Opfer der Automatisierung

Quelle: Frey & Osborne, The Future of Employment (2013)

Studie prophezeit: 47 Prozent aller Jobs stehen vor dem Aus

Eine kürzlich als Working Paper der Oxford Martin School veröffentlichte Studie kommt zu dem Ergebnis, das 47 Prozent aller Jobs in den USA sehr wahrscheinlich in naher Zukunft der Automatisierung zum Opfer fallen werden. Die Prognose beruht auf der Analyse der Merkmale von gegenwärtigen Arbeitsplatzbeschreibungen, die es wahrscheinlich machen, dass die betreffenden Tätigkeiten in naher Zukunft von Robotern oder Computern übernommen werden können.

McDonald's Europa hat dieses Frühjahr 7.000 Touchscreen-Computer bestellt, die nach und nach die Arbeit von Kassierern und Kassiererinnen übernehmen sollen. Amazon gab 2012 die Übernahme des auf die Herstellung von Lagerrobotern spezialisierten Unternehmens Kiva Systems bekannt, dessen Fabrikate bald wohl anstelle menschlicher Arbeitskräfte in den Warendepots des Versandhändlers herumkurven werden. Ähnlich Foxconn: Bereits 2011 kündigte der taiwanesische Technik-Großkonzern an, in nächster Zukunft eine Million Roboter anzuschaffen, um damit Arbeitsplätze zu ersetzen.

Nicht nur im Billiglohn-Bereich jedoch sind laut neuester Prognosen Jobs von der Automatisierung bedroht, sondern auch im Mittelstand. Buchhalter, Anwälte, Personalentwickler und Dozenten müssen sich Sorgen machen, wie Frank Rieger und Constanze Kurz aktuell in ihrem Buch Buch Arbeitsfrei, Eine Entdeckungsreise zu den Maschinen, die uns ersetzen werden zeigen. Algorithmen sind für einen Großteil der Aufgaben, die in diesen Bereichen anfallen, besser geeignet als Menschen. In den US-Städten Baltimore und Philadelphia setzt man etwa auf Software, um eine Einschätzung zu erlangen, welche Strafgefangenen bei vorzeitiger Entlassung aus der Haft mit hoher Wahrscheinlichkeit rückfällig werden - Minority Report lässt grüßen.

Neben Fortschritten in Robotik und Algorithmendesign spielt vor allem Big Data eine tragende Rolle in der neuen Welle der Automatisierung. Wie dies funktioniert, lässt sich gut am Beispiel automatisierter Fahrsysteme beobachten. Den letzten großen Innovationssprung bei der Entwicklung von selbstgesteuerten Autos machten die Ingenieure bei Google mit der Einbindung von dreidimensionalen Karten und anderen Umweltdaten in das Navigationssystem der Fahrzeuge. Damit konnten die Anforderungen an die systemeigenen Sensoren entscheidend reduziert und das autonome Auto erst ermöglicht.

Zur Erinnerung: Noch 2004 hatten Frank Levy und Richard Murnane es in ihrem weit beachteten Buch "The New Division of Labor: How Computers are creating the next Job Market" mit Berufung aus Erkenntnissen des DARPA-Wettbewerbs ausgeschlossen, dass das fahrerlose Auto in naher Zukunft möglich sein würde.

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