Nordsyrien: Türkische Regierung bereitet Annexion der Sheba-Region vor

Erdogan: Was kümmern uns die Amerikaner?

Diese Verhaltenheit der europäischen Regierungen und der USA beflügeln die Türkei in ihren Expansionsplänen. Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu machte eine klare Ansage an die USA: "Sie müssen sich unverzüglich aus Manbidsch zurückziehen", sagte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu laut der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu.

Da auch die US-Armee in Manbidsch (auch: Manbic oder Manbij) mit Spezialkräften präsent ist, könnte es zu Zusammenstößen zwischen den NATO-Partnern USA und Türkei kommen. Es sei denn, die USA kneifen wie die Russen und ziehen ihre Truppen ab. Laut türkischen Medien soll der Nationale Sicherheitsberater von Trump, H.R. Mc Master, dem türkischen Präsidentensprecher Ibrahim Kalin zugesagt haben, die Waffenlieferungen an die YPG einzustellen.

Angesichts der Verpflichtung der türkischen Medien, Kriegspropaganda zu betreiben, ist diese Meldung mit Vorsicht zu genießen, denn schließlich haben die USA in Syrien ihre eigenen geopolitischen Interessen.

Aber auch die USA sind erpressbar. Schließlich haben sie Atomwaffen in Incirlik gelagert. Angeblich sollen diese mit Codes gegen feindliche Übernahme gesichert sein. Aber dieses Sicherungssystem ist total veraltet, deshalb will ja die USA ihre Atomwaffen in Deutschland aufwändig modernisieren.

Was kümmern uns vorislamische, historische Stätten von Christen und Êzîden?

Die Zerstörung von historischen Kulturgütern, die nicht der islamischen Kultur entstammen, hat in der Türkei eine lange Tradition. Die systematische Zerstörung, Enteignung oder dem Verfall überlassener christlicher oder êzîdischer (jesidischer) Kulturgüter soll die Spuren dieser Kulturen auf türkischem Territorium auslöschen.

Dies setzt sich gerade in diesen Tagen in Nordsyrien fort. Bilder der Zerstörung von Palmyra durch den IS drängen sich unwillkürlich auf. Die archäologische Stätte Ayn Dara, in der sich Monumentalarchitektur aus verschiedenen Jahrtausenden, unter anderem Schätze aramäischer Baukunst befinden, wurde von der türkischen Armee bombardiert. Auch der Hetiter-Tempel Ain Dara im Süden Afrins wurde zerstört - eine jahrtausendealte archäologische Ausgrabungsstätte.

Fotos von Turkey Untold zeigen das Ausmaß der Zerstörung. Die jahrtausendealte seleukidische Ausgrabungsstätte Nebi Huri (Cyrrhus) im Süden Afrins wurde ebenfalls zerstört. Christen und Êzîden fürchten nicht nur um ihre Heiligtümer und historischen Stätten, sondern um ihr Leben.

Telepolis berichtete bereits vor Tagen von Bombardierungen der Dörfer dieser Minderheiten durch türkische Kampfjets. Nun berichtet auch Die Welt:

"Im Moment werden wir von den Türken aus der Luft bombardiert und mit Artillerie beschossen", klagt der jesidische Scheich Sileman Cafer aus Afrin. "Aber die dschihadistischen Gruppen machen uns am meisten Sorge." Der jesidische Politiker fordert deshalb ein Eingreifen der internationalen Gemeinschaft - bevor es zu spät sei. "Wir kennen diese Islamisten, sie haben uns im Laufe des Bürgerkriegs schon oft angegriffen und immer dort, wo es am meisten Jesiden gab….Vor den Bomben der türkischen Flugzeuge gibt es kein Versteck", klagt der Scheich. "Wir haben keine Bunker." Über hundert Tote habe es durch die Angriffe bisher gegeben, darunter viele Kinder, berichtet Cafer. Mitglieder der êzîdischen Gemeinde hätten ihr Leben verloren. "Einige unserer Dörfer im Grenzgebiet sind von der Freien Syrischen Armee und den Türken besetzt", erzählt Cafer.

Alfred Hackensberger, Die Welt

Êzîdische Dörfer in Afrin haben insgesamt ca. 20.000 Einwohner. Auch der christliche Pastor Ali Hakim aus Afrin-Stadt appelliert an die internationale Gemeinschaft. 250 christliche Familien seien in der Stadt in akuter Gefahr, wenn die Türkei mit ihrer dschihadistischen Allianz einfalle.

Mittlerweile meldet sich auch der Papst zu Wort und warnt vor neuen Massakern an den Êzîden. Ob er wohl Gehör findet bei unserer Bundeskanzlerin Angela Merkel, die bekanntlich der Partei mit dem "C" für christlich angehört?

Was kümmern weltweite Proteste?

Die weltweiten Proteste und Sympathiekundgebungen für die Kurden in Nordsyrien sind enorm und müssten eigentlich unsere Regierungen nachdenklich stimmen. Tun sie auch. Aber wahrscheinlich in eine ganz andere Richtung. Was wäre, wenn dieses Modell hier Schule machen würde? Das würde doch auch unseren Turbokapitalismus gefährden. Also muss die Gefahr an der Wurzel bekämpft werden. Sultan Erdogan wird’s richten. (Elke Dangeleit)