Ost-Ghouta und Afrin: Im Nebel der Fake News von allen Seiten

Weiße Helme retten am 20. Februar ein Mädchen in Hamorya in Ost-Ghouta. Bild: Weiße Helme

Erschütternd ist, wie im Syrien-Konflikt Staatsmedien ungeniert Propaganda oder PsyOps betreiben und viele Medien auf der einen oder anderen Seite mitmischen

Eifrig berichten die gleichgeschalteten türkischen Medien über zivile Opfer der Luftangriffe in Ost-Ghouta. Dabei beziehen sich auf Informationen von "lokalen Zivilschutz-Quellen", gemeint sind die Weißen Helme. Diese treten in den Gebieten und Städten auf, die in der Regel von islamistischen Gruppen, allen voran den al-Qaida-Ableger al-Nusra bzw. Jabhat Fateh Al-Sham wie in Ost-Ghouta, kontrolliert werden. Russische Medien und Regierungsangehörige wie Außenminister Lawrow rechnen sie direkt den "Terroristen" zu. Sie würden von den USA und Großbritannien unterstützt.

Kooperieren müssen die Weißen Helme jedenfalls mit den islamistischen Gruppen, die von der Türkei stets als syrische Oppositionsgruppen oder Freie Syrische Armee bezeichnet werden, sonst könnten sie sich in den von diesen kontrollierten Gebieten nicht unbehelligt bewegen, dort filmen und berichten. Wie verlässlich die von den "lokalen Zivilschutz-Quellen" stammenden Zahlen sind, ist jedenfalls fragwürdig. Auffallend daran ist, dass es sich nur um Zivilisten handeln soll, aber nicht um Kämpfer oder andere Mitglieder der bewaffneten Gruppen, die im Übrigen mit Anschlägen Zivilisten in Damaskus töten.

Am Freitag sollen die Angriffe 15 Zivilisten getötet haben, berichten die Weißen Helme und die staatliche türkische Nachrichtenagentur AA. Luftangriffe des "syrischen Regimes" hätten danach Wohngebiete wie Duma, Ein Tarma und Saqba in dem Gebiet bombardiert. Dass sich in diesen Wohngebieten bewaffnete Gruppen der "Opposition" aufhalten, wird nicht einmal erwähnt. Die Weißen Helme beschuldigen nach türkischer Sprachregelung auch die YPG/PKK, Zivilisten zu töten.

Umgekehrt berichtet die staatliche syrische Nachrichtenagentur, dass Anschläge und Angriffe von Gruppen aus Ost-Ghouta immer wieder Zivilisten töten und verletzen. Gestern ist von einem Toten und 50 Verletzten die Rede. Von einer Granate getroffen worden sei auch der Trakt mit Intensivstationen der Chirurgischen Klinik in der Baghdad-Straße in Damaskus.

Am Donnerstag hatte der russische Außenminister Lawrow dem Westen vorgeworfen, die Angriffe auf Zivilisten aus Ost-Ghouta nicht zu beachten. Damaskus und Moskau sagen, westliche Länder würden die Terroristen in Ost-Ghouta schützen oder auch mit ihnen zusammenarbeiten. Dabei wird aber die Türkei nicht erwähnt, die eben ihrerseits nicht Russland erwähnt, sondern nur den syrischen Regimekräften die Schuld an getöteten Zivilisten zuschiebt.

Damaskus und Moskau wiederum sprechen nicht von den zivilen Opfern ihrer Angriffe auf die "Terroristen". Hier heißt es, wie Lawrow gestern sagte, dass al-Nusra die Zivilisten als menschliche Schutzschilde benutze, Leiden über sie bringe und sie nicht fortgehen lasse. Genauso wurde das Bombardement der US-Koalition von Mosul und Raqqa gerechtfertigt. Beide Städte wurden großflächig zerstört, wie viele Zivilisten dabei ums Leben gekommen sind, ist unbekannt.

ANF-Bild vom Konvoi.

Dafür weist die syrische Nachrichtenagentur auf die zivilen Opfer der türkischen Angriffe auf Afrin hin, auch auf einen angeblich zivilen Konvoi. Auch kurdische Medien berichteten, dass gestern ein Konvoi angeblich mit Zivilisten, die Hilfsgüter von Cizire nach Afrin brachten, von der türkischen Luftwaffe angegriffen worden sei. Ein Mann sei getötet worden, 12 Menschen seien verletzt worden. Es werden Bilder von getroffenen Fahrzeugen gezeigt. Wenn darauf hingewiesen wird, dass kein militärisches Fahrzeug und keine Waffen zu sehen sein, beweist das freilich nichts.

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