Nordkorea: Trumps "Armada" noch tausende Kilometer entfernt

USS Carl Vinson (CVN 70) mit Begleitung am 14. April im Indischen Ozean. Bild: US Navy

Ein Militärschlag dürfte nicht unmittelbar bevorstehen, am 25. April findet erneut eine Militärparade in Nordkorea statt

Am 8. April wurde nach dem Treffen von Trump und Xi Jinping in Florida bekannt, dass der US-Flugzeugträger Carl Vinson mit seinem Kampfgeschwader nach Nordkorea verlegt wird. Kurz vor dem Treffen hatte Nordkorea noch eine Mittelstreckenrakete abgefeuert und nach dem US-Angriff auf Syrien erklärt, nun erst recht am Atomwaffenprogramm festzuhalten.

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US-Präsident Trump hatte eine Woche später erklärt, er habe Richtung Nordkorea eine "mächtige Armada" geschickt. Er äußerte die Drohung, er sei nicht wie Obama. Immer wieder warnten seitdem Mitglieder der US-Regierung, es würden alle Optionen auf dem Tisch liegen oder sprachen von einem möglichen Militärschlag, zuletzt US-Vizepräsident Mike Pence in Südkorea, der erklärte, die Zeit der strategischen Geduld sei zu Ende. Allerdings hält man sich in Washington bislang zurück, für das Drohungsspiel eine rote Linie anzugeben, auch wenn Trump die Devise ausgegeben hat, man werde das Nordkorea-Problem lösen, falls notwendig auch alleine.

Während der Eindruck entstanden sein könnte, dass womöglich ein Militärschlag schnell erfolgen könnte, ist Trumps "Armada" aber noch Tausende von Kilometern von Nordkorea entfernt, wie DefenseNews berichten. So befand sich USS Carl Vinson am Samstag nach einer Satellitenaufnahme noch in der Sunda Strait zwischen Sumatra und Java, einige hundert Kilometer südlich von Singapur und fast 5700 km entfernt von Nordkorea. Nach dem Bericht nimmt der Flugzeugträger auch noch an Übungen mit australischen Streitkräften teil.

Die südkoreanische Nachrichtenagentur berichtete gestern, dass vermutlich zwei weitere US-Flugzeugträger unterwegs zur koreanischen Halbinsel seien. Das stimme nicht, so DefenseNews. USS Reagan werde noch in Japan überholt und sei im Mai wieder einsatzbereit. USS Nimitz befindet sich vor Kalifornien, soll aber im Frühling noch USS Carl Vinson ablösen.

Mit der Ankunft von USS Carl Vinson wird ab dem 25. April gerechnet. Das wäre freilich wieder ein Datum, an dem Nordkorea wieder eine Überraschung parat haben könnte, denn an diesem Tag wird die Gründung des Militärs gefeiert. Am 25. April 1932 gründete Kim Il-sung seine Guerillatruppe, die als Vorläufer der nordkoreanischen Armee gilt. Es ist ein Feiertag, an dem es u.a. wieder wie schon am 15. April, dem "Tag der Sonne", eine Militärparade geben wird - und womöglich wieder einen Raketentest oder gar einen weiteren Atomwaffentest. Dazu soll es Vorbereitungen gegeben haben, allerdings gehen die meisten Experten davon aus, dass Nordkorea zumindest in nächster Zeit darauf verzichten wird oder dies als Verhandlungsmasse betrachtet.

In Südkorea ist man nicht nur beunruhigt wegen Kim Jong-un, sondern auch wegen Trumps kaum einschätzbarer Politik. Umstritten ist zudem die Einrichtung des Raketenabwehrsystems THAAD, die die USA vorangetrieben haben, um die neue Regierung vor der Wahl in Südkorea vor vollendete Tatsachen zu setzen. So wurde die Bemerkung von Pence, dass die Installation von THAAD fortgesetzt wird, anstelle die Entscheidung der neuen Regierung zu überlassen, als ebenso wenig beruhigend verstanden, wie Äußerungen, die mit einem Militärschlag drohen oder, wie Sicherheitsberater McMaster, nur den Einsatz aller Mittel ankündigen, abgesehen von einer militärischen Auseinandersetzung.

Für Yang Moo-jin von der University of North Korean Studies, ist das ein Zeichen, dass es in Washington noch keine konsistente Politik gegenüber Nordkorea gibt. In der aufgeregten Stimmung in Südkorea wollen dies manche allerdings auch anders verstehen. So meint Park Won-gon von Handong Global University, dass die Trump-Politik vollkommen klar sei: "Das Ziel der USA beabsichtigt, die nordkoreanische Führung zu verunsichern, indem sie den nächsten Schritt unvorhersagbar macht. Das ist eine sehr ausgeklügelte Taktik der Mehrdeutigkeit." (Florian Rötzer)

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