Nur Spekulation und Gier erklären die hohen Spritpreise

Zeitweise ist der Ölpreis sogar wieder unter die Marke von 100 US-Dollar gefallen und trotzdem werden an den Tankstellen exorbitante Preise verlangt

Es gibt keine rationale Erklärung, mit denen sich die extremen Spritpreise derzeit an den Tankstellen rechtfertigen ließen. Erklären lassen die sich nur noch über eine massive Spekulation und Abzocke. Die Mineralölkonzerne nutzen den Ukraine-Krieg und das Raffineriegeschäft derzeit, um ungeahnte Gewinnspannen durchzusetzen.

Benzinpreis.de hat die durchschnittlichen Werte bestimmt. Es zeigt sich dabei, dass Anfang März die Gewinnspannen stark ansteigen. Hatten die Mineralölkonzerne in Deutschland im Januar und Februar noch eine Marge zum Beispiel bei Diesel von 36 bis gut 38 Cent, stieg sie am 6. März auf knapp 43 Cent. Sie hat sich seither sogar bis zum Dienstag auf gut 84 Cent fast verdoppelt.

Damit ist klar, wer hier das Geld der Verbraucher einsteckt. Man kann schlicht und ergreifend von Abzocke sprechen. Bei der verdient natürlich auch der Staat kräftig mit. Zwar wird, im Gegensatz zu anderen Steuerarten, die Energiesteuer mit einem festen Anteil und nicht prozentual erhoben, aber der Staat greift über die Mehrwertsteuer bei steigenden Preisen zusätzlich auch viel Geld der Verbraucher ab. Da die Energiesteuer auf Benzin 65,45 Cent pro Liter beträgt und auf Diesel aber nur 47,04 Cent, ist klar, dass die Mineralölkonzerne bei Diesel einen besonderen Reibach machen.

Der Ölpreis kann wahrlich nicht für diese Preisentwicklung verantwortlich gemacht werden. Er war nur sehr kurz auf einen Höchstwert von 139 US-Dollar nach dem russischen Angriff auf die Ukraine gesprungen. Er ist seitdem aber schnell wieder gefallen, da zunächst Hoffnungen auf einen schnellen russischen Sieg und zur schnellen Beendigung des Kriegs aufgekeimt waren.

Am Dienstag fiel der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent sogar wieder unter der Marke von 100 Dollar gehandelt, die er mit dem Beginn des Kriegs durchbrochen hatte. Am Mittwoch wurde auch das Barrel Brent nach leichten Verlusten erneut unter der Marke von 100 Dollar gehandelt, das US-Leichtöl WTI sogar mit weniger als 96 Dollar. Er könnte, da auf eine Einigung am Verhandlungstisch spekuliert wird, sogar sehr bald noch deutlicher fallen.

Schauen wir etwas zurück, dann sehen wir, dass sich der Ölpreis im Jahr 2008 sogar an die Marke von 150 Dollar herangeschoben hatte. Am 2. Januar 2008 überstieg der Preis für ein Barrel die von 100 Dollar und der Preis für ein Barrel Brent stieg sogar am 3. Juli auf fast 144 Dollar. Er hielt sich lange Monate deutlich über der Marke von 100 Dollar, ohne dass die Spritpreise diese Höchstwerte erreicht hätten. Im Juli 2008 stieg der Dieselpreis im Durchschnitt auf den Höchstpreis von knapp 1,54 Euro, war also etwa ein Drittel niedriger als derzeit, obwohl das Öl deutlich teurer war.

"Hier sind Spekulationen am Benzinpreis erfolgt, die einen massiven Aufwuchs an den Zapfsäulen vergegenwärtigen", sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Rolf Mützenich.

Es ist allerdings die Frage, warum die Regierung nichts dagegen unternimmt, dass einige große Firmen den Reibach machen und mit ihrem Verhalten die Inflation massiv antreiben und den Menschen das Geld aus der Tasche ziehen, was starke Rückwirkungen auf die Wirtschaft hat und in eine gefährliche Stagflation münden kann.

Statt wie Bundesfinanzminister Christian Lindner einen "Preisrabatt" ins Gespräch zu bringen, sollte die Regierung dafür sorgen, die Milliardengewinne zu verhindern, die sich die Mineralölkonzerne mit der Ausrede des Krieges gerade einsacken.

Wenn Lindner tatsächlich Familien, Pendler und Gewerbetreibenden angesichts der stark steigenden Preisen nicht allein lassen will, sollte er gegen das Oligopol vorgehen. Sogar Lindner gibt zu, dass nicht einmal hinter dem hohen Weltmarktpreis für Sprit ein Mangel an Öl stehe. Er macht die Reaktion der Märkte auf die russische Invasion in der Ukraine verantwortlich, was auch falsch ist.

Schließlich hat sich der Ölpreis auch ohne den Krieg schon an die Marke von 100 Dollar herangeschoben. Über die Abzocke der Mineralölkonzerne will er gleich gar nicht sprechen. Denn Rohöl kostet inzwischen wieder in etwa das, was es vor dem Beginn des Ukraine-Kriegs gekostet hat. Superbenzin ist aber etwa 45 Cent pro Liter teurer und Diesel sogar rund 64 Cent.

Da das zudem bei allen Anbietern ähnlich ist, darf man getrost auch von einem Kartell sprechen, weshalb dringend die Kartellbehörde tätig werden müsste. (Ralf Streck)