Osteroffensive auf Mosul

Irakische Armee meldet Einnahme vorgelagerter Dörfer - IS-Anschläge Thema im US-Vorwahlkampf

Im Juni 2014 eroberte die Terrorgruppe Islamischer Staat (die sich damals noch Islamischer Staat im Irak und der Levante nannte) die nordirakische Millionenstadt Mosul im Handstreich und trieb die dort stationierten Regierungstruppen in die Flucht (vgl. Terrorgruppe ISIL erobert Millionenstadt Mosul). Obwohl danach mehrmals eine kurz bevorstehende Rückeroberung angekündigt wurde, halten die Dschihadisten die Stadt seitdem. Nun hat die irakische Armee bekannt gegeben, heute Morgen mehrere Dörfer in der Umgebung der Stadt eingenommen zu haben.

Die Eroberungen sollen Teil einer Großoffensive sein, bei der die irakischen Truppen durch Luftangriffe der von den USA angeführten Anti-IS-Koalition unterstützt werden. Vorher war durchgesickert, dass die USA heimlich Marine-Corps-Elitesoldaten in der Gegend stationiert hatten (vgl. Schiitische Milizen drängen im Irak an die Macht). Klappt das Vorhaben wie geplant, soll Mosul bis Jahresende 2016 komplett von IS-Dschihadisten gesäubert sein.

Mosul. Foto: Sgt. Michael Bracken, U.S. Army

Am anderen Ende seines syrisch-irakischen Kerngebiets, in der Umgebung der syrischen Stadt Palmyra, mussten die Salafisten bereits gestern Gebietsverluste hinnehmen. Hier befreite die syrische Armee zusammen mit der Wüstenfalken-Miliz den Hügel Haya und unterbrach damit die Versorgung der Salafisten aus al-Qaryatayn. Außerdem kontrolliert die syrische Regierung mit Haya wieder den Zugang zur wichtigsten Verbindungsstraße von Palmyra in die vom IS belagerte Wüstenstadt Deir ez-Zor (vgl. Syrische Armee nimmt strategisch wichtige Anhöhe vor Palmyra ein).

Inzwischen sollen die Regierungstruppen in Palmyra einmarschiert sein und Teile der Stadt kontrollieren. Im Norden stießen kurdische YPG-Milizen währenddessen zur Stadt Markada vor und beherrschen die Provinz al-Hassakah damit fast vollständig.

Den militärischen Misserfolgen im Kerngebiet versucht der IS seit 2015 mit Anschlägen in den USA und Europa entgegenzutreten - zuletzt in der EU-Hauptstadt Brüssel, wo am Dienstag bei Selbstmordanschlägen auf den Flughafen und die U-Bahn mindestens 31 Menschen ums Leben kamen und über 300 verletzt wurden (vgl. Ziel Brüssel: Der IS rühmt sich der Terror-Anschläge). Diese Anschläge sind nicht nur in Europa das derzeitige politische Hauptthema, sondern auch im US-Vorwahlkampf.

Donald Trump, der aktuell wahrscheinlichste Präsidentschaftskandidat der Republikaner, warnte die Amerikaner in einem Interview mit dem konservativen Nachrichtensender Fox News vor No-Go-Areas wie dem Brüsseler Stadtteil Molenbeek, wo seinen Worten nach selbst die Polizei Angst hat. In Paris und London, so Trump, gebe es ähnliche Viertel, weshalb die USA Acht geben müssten, dass sie nicht auch dort entstünden.

In einem Interview mit Piers Morgan von ITV fragte sich der exzentrisch frisierte Milliardär außerdem, warum sich der Paris-Attentäter Salah Abdeslam, der in Molenbeek aufwuchs, nach dem Novemberanschlag mit 130 Toten in diesem Stadtteil monatelang versteckt halten konnte. Trump glaubt, dass das nur dadurch möglich war, weil Verwandte, Freunde und Bekannte Abdeslams die Behörden trotz dessen Beteiligung an extrem blutigen Taten nicht informierten. Diese Inschutznahme von Gewalttätern ist seiner Ansicht ein "großes Problem", das man angehen muss, indem man Parallelgesellschaften dazu bringt, sich zu öffnen. Bereits im Dezember hatte er gemutmaßt, dass Freunde und Bekannte der San-Bernardino-Attentäter von den Plänen des Terrorpärchens ahnten, aber schwiegen.

Wolf Blitzer von CNN sagte Trump, der Brüsseler Anschlag hätte vielleicht verhindert werden können, wenn man Abdeslam gefoltert hätte - und an Waterboarding sei zwar "nichts Nettes", aber es sei "nur eine minimale Form von Folter". Um IS-Terroristen "auf Augenhöhe" zu bekämpfen, müssten die USA ihre Gesetze dazu ändern.

Trumps republikanischer Konkurrent Ted Cruz warf dem amtierenden Präsidenten Barack Obama auf Facebook vor, dem islamistischen Terrorismus viel zu zögerlich entgegenzutreten. Er fordert einen Stopp der Aufnahme von Personen aus Gebieten mit IS- oder al-Qaida-Präsenz und neue Befugnisse für die Polizei, damit diese moslemisch dominierte Stadtviertel "sichern" könne, bevor sie sich radikalisieren.

Ähnlich viel internationale Aufmerksamkeit wie Trump und Cruz erregte der israelische Geheimdienstminister Jisrael Katz mit seinen Schlüssen aus den Brüsseler Anschlägen: Er meinte im israelischen Staatsrundfunk: "Wenn sie in Belgien weiter ihre Schokolade essen, vom schönen Leben profitieren und sich der Welt als großartige Liberale und Demokraten präsentieren und dabei außer Acht lassen, das ein Teil der dort lebenden Moslems Terrorakte vorbereiten, können sie den Kampf gegen die nicht gewinnen." Außerdem kritisierte er, dass Europäer und Amerikaner sich scheuen, "zu sagen, dass der Kampf gegen den islamischen Terror gerichtet ist". "Wenn man seinen Feind nicht klar benennt", so Katz, dann "kann man keinen Weltkrieg führen".

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