Nordost-Syrien: Ölkatastrophe unter US-Aufsicht

Pumpe auf einem syrischen Ölfeld im Nordosten. Bild von 2006: Aram33/gemeinfrei

Die maroden Ölanlagen und Pipelines werden nicht repariert; Lecks sorgen zusammen mit Überflutungen seit Jahren dafür, dass sich toxische Stoffe weit verteilen

Das Erdöl im Nordosten Syriens macht Probleme. Der Rauch, der bei den improvisierten groben Raffinerietechniken - nach dem Prinzip "hauptsächlich Feuer machen" (Mohammed Khalaf) - entsteht, schwärzt Kleider, das Wasser in Trinkwassertanks und geht an die Gesundheit der Menschen wie auch ihrer Nutztiere.

Tausende solcher improvisierten "Raffinerien" soll es auf dem Gebiet geben, das unter der Leitung der kurdischen Selbstverwaltung steht, die auf die Einkünfte der Ölförderung angewiesen ist. Solange es keine Abmachung mit der syrischen Regierung gibt und solange es mit Erdogan keine Friedensverhandlungen gibt, denen zu trauen wäre, liefert die Präsenz der US-Truppen überlebensnotwendige Garantien für die autonome Selbstverwaltung im Nordosten Syriens.

"We keep the oil" ("Wir behalten das Öl"), so begründete Trump den Rückzug von den Abzugsplänen, die er zuvor geäußert hatte. Es sollte trotz entgegen seiner ursprünglichen Äußerungen doch einige Hundert US-Soldaten bleiben, um "auf die Ölquellen aufzupassen", damit sie mehr nicht den IS-Milizen in die Hände fallen. Die Einnahmen sollten den Kurden zukommen.

Die Geschäfte sind allerdings genauso schwierig und verzwickt wie die politische Situation. Übereinkünfte mit arabischen Stämme würden zum Teil mit Erdöl bezahlt, so berichtet es al-Monitor. In früheren Meldungen wurde davon berichtet, dass das Öl auch an die syrische Regierung verkauft wird und über Umwege selbst an die Türkei, wo die Kurden der selbstverwaltung bekanntlich als Terroristen gelten.

Produktionsdruck

Es herrscht also ein beträchtlicher Produktionsdruck, dem das Fördersystem nicht gewachsen ist. Alles Professionelle an der Ölförderung und -verteilung im Nordosten Syriens ist mit dem Krieg so gut wie verschwunden, ein paar Techniker und Ingenieure aus Damaskus sollen zwar regelmäßig vor Ort sein, aber was sie genau machen, ist unklar. Feststeht nur, dass sie die großen Schäden nicht beheben können. Auch aus dem Ausland kommt dafür keine Hilfe. Soweit es sich aus dem aktuellen Hilfsprogramm der USAID entnehmen lässt, stehen die Ölanlagen im Nordosten Syrien nicht auf der Liste.

Dringend nötig wäre diese Hilfe, aber die von einer Militärstrategie gegen Iran geprägte Haltung der US-Regierung hat daran kein Interesse - trotz der beträchtlichen Umweltschäden, die das marode System anrichtet.

Die bestehenden Raffinerien sind reparaturbedürftig, die Art der improvisierten Raffinierung ist wegen der Explosionsgefahr riskant, die Tanks und die Leitungen sind verrostet und durchlässig, es gibt Lecks, die zu Zeiten von Überschwemmungen schwarze mäandernde Drecksschlieren weit über die Felder schicken und in die Flüsse. Das verdreckt das Trinkwasser und zieht alles, was auf dem Land wächst, die Ernten, die Bäume, das Korn in Mitleidenschaft.

Krankheiten nehmen zu, zum Beispiel Geburtsschäden, Hirnhautentzündungen, Hautentzündungen, schwere Atemwegserkrankungen, Krebserkrankungen, wie es der erwähnte Bericht von al-Monitor aufzählt.

Die "anderen Kriegsschäden", entstanden durch die Vernachlässigung der Ölanlagen und der Kriegswirtschaft, macht ein anderthalbminütiges Video der holländischen NGO Pax anschaulich. In einem längeren Bericht wird die Umweltkatastrophe detaillierter geschildert.

"Ein Todesfluss"

Dafür hat man den plakativen Titel "Ein Todesfluss" ("A River of Death") gewählt - ganz offensichtlich, um Aufmerksamkeit für eine Umweltkatastrophe in einem Gebiet zu bekommen, das lange Jahre von Kriegsnachrichten bestimmt war und seit der Niederschlagung des Kalifats von der Perspektive auf die Machtinteressen der USA, der Türkei und der Zwickmühle der kurdischen Verwaltung geprägt ist. Die Umwelt, in der europäischen und US-amerikanischen Öffentlichkeit ein großes Protest-Thema, ist, wenn es um Syrien geht, für die Öffentlichkeit nur Kulisse. Die toxischen Folgen der Ölverseuchung waren bisher kein Thema.

Der PAX-Bericht zeigt mit Satellitenaufnahmen aus unterschiedlichen Quellen (die nicht zufällig denjenigen von Bellingcat ähneln, da man sich dieser Organisation verbunden fühlt), den örtlichen Verlauf der Ölverseuchung, der bei lecken Ölreservoirs bei Rmelan in Nordostsyrien beginnt und über Flüsse ins Landesinnere bis Hasaka reicht. Und er zeichnet auch den historischen Verlauf nach, der Vorfälle wie etwa Explosionen möglich machte, die die Katastrophe noch verschlimmerten. Wie "nachhaltig" diese ausfällt, kann man am beigebrachten Bildmaterial studieren.

"Niemand wird das reparieren", kommentiert dies der US-Syrienexperte Joshua Landis. (Thomas Pany)