Opportunity landete im "gelobten Land"

Nach seiner geglückten Mars-Landung sendet der zweite Robotergeologe der Mars-Exploration-Rover-Mission nunmehr Mars-Bilder zur Erde, die einen "anderen" Roten Planeten zeigen

Während Spirit, der eine Zeitlang von allen guten Geistern verlassen zu sein schien, sich inzwischen wieder erholt hat, gereichte der baugleiche Zwillingsbruder Opportunity seinem Namen zur Ehre. Drei Wochen nach dem Rover "Spirit" landete er auf der entgegen gesetzten Seite des Roten Planeten und nutzte die "Gelegenheit", um sich in den Annalen der Raumfahrt zu verewigen. Einerseits landete erstmals ein irdisches Raumgefährt auf dieser Seite des Mars, andererseits operieren ab sofort erstmals zwei einsatzbereite mobile Roboter auf dem Roten Planeten. Denn das bisherige Bildmaterial, das der US-Mars-Rover über die "Relaisstation" Mars Odyssey zur Erde funkte, zeigt den Mars gänzlich von einer anderen Seite - in doppelter Hinsicht.

Bild vom Landungsort, aufgenommen aus einer Höhe von 1.400 Metern von einer Kamera am landenden Rover Opportunity. Das Foto gibt einen Ausschnitt der Marsoberfläche von 1,2 km wieder. Rechts oben ist vermutlich ein Krater zu sehen.

Arnold Schwarzenegger, der Gouverneur des US-Bundesstaates Kalifornien und bislang einziger US-Politiker mit Rang und Namen, der mit einer fiktiven "filmreifen" Reise zum Mars aufwarten kann, ließ es sich nicht nehmen, den Projektingenieuren und Forschern im Kontrollraum des Jet Propulsion Laboratory der NASA im kalifornischen Pasadena seine Glückwünsche persönlich zu übermitteln.

Sechsminütiger Höllenritt

Unter dem enthusiastischen Beifall der anwesenden NASA-Mitarbeiter betrat der (Ex-) Schauspieler mit dem früheren Vize-Präsident Al Gore gestern um 6.10 Uhr MEZ den JPL-Kontrollraum. Fünf Minuten zuvor - nach amerikanischer Zeit am Samstag (24. Januar) um 9:05 p.m. (PST = Pacific Standard Time) - nutzte der mit dem symbolträchtigen Namen versehene zweite Robotergeologe der "Mars Exploration Rover Mission" die "Gelegenheit" und setzte (den Daten zufolge) in der Meridiani-Planum-Ebene bilderbuchmäßig auf, die auf der anderen Mars-Seite des Operationsgebietes von "Spirit", rund zwei Grad südlich des Äquators, gelegen ist.

Bereits gegen 10.00 Uhr (MEZ) konnten die in Kalifornien und Australien ansässigen Antennen des Deep Space Network erste Telemetrie-Signale von "Opportunity" empfangen. Diese kamen nicht vom Rover direkt, sondern wurden von der US-Sonde Mars Odyssey übertragen, die als Relaisstation für die Datenübertragung diente.

Eines der ersten Bilder der Panorama-Kamera, das die Spuren der Airbags im Sand des Mars zeigt

Nach dem Entry, das mit einer Geschwindigkeit von 5,4 Kilometer in der Sekunde erfolgte, und dem sechsminütigen Höllenritt durch die Mars-Atmosphäre, setzte die in Airbags verpackte Sonde planmäßig gegen 6.05 Uhr MEZ auf dem Roten Planeten auf und sandte sofort ein Signal zur Erde. "Leute, wir sind auf Mars! Und wir bekommen ein starkes Signal", jubelte Rob Manning, der zuständige Missionsmanager für die gesamte Lande-Prozedur der beiden Sonden.

"Ich bin ganz baff"

Bereits vier Stunden nach der Landung der MER B stellte dann die NASA die ersten Bilder des US-Marsroboters ins Netz, zwar in geringer Auflösung, dafür waren diese aber nicht minder spektakulär. "It looks like a very different site", so der Kommentar von John Callas, seines Zeichens Wissenschaftsmissionsmanager. "The scientists must be running wild." Geradezu "biblisch" drückte dies "MER Rover Deputy Surface Development Manager" Matt Wallace aus, der das Landegebiet "Meridiani Planum" als "gelobtes Land ("the promised land") charakterisierte.

360-Grad-Panoramabild vom Meridiani Planum

Und der wissenschaftliche Leiter der Mission, Steve Squyres, sagte, dieser Landeplatz übertreffe seine "wildesten Träume". "Opportunity ist in einer bizarren, alienartigen Landschaft gelandet", erläutert Dr. Steve Squyres von der Cornell University, Ithaca, N.Y., der für das wissenschaftliche Instrumentarium der beiden Rover die Hauptverantwortung trägt, "Ich bin völlig baff. Ich bin erstaunt. Ich bin ganz weg".

Suche nach Wasser steht im Vordergrund

Tatsächlich belegen die ersten Bilder, dass das Terrain in der unmittelbaren Umgebung von "Opportunity" geologisch weitaus interessanter ist als jene Landestellen, mit denen ihrer Zeit "Spirit, "Pathfinder" und die beiden Viking-Sonden Bekanntschaft machten. "Opportunity" hingegen sieht sich bizarren ungewöhnlichen Felsformationen und einem auffallend dunklen, von Staub nur wenig bedeckten Boden gegenüber, der in der Tat alienartig aussieht, wie das erste mit der Navigationskamera aufgenommene Foto belegt. Eines der ersten Farbfotos indes zeigt eine graue Landschaft mit roten Punkten, an den Stellen, an denen der in Airbags verpackte Roboter aufgesetzt hatte und über die Ebene gerollt war.

Fortan soll "Opportunity" in dieser Region drei Monate lang in einem Umkreis von bis zu 500 Metern Gesteinsproben sammeln und die Umgebung nach Wasser untersuchen, dabei bis April 2004 pro Marstag (etwas mehr als 24 Erdstunden) rund 40 Meter zurücklegen. In der Meridiani Tiefebene soll der Rover unter anderem nach Roteisenerz (Hämatit suchen, das sich oft in Gegenwart von Wasser bildet.

Weniger Staub als im Gusev-Krater

Das graue Gestein war 1998 von der Sonde Mars Global Surveyor entdeckt worden. Die ganze Tiefebene ist damit bedeckt, auch ist dort weniger Staub wie im Gusev Krater vorhanden. Hämatit kann sich nach Angaben der Wissenschaftlerin Joy Crisp durch vulkanische Aktivitäten oder mit Hilfe von Wasser bilden. Ebenso wie bei der Landestelle von "Spirit" hat die NASA auch in der Meridiani-Planum-Ebene zuvor große Mengen oxidierten Eisens detektiert, die auf eine frühere Existenz von Wasser hinweisen.

Die beiden 180 Kilogramm schweren Marsmobile sind so konstruiert, dass sie mittels Solarenergie drei Monate lang in Betrieb sein können. Wie "Spirit" besitzt auch "Opportunity" einen 1,50 Meter hohen Mast, an dem zwei Navigationskameras installiert sind, mit denen eine dreidimensionale Erfassung der Umgebung möglich ist. An der Spitze des in der Horizontalen operierenden sogenannten Titanium-Arms befinden sich gleich vier Messinstrumente: eine Kamera, die Nahaufnahmen des Bodens liefert, ein Mössbauer-Spektrometer, das Gestein auf Eisenpartikel untersucht, ein Röntgenspektrometer und eine Art Hammer, mit der die obersten Krusten von Felsen abgeschabt werden können, sowie eine stabförmige Antenne, die die Kommunikation mit den Marssonden im Orbit bzw. mit der Erde gewährleisten soll.

"Spirit" zeigte Lebenszeichen

Kurz vor der Landung von "Opportunity" konnten die Wissenschaftler mit "Spirit" wieder in Kontakt treten. Das Problem liege vermutlich, so ein Wissenschaftler, an dem in Digitalkameras und anderen elektronischen Geräten verwendeten "flash memory" des Rover- Rechners, der seit vergangenem Mittwoch immer wieder einfror und dann neu startete.

"Wir haben wieder die Kontrolle über das Fahrzeug; wir haben Energie, gute Kommunikationsverbindungen", sagte der Leiter des Forschungsprojekts, Pete Theisinger. "Das sind sehr gute Nachrichten." Die Ursache für den Abbruch des Kontakts am Mittwoch war den Forschern zufolge ein Problem mit den Flash-Speicherchips. "Ich denke, wir brauchen wahrscheinlich noch drei Wochen, um weiter fahren zu können", sagte Theisinger.

Nachdem der Rover den Befehl erhalten hatte, beim Neustart ein anderes Speichermodul zu verwenden, habe alles viel besser geklappt, hieß es bei der Nasa. Der Rover habe anschließend auch endlich wieder den Befehl befolgt, in den Ruhemodus zu gehen, um Energie zu sparen. Nasa-Chefwissenschaftler Ed Weiler sagte in Anspielung an "Spirit", der nach mehrtägigen technischen Problemen Anzeichen der Genesung zeigt: "Wir haben einen Rover wieder belebt und die Geburt eines anderen gesehen." (Harald Zaun)

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