Operation Windel

Verratene Verräter greifen in die S…...

Derzeit rätselt man darüber, wieso die 17 zum Teil riesigen US-Geheimdienste trotz ihrer sagenumwobenen Fähigkeiten nicht in der Lage waren, den freundlichen Herrn mit den Atomcodes über das Covid-19-Problem zu briefen (Warnten US-Geheimdienste schon Anfang November vor einer Epidemie in Wuhan?). Vielleicht lag es ja daran, dass die Kapazitäten der Intelligence mit ungleich Wichtigerem blockiert waren: der Observation von zwei Säuglingen.

Wenn die CIA im Ausland manipuliert, macht sie sich vorzugsweise nicht selbst die Hände schmutzig. Damit man eine Beteiligung schön plausibel abstreiten kann, bedient man sich für die Drecksarbeit bei Diktatoren, befreundeten Partnerdiensten, Söldnern, auch schon mal Unterweltgestalten und eben dem privaten Sektor. Die Überwachung der Babys gelang einer "Sicherheitsfirma" in Madrid, die ein spanischer Ex-Militär gegründet hatte. Dessen Profession bestand in Voyeurismus durch diskrete Überwachungstechnik.

Die Babys, denen man nachstellte, waren solche einer Rechtsanwältin in London. Die Mutter hatte ihren Namen ändern lassen, weil sie keinen Verdacht bei Geheimdiensten erregen wollte - womit sie das genaue Gegenteil bewirkte. Diskretion bat sich die alleinstehende Frau nämlich für die Frage der Vaterschaft aus. Den Überwachern fiel allerdings auf, dass ein junger Schauspieler, der ab und zu eine männliche Zielperson besuchte, eines der Kinder dabei hatte. Der Schauspieler, den die Überwacher mit versteckter Kamera beobachteten, hatte ironischerweise einst seine Stimme einem Computerspiel ausgerechnet über einen britischen Spion mit der Codenummer 007 geliehen. Den Voyeuren kam der Verdacht, dass die Zielperson der Vater sein müsse.

Doch statt bloßer Vermutungen wollte man der CIA handfeste Beweise liefern. Um die Vaterschaft zu erkunden, waren sich die Spanier für nichts zu schade. So plante man allen Ernstes die Entführung einer vollgeschissenen Windel, von der sich die Schnüffler Rückschlüsse auf die DNA des Vaters erhofften. Allerdings fanden die spanischen Handlanger der CIA heraus, dass die Hinterlassenschaften für das Analyseverfahren nicht taugten. Daher plante man stattdessen, einen Schnuller zu entführen, um auf diese Weise an einen Abstrich des Babys zu gelangen. Auch erwog man, die Mutter rund um die Uhr zu beschatten. Doch daraus wurde offenbar nichts.

Verratene Verräter

Denn die doppelspionierende Sicherheitsfirma war selbst inkontinent. Einem dort beschäftigten Whistleblower gingen die Pläne deutlich zu weit. Offiziell nämlich war die global arbeitende Firma seit 2015 von der Regierung von Ecuador für die Sicherheit der Botschaft in London angeheuert worden. Dass die "Sicherheitsfirma" gleichzeitig heimlich für die CIA einen Staatsgast mit audiovisuellen Wanzen ausspähte und etwa Gespräche mit Anwälten abhörte, war schon starker Tobak (s.a. Britisches Gericht blockiert Zeugenaussage von Assange). Dass die Firma dann allerdings Szenarien prüfte, wie man den Gast sogar entführen könnte, dieses möglichst unter Vertuschung eines heimlichen Einverständnisses der neuen Regierung Ecuadors, und dass man nun auch der Mutter und ihren Kindern nachstellte, da wurde es dann doch jemandem zu bunt, und er steckte die Pläne an die Zielpersonen.

Die nun gewarnte Mutter hielt die Kinder von der Botschaft fern, denn wenn man schon erwog, den prominenten Vater vor den Augen der Welt zu entführen, wäre auch eine Kindesentführung zum Zweck der Erpressung nicht ausgeschlossen gewesen. Mit der Ermordung von Kindern hat die CIA keine sonderlich großen Probleme: Unter Obama starben einige hundert Kinder durch chirurgisch geführte (?) US-Drohnenschläge, für die überwiegend die CIA zuständig ist.

Letzte Woche nun machte die Anwältin ihre Beziehung und die Überwachung der Babys öffentlich. Die spöttische Bezeichnung "Babyphones" für Überwachungsgeräte bekommt eine ganz neue Bedeutung. Ob die CIA die Vaterschaftsspitzelei konkret beauftragt hatte oder ob die spanische Sicherheitsfirma übereifrig war, bleibt unklar. Es ist nämlich durchaus nicht unwahrscheinlich, dass die Lauscher vom US-Geheimdienst von den Kindern bereits neun Monate vor Geburt erfuhren.

Die Tatsache, dass ausgerechnet Julian Assange bis ins Privateste überwacht wurde, ist insoweit skurril, als dass er vielen Zeitgenossen als paranoid erschien. Zu geheimen Treffen mit Journalisten etwa pflegte sich Assange bisweilen als Frau zu verkleiden, was bei seiner Körpergröße nur sehr bedingt unauffällig gewesen sein dürfte. Erst recht auf elektronischem Gebiet legte man bei WikiLeaks größten Wert auf die OpSec.

Ihren Willen bekamen die Hardliner dann auf die konservative Art. Assange wurde offiziell aus seinem selbstgewählten Homeoffice geworfen und unter juristisch absurden Umständen in ein Hochsicherheitsgefängnis gesteckt. Trotz extrem angeschlagenen Gesundheitszustand sowie Haftumständen, die der UN-Experte Prof. Dr. Nils Melzer als Folter einstuft, wird weiterhin ein Exempel an dem Mann statuiert, der den USA vor genau zehn Jahren mit dem Hubschrauber-Video den Spiegel vorhielt. Und während viele Häftlinge wegen Corona-Gefahr sogar entlassen werden und diese in britischen Gefängnissen sogar ganz konkret droht, wird solches einer Person nicht gewährt, die lieber Kinder in die Welt setzt, statt Kinder mit Hellfire-Raketen zu töten. (Markus Kompa)