"No Holes, no Holocaust"

Bild: © SquareOne/Universum

Der Film "Verleugnung"

Heute nennt man es Fake-News, das Leugnen des Holocaust. Und einer der immer noch populärsten Holocaust-Leugner ist wohl neben Fred A. Leuchter und Ernst Zündel der Brite David Irving. Bekannt geworden ist der 1938 geborene Journalist als Verfasser zahlreicher historischer Bücher. Seinen Ruf, ein ernst zu nehmender Sachbuchautor zu sein, verlor er jedoch, als er seit den achtziger Jahren die Existenz des Holocaust öffentlich leugnete.

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So bestritt Irving beispielsweise den Vernichtungszweck der Gaskammern und der Krematorien des KZ Auschwitz’. Gleichzeitig trat er immer öfter, auch in Deutschland, als Redner bei Veranstaltungen der radikalen Rechten auf. Als 1993 die US-amerikanische Historikerin Deborah E. Lipstadt ihn in einem Buch als "authentischen Holocaust-Leugner" bezeichnete, verklagte er sie wegen Verleumdung. Und 2000 kam es dann tatsächlich zu einem Prozess in London, dem Sitz von Lipstadts britischem Verlag.

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Von diesem Verfahren und leider nur kurz von seiner Vorgeschichte erzählt Mick Jackson Film "Verleugnung" (Originaltitel: "Denial"), der auf Lipstadts Buch "History on Trial: My Day in Court with David Irving" beruht. Da nach britischem Recht in einem Verleumdungsprozess der Beklagte nachweisen muss, dass seine Vorwürfe stimmen, musste in diesem konkreten Fall tatsächlich die Historikerin vor Gericht die Existenz des Holocaust nachweisen.

Genau dies steht nun auch im Mittelpunkt des recht konventionell inszenierten Films, während der Zuschauer über Irving (Timothy Spall) selbst kaum etwas erfährt. Er wirkt bis zum Schluss ziemlich einfach gestrickt, bestenfalls wie ein etwas irrer Einzelkämpfer, dessen Motive an dieser ziemlich irrwitzigen juristischen Auseinandersetzung dann auch völlig im Dunkeln bleiben.

Vielleicht wollte der Regisseur und sein Drehbuchautor David Hare ("Der Vorleser") ja Irving selbst nicht so viel Gewicht und Bedeutung geben, dennoch bleibt diese durchaus schillernde Persönlichkeit viel zu eindimensional. Stattdessen geht es fast ausschließlich um deren kruden Thesen, die in dem gezeigten Prozess detailliert durch Sachverständige widerlegt werden.

So wird beispielsweise anhand von Bauplänen debattiert, ob es in Auschwitz Gaskammern gab. Was Irving wegen angeblich fehlender Entlüftungslöcher bezweifelt hatte - mit dem mediengerechten Spruch: "No Holes, no Holocaust". Solche Diskussionen verleihen dem Film einen beinahe unheimlichen Unterton und sind wohl angesichts des Auftretens aktueller Holocaust-Leugner leider immer noch nötig. Auch wenn es selbst beim Zuschauen richtig weh tut.

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Spannend zu verfolgen ist auch die anfangs umstrittene Prozessstrategie von Lipstadts prominenten Anwälten: Richard Rampton (Tom Wilkinson) und Anthony Julius (Andrew Scott), der übrigens auch Prinzessin Diana juristisch vertreten hat. Obwohl ihre Mandantin gern Holocaust-Überlebende als Zeugen gehabt hätte, um ihren eigenen Argumenten auch emotionales Gewicht zu verleihen, verzichteten sie bewusst darauf. Sie befürchteten, dass diese in einem Kreuzverhör öffentlich gedemütigt würden.

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Selbst Lipstadt (Rachel Weisz) trat daher nicht als Zeugin auf, im Vordergrund stand so allein die historische Auseinandersetzung um Fakten. Die Prozessstrategie ging schließlich auf: David Irving verlor das Verfahren, musste die Prozesskosten von 2,5 Millionen britischen Pfund tragen, was ihn bis heute finanziell ruiniert hat. Dennoch tritt er weiterhin öffentlich als Holocaust-Leugner auf, um so seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Und er findet leider immer noch sein Publikum, was auch dieser solide erzählte Film vermutlich nicht ändern wird. (Ernst Corinth)

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