerzzufügung, der Unterwerfung und Demütigung, die Schwelle zum Einsatz von Waffen sinken wird.

Da man sie auch zur Vermeidung von zu großer Nähe oder körperlicher Gewalt einsetzen kann, werden die Übergriffe zunehmen und die Schwelle zur Gewalt – denn schmerzhafte und überwältigende Gewalt ist der Einsatz dieser Waffen – weiter sinken. Es wird also vielleicht weniger Tode und Verletzte geben, aber mehr Gewalt nach der Devise: Erst einmal schießen und dann schauen. Die gleichen Argumente wie für die Sicherheitskräfte gelten im übrigen auch für die zivile und kriminelle Anwendung. Auch hier vermeidet man das Risiko, wegen Körperverletzung, Totschlag oder Mord angeklagt zu werden und kann vermeintliche oder wirkliche Angreifer bzw. Opfer auch ohne riskante Gewalt überwältigen. Wird dadurch das Leben, die Gesellschaft sicherer? Vermutlich nicht, zumal auch hier von beiden Seiten weitere Aufrüstung erfolgen wird.

FlashLauncher. Bild: PepperBall

Neu entwickelt wurde nun von PepperBall eine Kombination aus der Pfefferpistole mit einer starken Taschenlampe. Der FlashLauncher wird auch für Privatpersonen auf den Markt gebracht. Damit können bis zu fünf Geschosse nacheinander mit einer Reichweite bis zehn Meter abgefeuert werden. Der Lichtstrahl soll auch ein Objekt in der Größe eines Menschen bis in eine Entfernung von 10 Metern erkennbar machen. Gezielt wird mit einem Laserstrahl. Der Vorteil soll sein, dass man nicht eine Waffe und eine Taschenlampe halten muss, wenn man beispielsweise einen dunklen Raum betritt, sondern sofort sehen und schießen kann. PepperBall ist kleiner und leichter als die anderen Waffen, sodass man sie immer mit sich führen kann.

Ideal for use during room entry, room clearing or cell extractions, building or cell searches, traffic stops, perimeter patrols, fugitive surprise, or other situations where officers or agents need a less-lethal solution and a powerful light in one hand while keeping their other hand free for use as needed.

Neu ist auch SA-4, eine Pistole mit einer Reichweite bis zu zehn Metern, die bislang für Polizei und Militär angeboten wird. Die Geschosse schmerzen stärker, weil sie mit mehr Wucht auftreffen, dazu geben sie mit vier Gramm doppelt so viel PAVA-Pulver frei wie die anderen Projektile. Mit der Aufrüstungsspirale geht es also weiter.

SA-4. Bild: PepperBall

(Florian Rötzer)

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