"Pädagogische Parkplatzintervention unter Berücksichtigung eines ausgeprägten Porschekomplexes"

Ruppe Koselleck stellt seine Gebrauchtwagensammlung in Stuttgart ab

Der Münsteraner Künstler Ruppe Koselleck wurde unter anderem dadurch bekannt, dass er eine erfundene Figur bei der GEZ anmeldete, mit Kreuzen aus Coladosen die "beiden weltweit erfolgreichsten Megazeichen" verband, und den BP-Konzern mittels Erlösen aus dem Verkauf von "Ölbildern" übernehmen wollte, die er aus am Strand gefundenen Teerklumpen herstellte.

Nun nutzt er eine andere aktuelle Debatte für eine Kunstaktion: Am morgigen Freitag ab 11 Uhr will er seine "Porschesammlung" auf der Bolzstrasse in Stuttgart "probeparken". Nach Kosellecks eigenen Angaben befinden sich derzeit etwa 1.500 "gebrauchte Autos" in seinem Besitz – ausschließlich Porsche-Modelle. Für die "pädagogische Parkplatzintervention" verwenden will er allerdings nur 500 davon, darunter ein Bobby Car und ein Modell, das "klein ist, aber fährt."

Zusätzlich will Koselleck dort "als Gebrauchtwagenhändler arbeiten" und signierte Einzelstücke seiner "wertvollsten Modelle" verkaufen. Für unsigniert abgegebene Modelle behält er sich ein Eigentumsrecht vor, sie bleiben seiner Ansicht nach "im Privatbesitz des Künstlers." Daneben vermarktet er seinen "Porschekomplex" auch als "auf Lebenszeit limitierte Photoedition". Ähnlich wie bei seinen BP-Aktionen hat er vor, den Erlös aus diesen Verkäufen in sein Projekt zu investieren: Er will sich davon neue Modellporsches kaufen, um seine Sammlung auf 10.000 Sportwagen "aufzustocken". Diese "oberen 10.000" Modelle will er erst auf dem Kurfürstendamm in Berlin und anschließend in Peking parken.

Auf seiner Website hat er deshalb auch zu "Porschespenden" aufgerufen, die er mit einer "Original Porschespendenquittung" in Form einer von ihm signierten Postkarte mit Reifenabdruck vergüten will. Allerdings nur dann, wenn der Spender zusätzlich 2,53 Euro "Bearbeitungsgebühr" zahlt. Wer bei der Aktion in Stuttgart vor Ort spendet, für den fällt diese Bearbeitungsgebühr allerdings weg. Bisher wurden insgesamt 380 Porsche-Fahrzeuge gespendet, die Koselleck komplett in seine Sammlung integrierte.

Das Probeparken in Stuttgart ist bereits das siebte. Das erste fand vor drei Jahren mit nur 113 Spielzeugporsches in Ahaus statt, dann folgten Aktionen in Kiel, London, Basel, Bochum und Köln. Die Ergebnisse dieser Verkaufsveranstaltungen waren unterschiedlich: In London wollte ein Bobby für einen belegten Platz 150 Parkscheine sehen, worauf hin Koselleck weiterzog und vor einer Moschee den Zorn der Besucher erregte, weil er angeblich zu hohe Preise verlangte und mutmaßte, dass ein Prediger ein grünlackiertes Modell bevorzugen könnte. Diese Londoner Aktion bezeichnet Koselleck heute als sein "Lieblingsparken, weil hier die Arbeit am strittigsten diskutiert wurde." Dafür ging in Deutschland mehr kaputt: In Bochum-Gerthe, wo der Münsteraner die Aktion vor einem Aldi veranstaltete, wurde eines seiner Fahrzeuge zerstört, als ein Supermarktkunde einparkte.

Weil Parkplatzinterventionen der Erfahrung des Aktionskünstlers nach um so interessanter werden, je dringlicher Autofahrer Parkplätze suchen, erwartet er sich in der Stuttgarter Bolzstrasse ein entsprechendes Echo. Das könnte möglicherweise auch deshalb erfolgen, weil der schwäbische Amokläufer Tim K. angeblich einen Porsche als Fluchtfahrzeug benutzte, weshalb sich Passanten, Parkplatzsucher und andere Stuttgarter von Kossellecks "pädagogischer Intervention" eventuell an dessen Tat erinnert fühlen könnten.

Doch das hatte der Aktionskünstler zumindest bis zum Mittwoch nicht vor: Durch die "Konzentration von Porsche-Fahrzeugen auf engstem öffentlichen Raum", so Koselleck in einem theoretischen Text, "wird kurzfristig der statistische Eindruck erzeugt, diese Stadt wäre sehr reich." Von der "temporären Umwidmung des Parkraumes in einen Kunstraum" gingen zudem "erzieherische Wirkungen" aus, "weil sie den Betrachter zu einer Stellungnahme in Sachen Nutzen und Nachteil von Kunst und Parkraum für den Stadtbewohner aufwerfen."

Parkplatzinterventionen sind allerdings nicht das einzige Verkehrskunstprojekt, das Koselleck in letzter Zeit startete: In "Epische Intervention" setzte er einen orangefarbenen Vogel auf ein umgangssprachlich "Starenkasten" genanntes Gerät zur Geschwindigkeitsüberwachung. Dieses Vögelchen sollte zwei Stunden lang dafür sorgen, "dass man auch in die Kamera guckt, wenn man sich ein so teures Photo leisten will."

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