Ölschmuggel kontert US-Sanktionen

Das angeblich irakische "Schmuggel"-Schiff, das von Iran festgesetzt wurde. Screenshot des Videos der iranischen Revolutionsgarden (IRGC)

Die amerikanische Strategie des maximalen Drucks gegen Iran wird laut Beobachtern von China mit einer eigenen "Tankerflotte" im persischen Golf unterlaufen

Auch wenn Schlagzeilen wie "Iran beschlagnahmt weiteren Tanker" anderes andeuteten, so stellte sich schnell heraus, dass es sich hier nicht um den nächsten eskalierenden Akt der Tanker-Krise (manche sprechen gar von "Tanker-Krieg") zwischen Iran, Großbritannien und den USA handelt.

Das von den iranischen Revolutionsgarden festgesetzte Schiff soll 700.000 Liter "Fuel" als Schmuggelware geladen haben, so die offizielle Mitteilung der Revolutionsgarden (IRGC). Es sei vor der Farsi Insel in einer "überraschenden Angriffsaktion" beschlagnahmt worden und zum Hafen von Buschehr gebracht worden.

Die IRGC-Meldung gibt keine Auskunft über das Datum, den Namen und den Eigner des Schiffes. In Berichten, die sich auf die Nachrichtenagentur Iran beziehen, wird der 31. Juli als Datum der Beschlagnahme genannt und ein irakisches Schiff.

Angeblich heißt das Schiff laut des österreichischen Mediums Standard "Hita" und soll "700.000 Liter Dieselöl in arabische Staaten geschmuggelt haben", was chronologisch allerdings etwas irritierend ist, da das Schiff mit einer eben solchen Ladung festgesetzt wurde. Möglicherweise ist der mit diesem Fassungsvermögen eher kleine Tanker aber schon früher durch Schmuggeloperationen aufgefallen.

Eine Routineaktion und das größere Format

Die irakische Regierung bestreitet die Vorwürfe allerdings: "Das Ölministerium beschränke seinen Handel auf den Export von Rohöl und anderen Erdölerzeugnissen. Dieser Handel laufe gemäß der international anerkannten Rahmenbedingungen und unterliege den üblichen Kontrollen", wird der Sprecher des Ministeriums zitiert.

Bei den Tanker Trackers, die den Ölexport beobachten, wird der Zwischenfall als wenig bedeutungsvoll und als Routineaktion eingestuft. Er gehört in den Rahmen der schwer durchschaubaren klandestinen Manöver und Tricks des Öl- und Treibstoffschmuggels im persischen Golf. Der ist einerseits durch unterschiedlich subventionierte Benzinpreise lukrativ, anderseits wird er durch Sanktionen des iranischen Ölexports aktiviert.

Laut Beobachtungen der Tanker Trackers soll eine "Flotte von Tankern" im Auftrag der chinesischen Bank of Kunlun (seit Anfang Juni in Iran tätig) seit einiger Zeit Öl von Iran nach China bringen. Man habe mindestens drei Tanker, die in Verbindung mit der chinesischen Bank stehen, dabei beobachtet, dass sie mit iranischen Schiffen "interagieren", berichtet die Financial Times.

Ship-to-Ship-Verladungen

Die Zeitung stützt für ihre Behauptungen auf Satellitenbilder und maritime Daten, die jeweils von den Tanker Trackers und Marine Traffic stammen. Für die Beobachter handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um Ship-to ship-Verladungen iranischen Öls, das dann nach China gebracht wird.

Als einer der großen Tanker, welcher der Bank of Kunlun gehört, wird die Pacific Bravo genannt, die unter der Flagge Panamas fährt, und zusammen mit drei anderen Tankern (Tian Ying Zuo, Tian Ma Zuo und Pacific Alfa) im letzten Jahr von der Bank of Kunlun erworben und in Panama registriert wurden.

Der Tanker Pacific Bravo soll, wie aus dem genannten Datenmaterial hervorgeht, im Mai eine Ladung Öl von Iran aufgenommen haben und zur Straße von Malakka gefahren sein, wo sich das Schiff mit dem leeren iranischen Tanker Humanity bei Port Dickson in malaysischen Hoheitsgewässern getroffen habe. Der Transponder der Humanity sei am 3. Juli ausgeschaltet worden.

Als er am 19. Juli wieder eingeschaltet wurde, sei die Humanity dabei gewesen, in der chinesischen Hafenstadt Jinzhou vor Anker zu gehen. Der Tiefgang des Tankers lasse darauf schließen, dass er annähernd eine Million Fass Rohöl von der Pacific Bravo übernommen habe.

Warnungen vor Sanktionen, die China treffen

Die Bank of Kunlun ist eine Tochtergesellschaft des staatlichen chinesischen Ölkonzerns China National Petroleum Corporation (CNPC) und gemäß der Teheran Times die einzige chinesische Bank, die mit Iran kooperiert - allerdings, wie seitens iranischer Handelsvertreter betont wird, ausschließlich mit "nicht-sanktionierten Banken für Transaktionen und Zahlungen von nicht-sanktionierten Gütern".

Dem widersprechen allerdings die US-Vertreter, die von der britischen Zeitung widergegeben werden. Für sie ist die Bank of Kunlun als verlängerter Arm der Interessen des staatlichen chinesischen Ölkonzerns (CNPC) in Manöver verstrickt, die die Sanktionen gegen Iran umgehen.

Auch China sollte nach dem Willen Washingtons seit Mai dieses Jahres kein iranisches Öl mehr importieren, andernfalls würden die USA mit Sanktionen reagieren. Tatsächlich ging der Import offiziell zurück. Während von der chinesischen Regierung für die ersten vier Monate dieses Jahres jeweils 16,7 Millionen Fass Rohöl als Ölimport aus Iran angegeben werden, waren es im Mai nur mehr 7,9 Millionen und im Juni 6,3 Millionen.

US-Sanktionen wären möglich, die Bank of Kunlun stehe schon lange im Verdacht ein "bad actor" zu sein, weswegen sie seit mehreren Jahren vom US-Finanzsystem ausgeschlossen ist. Getroffen würden aber AUCH die Interessen von PetroChina, das in den USA geschäftsmäßig vertreten ist, und die CNPC treffen, so die Warnung, die die britische Zeitung von ungenannten US-Vertretern an China schickt.

Die Befürchtung ist, dass dies angesichts der Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China eine angespannte Situation weiter verschärft.



(Thomas Pany)