Nordkorea: Kim Jong-un testet Trump-Reaktion

Donald Trump und Shinzo Abe. Bild: Screenshot /Video White House

Das Treffen zwischen dem US-Präsidenten und dem japanischen Ministerpräsidenten Abe wird von einem Raketentest überrascht. Experten streiten über den Stand der nordkoreanischen Waffentechnik

Nach Iran testet nun auch Nordkorea mit dem Abschuss einer Rakete, wie solche Demonstrationen militärischer Fähigkeiten im neubesetzten Weißen Haus aufgenommen werden. Zu allen möglichen politischen Herausforderungen gibt es ein Trump-Zitat, an dem er gemessen wird. Im Fall Nordkoreas lautet der Spruch vom 2. Januar dieses Jahres:

Nordkorea hat gerade verkündet, dass es sich in den Entwicklungsstufen für die Entwicklung einer nuklearen Waffe befindet, die Teile der USA erreichen kann. Das wird nicht passieren!

Donald Trump

Trump, der zu diesem Zeitpunkt noch elected president war, reagierte auf eine Erklärung des nordkoreanischen Führers Kim Jong-un. Dieser hatte seine Bevölkerung und vor allem die Weltöffentlichkeit davon in Kenntnis gesetzt, dass die letzten Vorbereitungen für den ersten Test einer Interkontinental-Rakete (ICBM) getroffen würden. Dies wäre ein Novum, eine neue Qualität, notierte damals die New York Times.

Ob der Raketentest, der vom südkoreanischen Militärkommando und vom Pentagon registriert wurde, diese Ankündigung einlöst, ist wie stets bei nordkoreanischen Waffentests umstritten, wie russische, amerikanische und deutsche Medien übereinstimmend berichten.

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Seoul ist die Rakete etwa 500 Kilometer weit geflogen. Die Flugstrecke, hier anschaulich abgebildet, scheint klar zu sein. Die Rakete soll von einem bekannten Testgelände in der westlichen Provinz P’yŏngan-pukto, an der Grenze zu China, abgeschossen worden sein.

Die Experten sind sich darüber unsicher, um welchen Raketentyp es sich handelt, ob tatsächlich eine Interkontinentalrakete gestartet wurde. Spekuliert wird über eine Hwasong-10 (Musudan) mit einer möglichen Reichweite von 3.000 Kilometer, womit Alaska "beinahe erreichbar" wäre (Washington Post) oder ob es sich um eine "verbesserte Version der Kurzstreckenrakete vom Typ Rodong handelte" (Spiegel).

Die Aufmerksamkeit wird Kim Jong-un recht sein. Wie es mit dessen Machtstellung in Nordkorea genau aussieht, weiß keiner. Außenpolitische Erfolge sind aber meist ein gutes Rezept zur Sicherung. Der Erfolg besteht darin, Nordkorea als Macht zu präsentieren, mit der gerechnet werden muss.

Der Zeitpunkt für den Test war gut gewählt, ob das angesichts der Vorbereitungen, die ein solcher Test benötigt, mit im Kalkül war, ist ebenfalls ein Thema für Spekulationen. Jedenfalls beschäftigte er ein Treffen des US-Präsidenten mit dem japanischen Ministerpräsidenten Abe. Beide gaben eine Erklärung ab, wonach die USA 100 Prozent zu Japan stehen.

Allerdings wäre die Erklärung auch ohne Raketentest zu erwarten gewesen. Schon zuvor hatten Medien wie z.B. die Financial Times berichtet, dass die Einigkeit zwischen den USA und Japan das große Thema des Besuchs von Abe ist. Dazu wurde erwähnt, dass Trump auch gegenüber China nun auf Annäherung setzt (vgl. dazu Trump knickt gegenüber China ein).

Sollte es Trump gelingen, sowohl mit China und mit Russland einen anderen Kurs zu fahren als Obama, könnte dies die politischen Rahmenbedingungen für Nordkorea in einer von der dortigen Regierung nicht gewünschten Weise verändern. Darin läge eine Möglichkeit für die US-Regierung, mit einer neuen politischen Rahmensetzung auf das schwer einzuordnende Nuklearwaffen-Theater von Kim Jong-un zu reagieren. Andere Antworten, zum Beispiel militärischer Natur, sind schwieriger (siehe: Könnte das US-Raketenabwehrsystem nordkoreanische Langstreckenraketen abschießen?). (Thomas Pany)

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