Nigeria vor der Wahl

Geschlossene Grenzen und Verwirrung um Entführte

Am Samstag wird in Nigeria gewählt. Wegen der prekären Sicherheitslage hat das Innenministerium dazu drei Tage lang alle Grenzen zu Benin, der Republik Niger, dem Tschad und Kamerun geschlossen. An mehr Länder grenzt Nigeria nicht. Auch Autos dürfen am Samstag nur mit Sondergenehmigungen fahren.

Ob die Maßnahmen Anschläge tatsächlich verhindern können wird sich zeigen. Aber bereits jetzt steht fest, dass in großen Teilen des Kanuri-Bundesstaates Borno nicht gewählt werden kann, weil dort die salafistische Anti-Bildungs-Sekte Boko Haram die Kontrolle hat. Dass diese auch außerhalb ihres engeren Herrschaftsbereichs Angst und Schrecken verbreitet, zeigte sich in den letzten Tagen an Meldungen über die Verschleppung von bis zu 500 Frauen und Kindern aus der Stadt Damasak, die Truppen aus dem Tschad und dem Niger der Terrorgruppe am letzten Wochenende entrissen hatten.

Mike Omeri, ein Sprecher der nigerianischen Regierung, relativierte die von Agenturen lancierte Nachricht inzwischen und sprach davon, dass es schon bei der Räumung der Stadt Verschleppungen gegeben habe, aber keine 500. Eine andere Zahl nannte sie jedoch nicht. Mit einer anderen Erklärung für die Entführungen wartete gestern die BBC auf, die sich auf einen Geschäftsmann aus Damasak beruft: Danach wurden die Entführungen schon vor der Befreiung verschleppt - und zwar in eine Koranschule, die noch im Boko-Haram-Gebiet liegt, dass der Salafistenführer Abubakar Shekau am 7. März dem irakisch-syrisch-libyschen Terrorkalifat unterstellte.

Bundesstaaten, die 2011 von Goodluck Jonathan (grün), Muhammadu Buhari (rot) und anderen Kandidaten (blau) gewonnen wurden. Karte: Artefactual. Lizenz: CC0 1.0

Bei den Wahlen am Sonntag haben sich insgesamt 14 Kandidaten für das Amt des Staatspräsidenten aufstellen lassen. Realistische Chancen darauf haben aber nur zwei: Amtsinhaber Goodluck Jonathan, ein christlicher Ijaw aus dem Nigerdelta, und der 72-jährige ehemalige Militärdiktator Muhammadu Buhari, ein moslemischer Fulbe aus dem Bundesstaat Katsina.

In der Nationalversammlung verfügt Goodluck Jonathans wirtschaftsliberale Peoples Democratic Party (PDP) derzeit über 181 von insgesamt 360 Sitzen im Repräsentantenhaus und 62 von insgesamt 109 Sitzen im Senat. Der sozialdemokratische All Progressives Congress, für den Buhari antritt, hat 179 im Repräsentantenhaus und 42 im Senat.

Umfragen zum Ausgang der Wahl klaffen deutlich weiter auseinander, als man es aus Deutschland kennt: Während einige die beiden Kandidaten mit realistischen Chancen gleichauf sehen, prognostizieren anderen über 70 Prozent für Buhari. Der könnte den Verlust von Teilen seiner Stammwählerschaft im von Boko Haram besetzten Nordosten bei Wählern im Süden tatsächlich mehr als ausgleichen, weil er den Wählern ein deutlich härteres Vorgehen gegen die Dschihadisten verspricht. (Peter Mühlbauer)

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