Open Access: Teuer und neue Monopole

Studie zu Open-Access-Publikationsgebühren in Deutschland erschienen

Während im Subskriptionsmodell, in dem Bibliotheken oder Leser für die Nutzung wissenschaftlicher Literatur zahlen, Geheimhaltungsklauseln über Nutzungsverträge zwischen Universitäten und Verlagen gang und gäbe sind und man sich detaillierte Informationen zur Höhe der Unkosten nur wünschen kann (Spenden für die Transparenz an Hochschulen), versucht man im Open Access eine gewisse Preistransparenz herzustellen (Die Kosten des wissenschaftlichen Publizierens). Nun wurden erstmals auch Daten zur Zahlung von Open-Access-Gebühren an deutschen Einrichtungen in einer Publikation ausgewertet.

Open Access, der entgeltfreie Zugang zu wissenschaftlichen Texten, kann, muss jedoch nicht kostenfrei sein. Beim grünen Weg des Open Access, bei dem Autoren verlagsgebunden erschienene Werke oder deren Vorversionen auf speziellen Open-Access-Servern, den so genannten Repositories bereitstellen, fallen für sie keine Gebühren an. Beim goldenen Weg des Open Access, bei dem direkt in originären Open-Access-Journalen publiziert wird, werden teils Publikationsgebühren oder Article Processing Charges (APC) fällig. Die Höhe dieser Gebühren scheint tendenziell zu steigen, das belegen zumindest Analysen der österreichische Forschungsförderungsorganisation Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF)] und der britischen Fördereinrichtung Wellcome Trust.

Beide Institutionen machen Informationen über gezahlte APCs zugänglich und anhand ihrer Daten waren erhebliche Ausgabensprünge festzustellen: Die FWF-Autoren Rieck, Haslinger, Meischke-Ilic, Kirindi-Hentschel und Reckling kombinierten FWF-Daten mit Informationen des Wellcome Trust und ermittelten für von FWF und Wellcome Trust finanzierten Gold-Open-Access-Artikeln steigende Durchschnittspreise von 1.288 Euro auf 1.682 Euro - eine Steigerungsrate von 30,6 %. Verglichen damit nehmen sich die jährlich ungefähr konstanten Preissteigerungen von ca. 6 % bei Subskriptionszeitschriften wahrlich moderat aus.

Nun liegt erstmal eine systematische Auswertung zu an deutschen Hochschulen gezahlten APCs vor. Najko Jahn und Marco Tullney nutzten Daten des Projekts Open APC, das sich darum bemüht, Transparenz in den Open-Access-Publikationsmarkt in Deutschland zu bringen. Die Daten Open APCs werden von dreißig deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen bereitgestellt und stehen, genau wie die Informationen des FWF und des Wellcome Trust, online zur Nachnutzung bereit. Jahns und Tullneys (im Open Access verfügbare) Publikation wertet Informationen zu 7.417 Artikeln aus Open-Access-Journalen, für die APCs gezahlt wurden und die zwischen 2005 and 2015 publiziert wurden, aus.

Für all diese Artikel wurden Zahlungen in Höhe von 9.627.537 € inkl. Steuer fällig, der Median lag bei 1.231 €, der Durchschnitt bei 1.298 €. Die Höhe der APC lag in 94% der Fälle unter der Grenze von 2.000 €, dieser Befund lässt sich wohl durch eine Förderlinie der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) erklären, die Einrichtungen bei der Implementierung von Open-Access-Publikationsfonds finanziell unterstützt - sich dabei jedoch nur an der Finanzierung von Artikeln beteiligt, deren APC maximal 2.000 € beträgt. Die Preisspanne der entrichteten Gebühren war jedoch gewaltig und lag zwischen 40 € und 7.419 €.

Etwas mehr als die Hälfte der Artikel, 3.847 der 7.417, erschienen bei Springer Nature und der Public Library of Science (PLOS); zudem strichen zehn Verlage 92% aller berichteten APCs ein - eine Konzentration im kommerziellen Open Access ist demnach ebenso wenig zu leugnen wie im wissenschaftlichen Publikationsmarkt insgesamt (Wissenschaftsjournale: Konzentration, Karriere und Kommerz). Das Fehlen des geschäftstüchtigen Verlags Elsevier unter den Top Ten der Großverdiener im deutschen APC-Geschäft mag überraschen, ist aber leicht zu erklären: Elsevier setzt weniger auf APCs als Einnahmequellen als vielmehr auf nationale Open-Access-Deals.

Doch nicht nur auf der Ebene der Verlage finden sich Konzentrationseffekte, auch bei den Journals dominieren vergleichsweise wenige Zeitschriften das Gesamtbild: Zehn Journale publizierten 45% der 7.417 Artikel. Überdies belegen auch die Daten aus Deutschland Preissteigerungen bei den APCs: Der Durchschnittspreis stieg zwischen 2011 und 2015 um knapp 14,5 % von 1.239 € auf 1.423 €. Diese Raten nehmen sich im Vergleich zu den von FWF und Wellcome Trust ermittelten Steigerungen gering aus. Legt man die ungefähr konstante Preissteigerungsrate im Subskriptionsgeschäft von jährlich 6% als Maßstab an, hätte der durchschnittliche APC-Preis von 2011 bis 2015 gar auf 1.564 € steigen müssen.

Die Informationen aus Österreich, dem UK und Deutschland belegen eines und lassen ein weiteres möglich erscheinen: Anders als bisweilen vermutet, ist Open Access aktuell kein Mittel, um die Finanzierungskrise der wissenschaftlichen Informationsversorgung zu beenden - zu hoch sind die APCs im die Diskussionen dominierenden Gold Open Access. Allerdings lassen sich die eher geringen Preissteigerungen in Deutschland unter Umständen mit der Deckelung der förderfähigen Beträge durch die DFG erklären - in diesem Fall hielten die Fördergesellschaften ein wertvolles Regulativ für die Open-Access-Preisentwicklung in Händen.

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