"Nordkorea scheint eine Rakete abgefeuert zu haben"

Bild: Alan Levine/public domain

Japanischer Sender verbreitet Falschalarm über nordkoreanischen Raketenangriff

Trotz der plötzlich besseren Stimmung zwischen Nord- und Südkorea, die manchen nicht ganz recht zu sein scheint, die USA und Japan sind eher weiter auf Konflikt programmiert, ist die Spannung weiterhin hoch. Auf dem nordkoreanischen Atomtestgelände soll es weiterhin verdächtige Aktivitäten geben. Die amerikanischen Streitkräfte bereiten sich auf einen Krieg vor. Gerade wurden wieder strategische B-2- und B-52-Bomber nach Guam verlegt, dazu der Flugzeugträger USS Carl Vinson, der Zerstörer USS Michael Murphy mit Lenkflugkörpern und das amphibisches Angriffsschiff USS Wasp, das als kleiner Flugzeugträger für F-35B-Kampfflugzeuge dient. Der Flugzeugträger USS Ronald Reagan ist bereits in der Region.

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Der japanische Außenminister warnte vor Nordkoreas "Charmeoffensive", gegenüber der man nicht naiv sein dürfe. US-Außenminister Tillerson warnte Nordkorea, die Zeit für Verhandlungen zur nuklearen Abrüstung sei jetzt. Der Konflikt verstärke sich. Die einzige Möglichkeit, einen Krieg zu vermeiden, sei die Aufnahme von Gesprächen. US-Verteidigungsminister Mattis hatte den Streitkräften befohlen, sich "für jede mögliche militärische Aktion" vorzubereiten. Die New York Times hatte am Sonntag berichtet, dass die Vorbereitungen im vollen Gange seien. Es finden zahlreiche Übungen statt, das Pentagon wolle zu den Winterspielen in Südkorea weitere Spezialeinheiten in die Region verlegen.

In Japan ist man jedenfalls sehr beunruhigt, wie sich aus der Berichterstattung ersehen lässt. Japan baut das Raketenabwehrsystem aus und führt die nächste Tage Übungen durch.

Ob aus Versehen oder aufgrund des Kriegsgerassels hatte ein Angestellter der Katastrophenschutzbehörde am Samstagmorgen angeblich versehentlich bei der Routineübung beim Schichtwechsel einen falschen Knopf gedrückt und damit eine Warnung vor einem nordkoreanischen Raketenangriff ausgelöst, der teils zu Panik in der bereits schon länger das Schlimmste befürchtende Bevölkerung auslöste. Die Katastrophenschutzbehörde brauchte 38 Minuten, um offiziell Entwarnung zu geben (Hawaii: Wenn ein roter Knopf versehentlich gedrückt wird).

Einen Falschalarm löste auch der öffentliche Sender NHK am Dienstagabend aus: "Nordkorea scheint eine Rakete abgefeuert zu haben … Die Regierung fordert die Bevölkerung auf, Schutz in Gebäuden oder im Untergrund zu suchen." Die Warnung wurde auf der Website veröffentlicht und ging an die Mobiltelefonnutzer, die sich beim Online-Auftritt des Senders registrieret haben. Es sei aber nicht klar, wie viele der 300.000 Nutzer den Warndienst aktiviert haben. Immerhin schickte der Sender bereits nach 5 Minuten eine Entwarnung aus. Es habe keine Warnung der Regierung gegeben.

Als Grund muss auch wieder ein Mitarbeiter herhalten, der irrtümlich einen falschen Knopf gedrückt und damit die Meldung ausgesendet hatte, entschuldigte sich der Sender. Er habe eigentlich eine andere Meldung aussenden wollen. Wenn ausgerechnet bei Meldungen mit angeblichen Raketenstarts Mitarbeiter so nervös werden und schnell mal eine Meldung "irrtümlich" aussenden, was sonst kaum oder nicht vorkommt, wäre das schon zu hinterfragen - ebenso wie Sicherheitsmaßnahmen, dass dies nicht versehentlich geschehen kann. Im Hawaii soll nun solch eine Warnung kein einzelner Angestellter mehr auslösen können, sondern es müssen mindestens zwei gegenwärtig sein. Panik wie in Hawaii soll es aber in Japan deswegen nicht gegeben haben.

Die Meldung sei für den Notfall vorbereitet gewesen, so der Sender. Es handle sich um keine technische Panne, man überprüfe die Sicherheitsvorkehrungen. Normalerweise sei die Aussendung einer Warnmeldung Aufgabe von mehreren Angestellten.

In Japan forderte die Regierung den Sender auf, dafür Sorge zu tragen, dass ein solcher Falschalarm vor einem nordkoreanischen Raketenabschuss nicht mehr vorkommt. Das Warnsystem der Regierung sei von "extremer Wichtigkeit, um die Sicherheit und den Schutz der Menschen zu gewährleisten", sagte Chefkabinettssekretär Yoshihide Suga. (Florian Rötzer)

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