No Future: Eine Generation von jungen arbeitslosen US-Amerikanern

In den USA stieg der Anteil der Arbeitslosen bei den 25-34-Jährigen trotz anziehendem Wirtschaftswachstum stärker als in anderen reichen Industrieländern

Die Finanz-, Wirtschafts- oder Schuldenkrise trifft vor allem die jungen Menschen - nicht nur in den verschuldeten und unter der Knute der Austeritätspolitik stehenden Euro-Krisenstaaten, sondern auch in den USA, wie die New York Times berichtet. Bislang unbeachtet ist die Arbeitslosigkeit unter den 25-34-Jährigen in den USA enorm angestiegen.

Lag der Anteil der Arbeitslosen in dieser Altersgruppe in den USA nach OECD-Daten im Jahr 2000 noch bei 18,5 Prozent und damit unter den Arbeitslosenraten in Japan (23,9), Frankreich (22,9) Deutschland (21,8), Großbritannien (20,1) oder Kanada (19,8), so haben sich die Verhältnis in der Zeit bis 2011 umgekehrt, dem letzten Jahr, zu dem Daten vorliegen. Der Anteil der Arbeitslosen bei den 25-34-Jährigen war 2011 auf 26,2 Prozent angewachsen. Auch in den anderen Ländern ist die Altersgruppe abgesackt, aber nicht so stark. In Kanada lag der Anteil bei 20,2%, in Deutschland bei 20,5%, in Japan bei 21%, in Großbritannien bei 21,6% und in Frankreich bei 22%. Der Wirtschaftswissenschaftler Robert Moffitt spricht von einer "historischen Umkehrung". Grund ist, dass sich die amerikanische Wirtschaft zwar wieder besser erholt als in den meisten anderen reichen Industrieländern, aber dass kaum neue Arbeitsplätze geschaffen werden, auch wenn die Arbeitslosenrate gerade überraschend stark gesunken ist. Offenbar sind die Arbeitgeber besonders zurückhaltend bei der Einstellung von jungen Menschen, so die New York Times. An den jungen Menschen scheint die Wirtschaftserholung vorbei zu gehen, schließlich boomt die Börse, selbst der Immobilienmarkt zieht wieder an. Aber das Vermögen der Haushalte von Unter-44-Jähreigen ist im letzten Jahrzehnt stärker gefallen als in den älteren Altersgruppen - und die 25-34-Jährigen sind die einzige Altersgruppe, die 2013 weniger verdient als 2000.

Eine Rolle dürfte die Ausbildung spielen, schließlich liegt die Arbeitslosigkeit auch bei dieser Arbeitsgruppe bei den Hochschulabgängern bei gerade einmal 3,3 Prozent. Das heißt vermutlich, dass weniger junge Menschen eine Hochschulausbildung durchlaufen können, was wiederum mit dem verfügbaren Einkommen der Menschen zu tun haben dürfte. Die New York Times weist auch daraufhin, dass im Gegensatz zu Frankreich nach einer Untersuchung von MIT-Wissenschaftlern den amerikanischen Arbeitslosen weniger geholfen wird, sie auch weniger die Möglichkeit haben, sich fortzubilden. Aber wenn in dieser Altersgruppe auch in den reichen Industrieländern ein Fünftel keinen Job haben, obgleich dies besser ist als in den USA oder gar in Spanien, Griechenland, Portugal oder Italien, dann schwelt hier eine Zeitbombe. Schließlich ist kaum zu vermuten, dass Wirtschaftswachstum in Zukunft mit der Schaffung vieler neuer und gut bezahlter Arbeitsplätze einhergehen wird und dass die jungen Menschen dann mit 40 ihre Karriere beginnen werden. (Florian Rötzer)

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