Obama zweifelt nicht an Wahlausgang

Von der aktuellen Nachzählung in Wisconsin gibt es noch keine Fotos – hier eines von der von 2010 in Olmsted County, Minnesota. Foto: Jonathunder. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Statistiker erklären Unterschiede in den Ergebnissen von Wahlkreisen mit und ohne Wahlmaschinen mit demographischen Faktoren

Michael Haas, der Leiter der Wahlkommission von Wisconsin, hat bestätigt, dass in diesem Bundesstaat die zur US-Präsidentschaftswahl abgegebenen Stimmen bis zum 13. Dezember neu ausgezählt werden (vgl. Kampagne der Grünen zur Nachzählung der Stimmen erfolgreich).

Beantragt hatten diese Neuauszählung nicht die Demokraten, sondern die Grünen, deren Kandidatin auf weniger als ein Prozent Stimmenanteil kam. Die bis zur Amtsübergabe am 21. Januar amtierende Administration des demokratische Präsident Barack Obama glaubt einer in der New York Times zitierten Mitteilung zufolge, dass das Wahlergebnis “den Willen des amerikanischen Volkes wiedergibt“ und dass die Wahl auch “bezüglich der Cybersicherheit” “frei”, “fair” und “nicht manipuliert” war, obwohl Russland versucht habe, durch Hacker-Angriffe auf andere Institutionen deren Glaubwürdigkeit zu untergraben.

Dass sich nicht nur der noch amtierende Präsident, sondern auch die demokratische Kandidatin Hillary Clinton bislang mit öffentlichen Zweifeln am Wahlergebnis zurückhält, dürfte auch darin begründet sein, dass die ehemalige Außenministerin am 24. Oktober (nachdem Trump sich in einer Fernsehdebatte geweigert hatte, das Wahlergebnis vorab anzuerkennen), getwittert hatte, so eine Weigerung sei “eine direkte Bedrohung für unsere Demokratie”.

Anlass für die Neuauszählungskampagne war ein Bericht des New York Magazine, in dem sich der Informatikprofessor Alexander Halderman darüber wunderte, dass Clinton in Wisconsin in Wahlbezirken mit papierlosen Wahlcomputern auf signifikant weniger Stimmen kam als in solchen, die Papier einsetzen. Das auf Wahlen spezialisierte Portal FiveThirtyEight sah sich diese Auffälligkeit genauer an und kam zum Ergebnis, dass sie sich erklären lässt, wenn man das Bildungsniveau der Stimmberechtigten in den einzelnen Wahlkreisen mit einbezieht und berücksichtigt, dass in den denen mit Wahlmaschinen mehr Menschen ohne College-Abschluss leben, die auch anderswo eher für Donald Trump stimmten.

Der ORF beauftragte darauf hin ein Team von Komplexitätsforschern der Medizinischen Universität Wien, das in der Vergangenheit unter anderem Wahlunregelmäßigkeiten in Russland aufdeckte. Auch diese Experten kamen ihrem Sprecher Peter Klimek zufolge zum Ergebnis, dass Halderman nur ein “Phantomeffekt“ auffiel und dass “aus statistischer Sicht keine Unregelmäßigkeiten aufgetreten sind, die darauf schließen lassen, dass es eine Manipulation gegeben hat“. Klimek hält es deshalb zwar für “sehr unwahrscheinlich”, dass “einem Kandidaten systematisch Stimmen zugeschoben wurden”, will aufgrund des “weiten Spektrum von Arten der Wahlmanipulation” aber auch nicht hundertprozentig ausschließen, dass es dazu kam.

Trotzdem wollen die US-Grünen nicht nur in Wisconsin, sondern auch in Pennsylvania und Michigan nachzählen lassen, wo gar keine elektronischen Wahlmaschinen eingesetzt wurden (aber optische Scanner). In allen drei Bundesstaaten hatte Trump verhältnismäßig knapp gewonnen. Für New Hampshire, Minnesota und Nevada, wo Clinton mit weniger Vorsprung gewann als Trump Pennsylvania, sind keine Anfechtungen vorgesehen.

Die Millionenbeträge, die für die Neuauszählungen nötig sind, sammelten sich auf dem Spendenkonto der grünen Kandidatin Jill Stein zuletzt mit bemerkenswerter Regelmäßigkeit an – 160.000 Dollar pro Stunde. Diese Regelmäßigkeit nährte in Sozialen Medien Spekulationen, dass der Milliardär George Soros heimlich (aber maßgeblich) dazu beigetragen haben könnte. Die statistische Auffälligkeit könnte allerdings ebenso gut mit möglichen anderen Effekten erklärbar sein wie die von Halderman bemängelten Auffälligkeiten. Soros war für eine Stellungnahme dazu am Samstag nicht erreichbar. (Peter Mühlbauer)

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