Öko-Institut zweifelt an Wirtschaftlichkeit von Methangas als Stromspeicher

Energieerzeuger fordern bessere Rahmenbedingungen für Pumpspeicherkraftwerke

Das Freiburger Öko-Institut ist eine private Forschungseinrichtung, die aus der Anti-Atomkraft-Bewegung hervorging. In einer letzte Woche veröffentlichten Prüfung der klimapolitischen Konsistenz und der Kosten von Methanisierungsstrategien zweifelt es daran, dass sich die sogenannte Power-to-Gas-Technologie (P2G), die "in aktuellen Studien […] eine wichtige, oft stark dominierende Rolle als Speichertechnologie" spielt, kurz- und mittelfristig rechnen wird. Ihrer Analyse zufolge waren Wirtschaftlichkeitsberechnungen von Methanisierungsanlagen in der jüngeren Vergangenheit "oft sehr optimistisch" und ließen häufig "wichtige Kostenfaktoren" außer Acht.

Dass sich die Erzeugung von Methangas aus überschüssigem Wind- und Sonnenstrom nicht lohnt, liegt den Forschern zufolge nicht nur am relativ großen Energieverlust, der bei dieser Um- und Zurückverwandlung in Strom auftritt, sondern auch an den Kosten, die anfallen, wenn das für die Erzeugung von Methan nötige Kohlendioxid nicht aus Abscheidungsanlagen von zukünftig selteneren Kohlekraftwerken, sondern aus der Luft gewonnen werden muss.

Die drei Studienverfasser Hauke Hermann, Lukas Emele und Charlotte Loreck empfehlen der Politik deshalb, Power-to-Gas-Anlagen nur als Forschungsobjekte finanziell zu fördern und stattdessen lieber auf andere Speichertechnologien wie Elektrolysewasserstoff zu setzen. Die ausgereifteste Stromspeichermethode sind derzeit Pumpspeicherwerke, in denen man Wasser zu Zeiten, in denen mehr Strom zur Verfügung steht, als gerade nachgefragt wird, in künstlich errichtete Bergseen pumpt. Sinkt das Angebot und steigt die Nachfrage, dann lässt man dieses Wasser über ober- oder unterirdische Rohre und durch Turbinen wieder nach unten laufen, wobei Strom erzeugt wird.

Kommt zukünftig so viel Strom von Windrädern und Photovoltaikanlagen wie in den Energiewendeplänen vorgesehen, dann reichen die bislang vorhandenen Pumpspeicherkraftwerke bei Weitem nicht aus, um die Stromversorgung auch dann zu sichern, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht. Trotzdem geht es bei der Planung und Errichtung neuer Anlagen derzeit kaum voran. Das liegt nicht nur an Natur- und Tourismusschützern, die den bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer an ihrer Seite wissen, sondern auch an Energieversorgern, die von der Politik eine sicherere Rendite für Investitionen fordern.

Die Plattform Pumpspeicherwerke der Deutschen Energie-Agentur (Dena), der unter anderem mehrere Stadtwerke, Eon und Vattenfall angehören, warnt in einem ebenfalls letzte Woche veröffentlichten Positionspapier, dass die "aktuellen energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen" einem wirtschaftlichen Betrieb von Pumpspeicherkraftwerken entgegenstünden und "wichtige Investitionen" ausbleiben könnten. Deshalb fordert die Plattform eine Ergänzung des Energiewirtschaftsgesetzes, die "klarstellt", dass Pumpspeicher "nicht als […] Letztverbraucher eingestuft werden, [weil] sie den Strom nur temporär entnehmen und ihn später wieder in das Netz zurückspeisen".

Außerdem sollte die Bundesregierung dem Dena-Geschäftsführungsvorsitzenden Stephan Kohler zufolge "das Strommarktdesign weiterentwickeln und wirtschaftliche Anreize für die Speicherung von Strom setzen", weil am Großhandelsstrommarkt die Preisdifferenz zwischen Hochlast- und Schwachlastzeiten nicht mehr so groß ist wie in der Vergangenheit. Eine Möglichkeit dazu sieht der Zusammenschluss in der "Einführung eines Kapazitätsmechanismus", mit dem Versorger nicht mehr nur für die Lieferung, sondern auch für die Bereitstellung von Strom bezahlt werden. Damit könne sichergestellt werden, "dass immer ausreichend Kraftwerke mit gesicherter Leistung zur Verfügung stehen". Pumpspeicherwerke seien dafür besonders gut geeignet, weil sie "besonders flexibel und schnell Strom zur Verfügung stellen" und "nach einer Störung […] auch ohne externe Stromversorgung anfahren können". (Peter Mühlbauer)