Omikron in Spanien völlig außer Kontrolle

Schlange für Covid-Test in der Grenzstadt Hendaye. Bild: Ralf Streck

Lernunfähigkeit der Regierung: Trotz hoher Impfquoten spitzt sich die Lage in den Hospitälern zu

Die Führungslosigkeit in Spanien kennt keine Grenzen, weshalb das Land – anders als andere – nun sogar schon in der sechsten Coronavirus-Welle steckt und erneut darin zu versinken droht. Dass die Omikron-Variante in Spanien aktuell völlig außer Kontrolle ist, dafür ist der absurde Kurs der selbsterklärten "progressiven" Regierung verantwortlich, die aus den fünf vorhergehenden Wellen nichts gelernt hat und mit Blick auf die Wirtschaft einen pragmatischen Kurs fährt.

Statt vor Weihnachten entsprechende Maßnahmen zu beschließen, wie sie zum Beispiel im Nachbarland Portugal verfügt wurden, wurde lediglich eine absurde Maskenpflicht im Freien eingeführt. Diese ist sinnlos und hat nur zu großer Empörung geführt.

Bei den Neuinfektionen ist der spanische Staat aktuell auf den dritten Rang weltweit vorgerückt – mit 242.000 an einem Tag. Auch das Sterben hat wieder in größerem Umfang begonnen. In den letzten 24 Stunden starben 97 Menschen im Zusammenhang einer Covid-Erkrankung.

Dies ist allerdings – wegen der hohen Impfquote – ein ganz anderer Wert als zu früheren Zeiten, in denen es vorkam, dass bei niedrigeren Inzidenzen zehnmal so viele Menschen an einem Tag gestorben sind ("Das ist keine Krise, sondern eine Katastrophe").

Die Lage in den Krankenhäusern spitzt sich wieder bedenklich wegen der rasant zunehmenden Infektionen zu. 41 Prozent der Betten auf Intensivstationen sind zum Beispiel in Katalonien schon wieder mit Covid-Patienten belegt, im Baskenland sind es 32 Prozent. Dort wurden in der letzten Woche im Durchschnitt so viele Menschen mit Covid-Infektionen in Krankenhäuser eingeliefert wie seit der ersten Welle am März 2020 nicht mehr.

Mehr Infektionen als Spanien schaffen derzeit nur die USA mit 900.000, die aber eine ungleich größere Bevölkerung haben. Auch Großbritannien hat mit 333.000 noch einen höheren Wert, doch da das Königreich eine etwa 50 Prozent größere Bevölkerung aufweist, ist die Zahl in Spanien im Verhältnis real höher und alarmierender.

Dazu kommt, dass spanische Zahlen derzeit mit besonders großer Vorsicht beurteilt werden müssen. In Spanien war nicht der 24.12., sondern der 6. Januar der große Weihnachtsfeiertag und in den Tagen seit Neujahr wurden nur unzureichende Daten erhoben. Ab nächster Woche darf wieder mit einigermaßen soliden Daten gerechnet werden.

Die reale Zahl bei Neuinfektionen wird noch deutlich über diesen bisher bekannten horrenden Werten liegen. Trotz allem wird die Sieben-Tage-Inzidenz – obwohl stark nach unten verzerrt – international schon mit 1.861 angeben, wobei das spanische Gesundheitsministerium noch von knapp 1.400 spricht. Real hat Spanien nun schon Frankreich überflügelt. In einigen Regionen, vor allem beim Spitzenreiter im Baskenland, liegt die Inzidenz sogar nach Angaben des spanischen Gesundheitsministeriums schon deutlich über dem Wert 3.000.

Die Zahlen waren am Donnerstag sogar wieder gesunken. Das aber lag nicht daran, dass es weniger Infektionen gab, sondern dass am Weihnachtsfeiertag noch weniger getestet wurde. Dass die Positivrate bei den Tests zum Beispiel in Navarra bei 55 Prozent lag, also mehr als jeder zweite Test positiv ausfiel, sagt alles über eine enorme Dunkelziffer und vielen nicht entdeckten Infektionen aus.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) fordert eine Quote von höchstens fünf Prozent. 86 Prozent aller Infektionen gehen in Navarra schon auf Omikron zurück.

Klar wird in Spanien angesichts dieser Infektionszahlen, dass die von der Zentralregierung angeordnete Maskenpflicht im Freien sinnlos war, da sich die Menschen in den Wohnungen und Kneipen anstecken. An der explosionsähnlichen Infektionsentwicklung zeigt sich auch, wie wenig sinnvoll die 2G-Regelung ist, die in vielen Regionen wie im Baskenland und Navarra angewendet wird. Längst ist klar, dass auch geimpfte Personen sich anstecken und infektiös sein können. Die Regelung dient nur dazu, Impfzwang zu schaffen. Das ist aber bei einer Impfquote wie im Baskenland (etwa 90 Prozent) auch reichlich absurd.

Im erschöpften und ausgebluteten spanischen Gesundheitssystem bereitet man sich nun auf die große Welle vor. Denn es ist bekannt, dass die Einlieferungen in Krankenhäuser etwa eine bis zwei Wochen nach hohen Infektionszahlen folgen und die Verlegung auf Intensivstationen etwa erst eine weitere Woche danach stattfindet. Doch schon jetzt kämpfen wieder mehr als 2.000 Menschen auf Intensivstationen um ihr Leben.

Wie stark sich diese bedrohlichen Entwicklungen angesichts der Omikron-Welle auswachsen, ist unklar, da es heißt, dass die Krankheitsverläufe mit dieser Mutante im Allgemeinen schwächer ausfallen. Klar ist, dass die Impfungen dafür sorgen, dass das Gesundheitssystem noch nicht kollabiert ist. Daten aus den vergangenen acht Wochen in Spanien zeigen, dass nur 2,6 von 100.000 geimpften Menschen sterben.

Bei ungeimpften Menschen sind es dagegen mit fast 39 aus 100.0000 15 Mal so viele. Ganz ähnlich sieht das bei Einlieferungen in Krankenhäuser und bei der Verlegung auf Intensivstationen aus. Je älter die Person ist, desto höher ist die Chance bei ungeimpften Menschen auf eine Einlieferung und einen schweren Verlauf. (Ralf Streck)