Nur in Deutschland hat eine Mehrheit Vertrauen in die EU

36,8 Prozent für Rückkehr zur D-Mark

Die italienische Zeitung Repubblica hat die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage veröffentlicht, die das Meinungsforschungsinstitut Demos im letzten Monat in den sechs wichtigsten EU-Mitgliedsländern durchgeführt hat. Danach ist Deutschland das einzige dieser Länder, in denen eine Mehrheit (53,4 Prozent) Vertrauen in die Europäische Union hat.

In Frankreich (43 Prozent), Polen (42,1 Prozent), Spanien (40,5 Prozent), Großbritannien (28 Prozent) und Italien (27,4 Prozent) vertraut dem Gebilde dagegen nur eine Minderheit. Über einen EU-Austritt abstimmen dürfen aber wahrscheinlich nur die Briten, denen Premierminister Cameron ein Referendum bis 2017 versprochen hat. Muss er nach der Parlamentswahl am 7. Mai die EU-kritische UKIP an der Macht beteiligen, dann könnte dieses Referendum schon früher kommen. Bekommt dagegen die Labour Party eine Mehrheit, dann gibt es voraussichtlich keine Volksabstimmung.

Bemerkenswerter als das Ergebnis aus Großbritannien ist aber das aus Italien: nicht nur deshalb, weil die Italiener mittlerweile EU-skeptischer sind als die Briten, sondern auch, weil es dort früher einmal Zustimmungsraten von bis zu 70 Prozent gab.

Umfrageergebnisse zum Euro

Noch deutlich unzufriedener als mit der EU sind die Bürger mit der Einheitswährung: "Nur Vorteile" des Euro sehen in Frankreich 23,1, in Spanien 21,2, in Deutschland 13 und im ehemaligen Lire-Land gerade einmal 11 Prozent der Befragten. Dass der Euro umgehend abgeschafft werden sollte, finden in Deutschland 36,8 Prozent, in Italien 30,5 Prozent, in Spanien 24 Prozent und in Frankreich 22,7 Prozent. Die Mehrheit ist zwar persönlich unzufrieden, hält die Währung aufgrund der Beteuerungen von Politikern und Medien aber für "notwendig": In Italien sind das 53,8 Prozent, in Frankreich 51,8 Prozent, in Spanien 51,4 Prozent und in Deutschland 46 Prozent.

In den beiden Ländern, die den Euro nicht eingeführt haben, sind überwältigende Mehrheiten gegen den Abschied von der eigenen Währung: In Großbritannien befürworten lediglich 13,1 Prozent eine Euro-Einführung, während 83,6 Prozent explizit beim Pfund bleiben wollen. Und in Polen bevorzugen 70,9 Prozent den Złoty gegenüber dem Euro, von dem sich nur 14,6 Prozent Vorteile erwarten. 14,5 Prozent sind hier unentschieden.

Die Meinungsforscher haben die Ergebnisse auch nach den Anhängern von Parteien gegliedert: Dabei fanden sie heraus, dass der Anteil der expliziten Eurogegner in Italien bei der Lega Nord (43,4 Prozent), Beppe Grillos M5S (42,6 Prozent) und Silvio Berlusconis Forza Italia (42,1 Prozent) weitaus größer ist als unter denen der aktuell regierenden Sozialdemokraten von Ministerpräsident Matteo Renzi, die die Gemeinschaftswährung nur zu 18,3 Prozent ablehnen.

In Frankreich zeigt sich ein noch größerer Spalt zwischen Anhängern des Front National, von denen sich 47,5 Prozent vom Euro verabschieden wollen, und denen der regierenden Sozialdemokraten von Ministerpräsident François Hollande, die das nur zu 12,3 Prozent möchten. Dazwischen liegen mit 32,5 Prozent die Wähler von Nicolas Sarkozys UMP. In Großbritannien finden sich die meisten entschiedenen Eurowährungsgegner erwartungsgemäß bei der UKIP (91,7 Prozent) und den Tories (85,4 Prozent). Aber auch von den Labour-Wählern sind deutlich mehr als drei Viertel (77,2 Prozent) gegen die Aufgabe der Pfund-Währung.

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