Outsourcing des Krieges

In Afghanistan sind erstmals mehr Mitarbeiter von Privatfirmen als US-Soldaten für das Pentagon tätig

Die verkorksten Wahlen und das Erstarken der Taliban lassen für Afghanistan derzeit nichts Gutes hoffen. Zwar sei der Opiummarkt eingebrochen und wirke sich der Druck der westlichen Truppen auf die Drogenstrukturen aus, was auch die Finanzierung der Taliban einschränken könnte, dafür sollen nun einige Taliban-Gruppen zu Drogenkartellen wie in Kolumbien werden, wie Antonio Maria Costa, Direktor der UN-Drogenbehörde, befürchtet. Wie so oft verschmelzen terroristische oder aufständische Strukturen mit kriminellen.

Die bewaffneten Gruppen in Kolumbien haben mit Politik kaum mehr etwas zu tun, sie versuchen auf finanziellen Interessen, ihr Territorium und ihren einträglichen Markt zu kontrollieren. Das Drogengeld in Afghanistan fließt nicht teilweise nur den Taliban zu, es macht den gesamten Staat auch korrupt, was wahrscheinlich die größere Bedrohung für das Ziel ist, einen einigermaßen stabilen, demokratisch legitimierten und rechtlich intakten Staatsapparat zu etablieren, wie dies die westlichen Staaten anstreben und dafür seit 9 Jahren ihre Truppen im Land kämpfen lassen. Die Aussichten haben sich in der Zeit eher verschlechtert, die Unterstützung von Präsident Karsai, dem nun nicht nur Korruption, sondern auch Wahlfälschung vorgeworfen wird, hat dabei neben falschen Strategien eine nicht unwesentliche Rolle gespielt.

Nachdem das Pentagon bereits im Irak sich immer mehr auf Söldner und Angestellte von privaten Sicherheitsunternehmen gestützt hatte, findet dasselbe auch in Afghanistan statt, obgleich die Privatisierung der militärischen Missionen zu schweren Skandalen geführt hat, u.a. bei der Misshandlung von Häftlingen in Abu Ghraib. Das Sicherheitsunternehmen Xe, das früher Blackwater hieß, stand dabei im Zentrum, allerdings dauerte es Jahre, bis die schießwütigen Söldner, die vermutlich die Gewalt im Irak mit geschürt haben, aber für die irakische Gerichtsbarkeit immun waren, mit Konsequenzen rechnen mussten.

Vor kurzem wurde bekannt, dass die CIA sogar Blackwater in ein heimliches Programm einbezogen hatte, um al-Qaida-Mitglieder im Irak zu jagen und zu töten. Blackwater-Gründer Erik Prince wird sogar vorgeworfen, Mitarbeiter ermordet zu haben, die über die dunklen Praktiken seines Unternehmens aussagen wollten. Ansonsten sollen er und sein Unternehmen in Waffenschmuggel, Prostitution, Betrug, Steuerhinterziehung und anderen kriminellen Aktionen verwickelt sein. Erst als eine Gruppe von Söldnern 17 irakische Zivilisten ermordeten, wurden diese vor Gericht gestellt und kündigte die US-Regierung an, die Zusammenarbeit mit Blackwater einzustellen.

Allerdings beschäftigt trotz der Ankündigung auch das US-Außenministerium unter Clinton im Irak noch Blackwater-Personal, um Botschaftsangehörige im Land mit Hubschraubern zu transportieren. Weiterhin fließen als Millionen an amerikanischen Steuergeldern in das umstrittene Unternehmen. Zwischen 2005 und 2008 soll Blackwater mindestens 1,2 Milliarden Dollar vom Pentagon erhalten haben.

In Afghanistan werden bereits mehr private Sicherheitsdienstleister (contractors) als Soldaten vom Pentagon eingesetzt, heißt es nun in einem Bericht des Congressional Research Service. Sie machen 57 Prozent des Personals aus, das vom Pentagon in Afghanistan stationiert wird, oder sogar 65 Prozent, wenn man die letzten beiden Jahre betrachtet. Das ist der bislang höchste Anteil von privaten Sicherheitsdienstleistern und markiert den deutlichen Trend zur Privatisierung und Kommerzialisierung oder zum Outsourcing des Krieges. Seit 2003 bis Mitte 2008 hat das Pentagon mindestens 106 Milliarden US-Dollar an private Sicherheitsfirmen für ihre Dienste im Irak und in Afghanistan gezahlt.

Allerdings profitieren vom Outsourcing auch die Afghanen, denn der Großteil der privat Angestellten (75%) sind Einheimische, die angesichts der großen Arbeitslosigkeit auf der Seite der Amerikaner als Köche, Wachpersonal, Fahrer, Bauarbeiter oder Übersetzer Geld verdienen, während die Taliban ebenfalls mit Geld ihre Kämpfer und Mitarbeiter rekrutieren. Im Outsourcing gleichen sich mithin beide Seiten.

Schon im Korea-Krieg war ein Drittel des vom Pentagon bezahlten Personals Mitarbeiter von privaten Firmen. Dabei handelte es sich vor allem um logistische Leistungen, zunehmend aber drangen Private auch in zuvor militärische Aufgabengebiete ein. Im Balkan und im Irak stieg der Anteil auf fast die Hälfte an, in Afghanistan sind die regulären Soldaten bereits in der Minderheit. Die Gefahr wächst mit der Privatisierung, so der Bericht, dass die militärische Präsenz der USA nicht mehr so streng kontrollierbar ist wie dies bei regulären Truppen der Fall ist.

Wie im Irak stützt sich auch in Afghanistan das Außenministerium auf private Sicherheitsdienstleister. So wirft beispielsweise das Project On Government Oversight (POGO) dem Außenministerium vor, die Sicherheit der Botschaft der Firma ArmorGroup übertragen zu haben, aber deren Leistung nicht zu überprüfen. Hier soll es erhebliche Disziplinprobleme und Unterwerfungsrituale von Untergebenen geben, die dazu führen, dass ein dauernder Personalwechsel stattfindet, wodurch die Sicherheit der Botschaft gefährdet sei.

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