"Opioid-Epidemie" wirkt sich auf US-Wirtschaft aus

Die massenhafte Einnahme von teils verschreibungspflichtigen Schmerzmitteln lässt die Erwerbstätigenrate in den USA sinken und schließt Menschen vom Arbeitsmarkt aus

Während die Amerikaner sich 2016 zwar nicht mehrheitlich, aber nach den Wahlmännern für Donald Trump als Nachfolger von Barack Obama entschieden, versank das Land weiter in den Medikamenten- und Drogenkonsum. Dabei geht es vor allem um Opioide, die Schmerzen beseitigen und Euphorie oder Optimismus auslösen, aber abhängig machen und zum Tod führen können. Sie werden nicht nur von Drogenkartellen angeboten, sondern auch von Pharmakonzernen und Ärzten, die sie Menschen, die Schmerzen haben oder dies vorgeben, verschreiben.

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Eine Gesellschaft, die Negatives nicht aushalten kann, positiv denken muss, dem Individuum für alles die Verantwortung zuschiebt und alles, was in das Fortschritts- und Erfolgsnarrativ nicht hineinpasst, verdrängt, führt zwar einen Krieg gegen die Drogen, aber auch einen Krieg gegen Schmerzen, der aber nicht nur das Schicksal der Menschen schädigt, sondern auch die Gesellschaft und die Ökonomie. Auch in Deutschland steigt die Verschreibung von Opioiden - und die Zahl der Drogentoten.

Die Erwerbstätigenrate, also die Zahl der erwerbstätigen Menschen im Alter zwischen 15 und 64 Jahren im Vergleich zur gesamten Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter, liegt in den USA mit 62,8 Prozent knapp über dem OECD-Durchschnitt (Zahlen von 2016). In Deutschland ist sie mit 60,9 Prozent geringer. In Ländern, in denen weniger Frauen einer Erwerbsarbeit nachgehen, ist sie wie in der Türkei mit 52 Prozent im OECD-Extrem niedriger. Am höchsten ist sie in Island mit 83,6 Prozent.

Auch wenn die Erwerbstätigenrate in den USA über dem OECD-Durchschnitt liegt, werden Sorgen geäußert, da sie gegen den Trend in anderen Staaten in den letzten Jahren rückläufig ist. 2010 lag sie noch bei 64,7 Prozent und 2000 hatte sie einen Rekordstand von 67,3 Prozent erreicht. Alan Krueger von der Princeton University sieht in einer Untersuchung darin nicht nur demografische Veränderungen, also vor allem den wachsenden Anteil von älteren Menschen an der Gesamtbevölkerung, durch den die Erwerbstätigenrate jährlich um 0,2-0,3 Prozent schrumpft, und dem Trend, dass junge Menschen sich länger in Ausbildung befinden.

Auffällig bei Männern ist, dass deren Erwerbstätigenrate seit Jahrzehnten zurückgeht - und dass bei etwa 40 Prozent gesundheitliche Probleme vorliegen könnten, die eine Rückkehr zum Arbeitsmarkt verhindern. So berichten Männer im besten Arbeitsalter, die keinen Job haben, häufig, sie hätten Probleme zu gehen und Treppen zu steigen oder Konzentrations-, Erinnerungs- oder Entscheidungsprobleme. Auffällig ist auch, dass bei Frauen, die nach 1960 geboren sind, die Erwerbstätigenrate nicht mehr steigt.

Nach Umfragen, auf die Krueger hinweist, gibt über die Hälfte der nicht arbeitenden Männer an, Schmerzen zu haben, fast die Hälfte nimmt täglich Medikamente gegen Schmerzen, davon zwei Drittel verschreibungspflichtige Schmerzmittel. Im Vergleich zu Männern, die einer Lohnarbeit nachgehen, ist der Anteil der Nicht-Erwerbstätigen, die über Schmerzen klagen, wesentlich höher. Es gibt offenbar einen Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Schmerzen bzw. der Einnahme von Schmerzmitteln. Lange Zeit wurden von Ärzten schnell auch gegen leichte Schmerzen Opioide verschrieben. Dabei handelt es sich um künstliche Opiate mit einer ähnlichen Wirkung wie Opium und daraus hergestellten Drogen wie Morphium oder Heroin, deren Konsum in den letzten Jahren ebenfalls angestiegen ist.

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