Nordkorea: Neuer Raketentest als Botschaft an die USA?

Symbolbild: Geralt. Lizenz: Pixabay

Kim Jong Un möchte nur noch dann mit Donald Trump verhandeln, wenn Mike Pompeo nicht dabei ist

Der nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA zufolge hat die dortige "Akademie für Verteidigungswissenschaft" am Mittwoch im Beisein des nordkoreanischen Staatschefs Kim Jong Un eine neue "Lenkwaffe" getestet, die "von äußerst gewichtiger Bedeutung für die Steigerung der Kampfkraft der [nordkoreanischen] Volksarmee" ist. Bis auf die Behauptung, dass die Rakete dazu in der Lage sei, einen "mächtigen Sprengkopf" zu befördern, gab es dazu keine näheren technischen Angaben.

Südkoreanische Militärexperten wie Kim Dong Yub gehen davon aus, dass es sich bei der getesteten Waffe entweder um einen tatsächlich neuen Marschflugkörper oder um die "neu entwickelte ultramoderne taktische Waffe" handelt, deren ersten Test Nordkorea bereits im November gemeldet hatte. Falls man diese erneut (und eventuell unter etwas veränderten Bedingungen) getestet hat, könnte das auch damit zu tun haben, dass Kim Jong Un dem US-Präsidenten Donald Trump damit etwas mitteilen will.

"Vorsichtiger und reifer"

Für diese Annahme spricht, dass Kwon Jong Gun, der Leiter der Amerikaabteilung im nordkoreanischen Außenministerium, kurz nach der Meldung über den Test bekannt gab, man wünsche, dass die USA bei zukünftigen Abrüstungsgesprächen ihren Außenminister Mike Pompeo durch eine Person ersetzen, die mit den Vertretern Nordkoreas "vorsichtiger und reifer kommuniziert". In nordkoreanischen Medien hieß es dazu, Pompeo habe es gegenüber Kim Jong Un am nötigen Respekt fehlen lassen und die bisherigen Verhandlungen behindert.

Vorher hatte Kim Jong Un verlautbart, er sei grundsätzlich dazu bereit, sich nach dem ergebnislos beendeten Gipfel im Februar in Hanoi ein drittes Mal mit dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump zu treffen, wenn ihm diese bis zum Jahresende einen annehmbaren Abrüstungs- und Sanktionsaufhebungsplan präsentiere. Dazu, wie die in Vietnam präsentierten Forderungen der Amerikaner konkret aussahen und warum sie abgelehnt wurden, gibt es unterschiedliche Äußerungen und Mutmaßungen.

Hanoi-Papiere "vertraulich"

Unmittelbar nach dem Treffen hatte Trump gemeint, Kim Jong Un sei seinem Eindruck nach "überrascht" gewesen, dass die Amerikaner über eine weitere Nuklearanreicherungsanlage außer der in Yongbyon Bescheid wussten und auch deren Schließung forderten (vgl. Hanoi-Gipfel endet ergebnislos). Deshalb habe man Kims Wunsch, alle Sanktionen aufzuheben, nicht erfüllen können. Aus Nordkorea hieß es dazu später, man habe gar nicht die Aufhebung aller, sondern nur einiger Sanktionen gefordert (vgl. US-Verteidigungsministerium gibt Ende von Großmanövern in Südkorea bekannt).

Ende März meldeten amerikanische Medien dann, die amerikanische Delegation habe den Nordkoreanern in Hanoi ein Dokument überreicht, in dem gefordert wurde, alle Atomwaffen und Atomwaffenteile den Amerikanern auszuhändigen, alle Nuklearanlagen zu schließen, alle am Atomprogramm beteiligten Wissenschaftler anderweitig zu beschäftigen und das alles von amerikanischen Inspektoren überprüfen zu lassen. Das habe Nordkorea mit Verweis auf das Schicksal Muammar al-Gaddafis verweigert, der sich vor dem NATO-Bombardement Libyens entwaffnen ließ.

Ob die Medienberichte tatsächlich zutreffen, ist allerdings insofern unklar, als das Weiße Haus bislang keine Stellung dazu nehmen will. Ebenso verhält sich das amerikanische Außenministerium, das auf den vertraulichen Charakter der Papiere verweist, über die man beim Gipfel sprach. Träfen die Berichte zu, dann hätte Trumps Gegenkandidatin Hillary Clinton durch ihr Handeln von 2011 mit dafür gesorgt, dass dem US-Präsidenten eine Abrüstung Nordkoreas im Februar 2019 misslang (vgl. Medienberichte: Kim Jong Un will nicht wie Gaddafi enden).

Treffen mit Putin

Kurz vor dem gestrigen Waffensystemtest war bekannt geworden, dass Kim Jong Un demnächst eine bereits im letzten Jahr ausgesprochene Einladung nach Russland angenommen hat. Dafür wird der konsequente Bahnfahrer und Flugvermeider russischen Medienberichten nach möglicherweise nicht sechseinhalbtausend Kilometer nach Moskau reisen, sondern nur eine wesentlich kürzere Strecke:

Am 24. April soll der russische Staatspräsident Wladimir Putin diesen Medienberichten nach nämlich im ostsibirischen Wladiwostok Halt machen, bevor er zu einem für den 26. und den 27. April geplanten One-Belt-One-Road-Forum in die chinesische Hauptstadt Peking weiterreist. Von der nordkoreanischen Grenze ist Wladiwostok nur etwa 130 Kilometer entfernt. Denkbar ist aber auch in Treffen in einem noch näher gelegenen Ort wie Zarubino oder Andrejewka.

Bei den Gesprächen zwischen Putin und Kim Jong Un soll es unter anderen um die Nordkoreaner gehen, die in Russland arbeiten und Devisen erwirtschaften. Darüber hinaus könnte sich der russische Staatspräsident für eine Vermittlerrolle zwischen Pjöngjang und Washington anbieten. In der Vergangenheit setzte er sich sowohl für eine atomare Abrüstung Nordkoreas als auch für die Lockerung der gegen das Land verhängten Sanktionen ein. (Peter Mühlbauer)