Ökosexuelle

In der ägyptischen Schöpfungsmythologie entstanden Tefnut, die Feuchtigkeit, und Schu, die Trockenheit, aus einem Ur-Masturbationsakt Atums

Aus LGBTQI soll LGBTQIE werden

In vorindustriellen Gesellschaften war die Symbolik von menschlicher Sexualität und Landwirtschaft teilweise eng verbunden. Inwieweit das auch in Fruchtbarkeitsriten seinen Niederschlag fand, ist Gegenstand der Forschungen von Historikern und Ethnologen. Mehr Quellen stehen für das Verhalten einer neoprimitiven Bewegung zur Verfügung, die Vice zufolge "2016 den Mainstream erreichte": die "Ökosexuellen".

Als Beleg dafür führt das Magazin unter anderem die "dramatisch" gestiegenen Google-Suchanfragen an - und die erste Dissertation dazu, an der Jennifer Reed an der University of Nevada in Las Vegas arbeitet. Ihr zufolge tauchte der Begriff erstmals Anfang der Nuller Jahre in Online-Dating-Profilen auf und wurde zur Bewegung, nachdem die Aktionskünstlerin Annie Sprinkle und Elizabeth Stephens ein Ökosex-Manifest veröffentlichten, in dem sie die Erde nicht als "Mutter", sondern als "Geliebte" bezeichnen.

Trauungen mit Erde oder Mond

Sprinkle und Stephens veranstalteten auch ökosexuelle Trauungen, bei denen man die Erde, den Mond, oder Elemente der Natur heiratet, und drehten ökosexuelle "Liebesfilme", die unter anderem ihre Beziehungen zu Bergen in den Appalachen zum Inhalt haben. Sie sehen Ökosexualität als Form "sexueller Identität" und ließen deshalb bei der San Francisco Pride Parade mehrere Hundert mitmarschierende Anhänger fordern, dass dem anscheinen strukturell zur Verlängerung tendierenden Sexualminderheitenakronym LGBTQI ("Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Queer, Intersex") ein "E" für "Ecosexual" hinzugefügt wird.

Solche Ökosexuellen, die an Bäumen oder unter Wasserfällen masturbieren, sind nicht identisch mit jenen manchmal identisch benannten Personen, die sich an Stefanie Weiss' Buch Eco-Sex - Go Green Between the Sheets and Make Your Love Life Sustainable orientieren, in dem die Autorin unter anderem den Verzicht auf Blumen als Geschenk, ökologische Bett- und Unterwäsche, solarbetriebene Vibratoren oder Fair-Trade-Sexspielzeug fordert (vgl. Ökosex). Sie wollen der von Vice befragten Ökosexuellen Amanda Morgan zufolge das "deprimierende Al-Gore-Zeug" hinter sich lassen und Umweltfragen mit Vergnügen verbinden. Außerdem glaubt sie, dass sich Leute mit Sex für die Umwelt interessieren lassen.

Wird die Erde von Ökosexuellen "vergewaltigt"?

Bislang brachten die Ökosexuellen noch keine SJWs gegen sich auf die Barrikaden, obwohl die Erde einem Geschlechtsverkehr mit ihr nicht zugestimmt hat, weil sie mangels Bewusstsein gar nicht zustimmungsfähig ist - und es sich deshalb streng genommen um "rape culture" handelt, wie unter anderen dem SJW-Kritiker Paul Joseph Watson auffiel.

Dass SJWs diese "rape culture" immer großzügiger (und damit untauglicher) definieren, zeigt eine offizielle Definition des Studentendekans der Clark-Universität, die inzwischen von der Website genommen wurde, nachdem unter anderem die Washington Post darüber berichtet hatte. In ihr wurde "Vergewaltigung" als "erzwungener" oder "nicht einvernehmlicher" sexueller Verkehr definiert. Die dem anschließenden Definition von "Zwang" umfasste unter anderem "emotionale Manipulation um jemanden zu etwas zu überreden" und nannte als Beispiele dafür die Sätze: "Wenn Du mich lieben würdest, dann würdest Du Sex mit mir haben", "Wenn Du keinen Sex mit mir hast, dann werde ich jemanden finden, der Sex mit mir hat" und "ich bin mir nicht sicher, ob ich mit jemanden zusammen sein kann, der keinen Sex mit mir haben will".

Weiter hieß es, solche "erzwingenden Aussagen" seien "häufig Teil vieler Campusbekanntschafts-Vergewaltigungen" und einem Geschlechtsverkehr zustimmen könne man nur "ohne Einfluss oder Druck". (Peter Mühlbauer)