Noch eine Panne beim AKW Isar 1

Gerade hatte Greenpeace Isar 1 als den unsichersten Reaktor in Deutschland bewertet, trat prompt wieder eine Panne ein und musste er manuell abgeschaltet werden

Seit 17. März ist Isar 1 vom Netz. Grund war das Moratorium der Bundesregierung und eine Anweisung des Bayerischen Umweltministeriums. Ganz problemlos lief das allerdings nicht bei dem alten, seit 1979 in Betrieb befindlichen Meiler, der wie die havarierten Reaktoren von Fukushima ein Siedewasserreaktor ist und der nach Meinung vieler, auch der des bayerischen Ministerpräsidenten Seehofer, abgeschaltet bleiben soll. Das muss aber nicht heißen, dass keine Pannen mehr auftreten.

Betreiber E.on meldete am 22. März, dass es fünf Stunden nach der "sicheren" Trennung vom Netz zu einer Reaktorschnellabschaltung gekommen war. Die Ursache sei "eine Absenkung des Füllstandes im Reaktordruckbehälter" gewesen - die muss aber sehr schnell erfolgt sein. Beruhigend hieß es, alles sei "auslegungsgemäß" geschehen. Eine Sprecherin sagte, beim Herunterfahren komme es gelegentlich zu solchen Schwankungen. Der Vorfall sei unter der siebenstufigen INES-Skala gelegen, auf "Stufe 0", so die Mitteilung des Energiekonzerns, die erst Tage nach der Panne veröffentlicht wurde.

Die Ärzteorganisation IPPNW kritisierte damals, dass E.on die Ursache für die Absenkung des Füllstandes "verschwiegen" habe (Panne beim Herunterfahren von Isar I). Die Öffentlichkeit, so kritisierte IPPNW-Sprecher Henrik Paulitz scharf, habe "einen Anspruch darauf, umgehend zu erfahren, warum Atomkraftwerksbetreiber in Deutschland noch nicht einmal dazu in der Lage sind, ein Atomkraftwerk stillzulegen, ohne den Reaktorschutz auszulösen und ein Sicherheitssystem in Anspruch zu nehmen". Ähnlich äußerten sich die Grünen. Selbst Bundesumweltminister Röttgen forderte genaue Informationen über die Pannenursache.

Gestern berichtete E.on bereits von der nächsten Panne im weiterhin heruntergefahrenen Isar 1. Dieses Mal musste der Reaktor "manuell" abgeschaltet werden. "Während des Betriebs eines Motors im Not- und Nachkühlsystem wurde ein Anstieg der Lagertemperatur festgestellt", meldet E.on. Der betroffene Motor wurde vorsorglich manuell außer Betrieb genommen. Der Motor wird ausgetauscht und zur Ursachenklärung an den Hersteller übergeben." Wiederum habe es sich um einen Vorfall der Stufe 0 gehandelt. Die Kühlung sei gesichert gewesen, da ein anderes Not- und Nachkühlsystem der "vier baugleichen Stränge" die Wärme abgeführt habe.

Für diejenigen, die eine völlige und endgültige Abschaltung von Isar 1 fordern, dürfte der neue Vorfall ihre Haltung bestärken. Am Wochenende finden zudem wieder Anti-Atom- Demonstrationen in ganz Deutschland und auch in Landshut statt. Katastrophenschutzpläne sehen bei einem GAU nur eine Evakuierungszone von 10 km vor. Das ist nach Fukushima wohl nicht mehr wirklich haltbar (Notfallpläne beim atomaren Katastrophenfall). Greenpeace hat gerade Isar 1 nach einem Ranking aufgrund des RSK-Berichts als das unsicherste AKW in Deutschland bewertet.

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