Nordkoreas Atomtestgelände im Stand-by-Modus

Derweilen verbreitet Nordkorea ein Video, auf dem unter den Tönen einer Militärkapelle eine Atomrakete die USA trifft.

Auf den letzten Satellitenbildern sind nur noch ungewöhnliche Aktivitäten zu sehen: Nordkoreaner, die Volleyball spielen

Nach Berichten, dass verdächtige Aktivitäten auf dem Gelände stattfinden würden, auf dem Nordkorea seine Atomtests durchführte, wurde vermutet, dass ein nächster Atomwaffentest geplant werde. Es wurde auch behauptet, es könne demnächst stattfinden. Jetzt melden Beobachter, dass nichts mehr zu sehen sei, stattdessen sei auf dem Gelände Volleyball gespielt worden.

Die Berichte kamen von 38North.org, einem Forschungsinstitut der School of Advanced International Studies an der Johns Hopkins University, das Vorgänge in Nordkorea beobachtet und analysiert. Ausgewertet wurden Bilder von kommerziellen Satelliten. Ende März wurde berichtet, aus Satellitenbildern gehe hervor, dass an zwei Tunnels gearbeitet werde, es seien auf dem Atomwaffentestgebiet Punggye-ri auch Lastwagen zu sehen (Neuer Atomwaffentest?).

Jetzt heißt es, man habe nach acht Wochen emsiger Aktivität auf den letzten Satellitenbildern vom 16. April, also am Tag der Militärparade, an der reichliche Raketen vorgeführt wurden, eher ungewöhnliche Aktivitäten festgestellt. An drei Stellen hätten Soldaten am "Tag der Sonne" Volleyball gespielt. Die Spieler auf den Bildern seien so klein, dass man nichts Näheres über sie sagen könne. Volleyball ist in Nordkorea populär, es wurden auch bereits Spieler auf dem Testgelände beobachtet, aber nicht gleich drei zur gleichen Zeit. Auf einem Bild ist möglicherweise noch ein weiteres Volleyballnetz zu sehen. Ansonsten sei das Abpumpen eines Stollens eingestellt worden. Möglicherweise wurde der Stollen verschlossen oder man habe Abpumpschläuche verlegt. Die Anlage befinde sich augenscheinlich in einem Stand-by-Modus oder man habe eine "taktische Pause" eingelegt.

Die Analysten weisen darauf hin, dass die Nordkoreaner genau wissen, wann Satelliten über das Testgelände fliegen und Aufnahmen machen. Das Volleyball-Szenario dürfte daher eine Vorführung sein, um der Welt glauben zu machen, dass hier nichts geschieht oder keine Absicht besteht, einen Atomwaffentest demnächst durchzuführen. Was tatsächlich geplant wird oder dort stattfindet, ist allerdings unbekannt. Vielleicht macht sich Nordkorea auch nur über die Beobachter lustig. Genaueres dürften etwa aus den hochaufgelösten Bildern der amerikanischen oder russischen Spionagesatelliten hervorgehen, aber davon kriegt die Weltöffentlichkeit nichts mit. Damit sollen die Flugbahnen und die Technik der militärischen Satelliten geheim bleiben, aber die Regierungen behalten das Wissen wohl auch lieber für sich.

38North.org will jedenfalls keinen Anlass zur Beruhigung sehen. Unabhängig von dem, was gerade stattfindet, würden die Satellitenbilder zeigen, dass die Atomwaffentestanlage Punggye-ri nuclear so weit vorbereitet zu sein scheint, dass "auf Befehl aus Pjöngjang jederzeit ein sechster Test durchgeführt werden kann".

Nordkorea selbst verbreitet weitere Drohungen: "Wenn unser supermächtiger Präventivschlag ausgeführt werden sollte, wird er vollständig und sofort nicht nur die in Südkorea und in der Region befindlichen Invasionskräfte der US-Imperialisten auslöschen, sondern auch das Territorium der USA und alles zur Asche machen", heißt es in der Staatszeitung Rodong Sinmun von heute.

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