Normale Gläubige unterstützen religiösen Fundamentalismus

Der Evolutionstheoretiker und Atheist Richard Dawkins warnt davor, dass "nette" Gläubige die Religion als harmlos erscheinen lassen

Der bekannte Evolutionstheoretiker und streitbare Atheist Richard Dawkins hat einmal wieder Religionskritik geübt. Auf dem Edinburgh International Book Festival plauderte er darüber, dass er als 13-Jähriger auch einmal von der Religion verführt worden sei. Er habe jeden Abend gebetet und die Vorstellung gehabt, dass beim Beten vor einem Altar ihm Engel erscheinen würden. Das ist natürlich nicht passiert, er habe auch das Experiment nicht durchgeführt, sonst wäre Dawkins vielleicht auch eher Prediger als Atheist geworden. Gott sei jedenfalls niemals zu ihm durchgekommen.

Dawkins erklärt, es gefalle ihm nicht, Hassmails zu bekommen, kann es sich aber nicht verkneifen, in einem Video auf einem Sessel vor einem Kaminfeuer genüsslich eben solche vorzulesen. Er bekennt auf jeden Fall, dass es ihm nichts ausmache, von "kompletten Idioten" abgelehnt zu werden. Dazu rechnet er vor allem die Anhänger des Kreationismus.

Dawkins hatte vor ein paar Jahren gesagt, dass er die islamische Welt mit Pessimismus sieht: "Ich betrachte den Islam als eines der größten Übel in der Welt, und ich fürchte, wir haben hier einen sehr schwierigen Kampf vor uns." Das Christentum sei weniger schlimm, weil die Religion wahrscheinlich offener sei.

Auf dem Festival wurde er gefragt, ob er mit solchen Äußerungen zum fundamentalistischen Islam nicht die gemäßigten Muslime dämonisiere. Es sei sehr wichtig, antwortete er, die "normalen, gesetzestreuen, sehr anständigen Muslime, die natürlich die überwiegende Mehrheit in diesem Land sind", nicht zu dämonisieren. Aber gemäßigte Anhänger nicht nur des Islam, sondern jeder Religion würden "die Welt für die Extremisten sicherer" machen, fügte er hinzu. Gläubige würden nämlich die Legitimation schafen, "etwas ohne Beweis, ohne Notwendigkeit der Rechtfertigung", zu glauben. Das sei eine Lizenz für Extremisten zu sagen, dass sie nach ihrem Glauben ein Selbstmordattentäter werden oder Gebäude in die Luft sprengen müssen: "Das ist mein Glaube und du kannst das nicht in Frage stellen." Er räumte ein, die meisten Gemäßigten würden "entsetzt" sein, wenn ihnen unterstellt werde, sie würden den Extremismus stärken, aber das könne trotzdem der Fall sein.

Normale Gläubige würden aber auch auf andere Weise den Extremismus schützen, erklärte Dawkins. Sie seien nämlich so nett, dass man gemeinhin davon ausgeht, Religion sei etwas Gutes:

Obgleich nur eine winzige Minderheit jeder Sekte jeweils gewalttätig oder schrecklich wird, kann man annehmen, dass gemäßigte, nette religiöse Menschen - nette Christen, nette Muslime - die Welt sicherer für Extremisten machen. Weil die Gemäßigten so nett sind, werden wir alle mit der Vorstellung erzogen, dass es etwas Gutes am religiösen Glauben gibt, dass es etwas Gutes ist, Kindern einen Glauben beizubringen, was bedeutet, etwas ohne Beweis und ohne Notwendigkeit der Begründung zu glauben.

Richard Dawkins

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