Nordsyrien: Al-Bab - türkische Mission gescheitert

Türkei: Hauptsache Gesicht wahren?

Die Niederlage um Aleppo will die Türkei natürlich nicht zugeben. So kam es Erdogan sehr entgegen, dass er das siebenjährige Mädchen Bana aus Aleppo, das über ihre - von ihrer Mutter (Englischlehrerin) abgesetzten tweets international bekannt wurde, mit ihrer Familie in die Türkei holen konnte.

In hiesigen Medien wurde allerdings nicht kommuniziert, dass der Vater des Mädchens Unterstützer der islamistischen Milizen war. In den sozialen Medien kursieren Fotos, auf denen sich der Vater des Mädchens mit den Islamisten fotografieren ließ, im Hintergrund das Symbol des IS. Die Echtheit dieser Bilder lässt sich für uns aber nicht verifizieren, zeigen aber, so sie echt sein sollten, dass Erdogan sich sehr genau seine Protagonisten für PR-Kampagnen aussucht.

Die aktuellen Entwicklungen deuten auf eine erneute Niederlage der Türkei in Al-Bab hin. Die Verluste im Straßenkampf gegen den IS sind immens. Die Türkei bat daher die USA um Luftunterstützung. Der strategische Nutzen einer Eroberung von Al-Bab durch die türkischen Truppen wird von vielen Beobachtern jedoch in Frage gestellt.

Denn es ist unklar, wie sich Russland als Verbündeter des Assad-Regimes weiter verhalten wird. Wird Russland die Pläne der Türkei unterstützen, einen islamistisch-arabischen Korridor zwischen Kobanê und Afrin einzurichten?

Viel wahrscheinlicher ist es, dass die türkischen Truppen mit ihren islamistischen Einheiten im Schlepptau, nach einer möglichen Eroberung die Stadt an die syrische Regierung übergeben müssen, sollten nicht doch noch die SDF das Zepter im Kampf um Al-Bab übernehmen, weil die Türken dort aufgerieben werden.

Die SDF konzentrieren sich jedoch im Moment auf den Showdown in Rakka. Sie stehen 25 km vor Rakkha und immer mehr Milizen der befreiten Dörfer im Umland schließen sich der SDF an.

Wacklige Waffenruhe

Nach der russisch-türkischen Vereinbarung vom 29. Dezember zur Waffenruhe fällt der Türkei die Rolle zu, dafür zu sorgen, dass sich die dschihadistisch-islamistischen Gruppen an die Vereinbarung halten. Wer damit aber konkret gemeint ist, wird nicht dezidiert genannt, wohl auch, weil jede Konfliktpartei unter "Opposition" verschiedene Milizen versteht, je nach aktueller Bündnislage.

Kleine islamistische Milizen schlüpfen nämlich schnell mal unter den Mantel der größeren wie die FSA, um dann, ausgerüstet mit neuen Waffen, wieder gegen andere Milizen vorzugehen. Oder um sich mit dem IS gegen die Türkei zu verbünden. Das Oppositionsbündnis Syrische Nationale Koalition (SNC) bekundete über seinen Sprecher Ahmed Ramadan seine Unterstützung. Die Syrische Nationale Koalition (SNC) versteht sich als Exilregierung und wird von Katar finanziert.

Von der Türkei aus operieren sogenannte Rebellengruppen der FSA, dem bewaffneten Flügel des SNC. Nach der Vereinbarung ist der Kampf gegen den IS, mit ihm verbündete Milizen und Milizen der früheren Al-Nusra-Front von der Waffenruhe ausgenommen.

Auch hier bleibt im Unklaren, wer genau gemeint ist. Die Türkei formuliert es noch offener: terroristische Gruppen seien ausgenommen. Nach Erdogans Logik würde dies bedeuten, dass die SDF und ihr assoziierte Gruppen weiter angegriffen werden dürfen. (Elke Dangeleit)

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