Paketbomben: Trump-Fan als Verdächtiger festgenommen

Der Verdächtige auf einem Foto von seinem Linkedin-Account

Vermutlich war es ein Einzeltäter, der den demokratischen Sumpf trocken legen wollte, Trump eiert weiter herum

Das ging schnell mit dem "Maga Bomber", vor allem wenn das mit Aufklärung der Unabomber-Paketbombenserie und den Anthraxbriefen vergleicht, wobei bei letzteren weiter Zweifel bestehen, ob der Verdächtige, der vor der Verhaftung Selbstmord beging, tatsächlich der Schuldige war. Gestern hat das FBI in der Stadt Plantation in der Nähe von Miami einen Mann als Hauptverdächtigen festgenommen.

Dass die 13 Paketbomben, am Freitag waren noch Pakete an den Senator Cory Booker und an den Ex-Geheimdienstdirektor James Clapper gefunden worden, in Florida verschickt wurden, war schon am Donnerstag klar geworden. Als Absender war stets die demokratische Abgeordnete Debbie Wasserman Schultz angegeben, die während des Wahlkampfs Vorsitzende des Democratic National Committee (DNC) war. Das FBI kam auf die Spur des Festgenommen über DNA-Spuren auf den Paketen und warnte, dass noch mehr Paketbomben unterwegs sein könnten. Es seien keine "hoax devices", sagte FBI-Direktor Christopher Wray gestern, sondern selbst gebastelte Sprengsätze (IED).

Justizminister Session und FBI-Direktor Christopher Wray gestern auf der Pressekonferenz zum Maga Bomber. Sessions bezeichnete den Verdächtigen als wahrscheinlich "partisan" (parteiisch). Bild: FBI

Cesar Sayoc bzw. Cesar Altieri Randazzo, der in Zusammenhang mit den Paketbomben auf offener Straße vor einem Geschäft festgenommen wurde, ist 56 Jahre alt und als Republikaner-Wähler sowie als Trump-Anhänger bekannt. Auf seinem Twitter-Account wird der Hass auf George Soros, Clinton, Obama oder Maxine Waters deutlich, an die allesamt Paketbomben gerichtet wurden. Dort beschreibt er sich so: "Current Booking Agent/Sales/Marketing/Promotions/Project Mgr Live Events Seminole Hard Rock Live.Former Professional Soccer Player, Wrestler, Cage Fighter."

Auf Linkedin gibt er sich als "Promoter, booking agent Live entertainment, owner, choreographer". Hier schreibt er in schlechtem Englisch und etwas wirr, sein Großvater soll auf den Philippinen eine Kampfkunstart entwickelt haben, mit der die Kommunistische Partei zerschlagen worden sei. Registriert ist er als Inhaber der Firma Native American Catering & Vending, im JUli kam noch VER TECH AG dazu.

Seine Facebook-Seite, die er bis Oktober 2016 nutzte, ist bereits gesperrt worden. Dort hatte er zuletzt Videos von einer Wahlkampfveranstaltung von Trump veröffentlicht und ansonsten nach dem Charlotte Observer Pro-Trump-Nachrichten, rassistische Äußerungen und Fake News über Demokraten verbreitet. Es sei gegen den Islam und natürlich Hillary Clinton gegangen: "Hillary Clintons Gesundheit nimmt ab und geht zum Friedhof, wo sie viele exekutiert hat. Der Herr gibt den Tod und Amerika wird feiern", schrieb er im September 2016.

Cesar Sayoc bei einer Trump-Wahlveranstaltung 2016, Bild von seiner Facebook-Seite

Sein extrem auffälliger Van, mittlerweile auch "Trumpmobile" genannt, wurde abgeschleppt. Es war extrem übersät mit Postern für Trump und Pence, gegen CNN oder den demokratischen Sumpf, gegen Clinton oder Michael Moore im Visier, also zum Abschuss freigegeben. Es sind Bilder, wie man sie auch immer auf Pro-Trump-Wahlkampfveranstaltungen sehen konnte. Der klassische Demokratenhasser also, dem die Angriffe von Trump auf die Politiker und Medien gefallen haben. Wollte er also den Sumpf ausrotten? Man fragt sich natürlich, wenn der Mann die Paketbomben verschickt hat und nicht wirr war, warum er sich derart auffällig und unvorsichtig als Feind der Demokraten und Trump-Fan geoutet hat. Ein Twitter-Benutzer postete Fotos von dem Fahrzeug, das er bereits im April aufgenommen hat. Das würde bedeuten, dass der Verdächtige schon lange sich sehr auffällig in der Öffentlichkeit bewegte.

Debra Gureghian, für die Sayoc bis Januar ein Jahr lang als Pizzafahrer mit seinem Van gearbeitet hatte, sagte, dieser habe jeden Tag gegen Schwule, Schwarze und Juden gerichtete Äußerungen von sich gegeben. Er habe Hitler geliebt udn ihr einmal gesagt, dass sie als Lesbe "deformiert" sei, man solle sie mit allen anderen Schwulen auf eine Insel setzen und verbrennen. Sie habe seine Äußerungen nicht kommentiert, er sei ein verlässlicher Angestellter gewesen.

Auf die Spur kam das FBI auf den Verdächtigen, weil Sayoc vorbestraft war und sich daher seine Fingerabdrücke und Genproben in der Datenbank befanden. 2002 war er bereits wegen einer Bombendrohung zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt worden. 1991 war er erstmals wegen Diebstahls zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt worden. Auch ansonsten kam es zu Anzeigen wegen Diebstahl und Körperverletzung. 2012 meldete er Insolvenz an, damals arbeitete er in einem Supermarkt.

Sperrt Soros ein

Kurz vor der Festnahme jammerte Donald Trump noch, dass der Bombengeschichte zu viel Aufmerksamkeit zukomme. Die Republikaner hätten sich bislang in den Wahlen gut geschlagen, mit den Paketbomben habe sich das Momentum stark verlangsamt, weil die Nachrichten ging um Politik gingen: "Sehr unglücklich, was passiert. Republikaner, zieht los und wählt!" Natürlich geht es bei den Paketbomben um Politik, da, wie es jetzt aussieht, einer der Trump-Fans dessen verbale Angriffe auf den politischen Gegner wörtlich nahm.

Dass das nicht so geschickt war, bemerkte man im Weißen Haus und ließ Trump die Arbeit der Polizei preisen, die Strafverfolgung von jedem Verantwortlichen "bis zur legalen Grenze" versprechen und einmal wieder die nationale Einheit einzufordern. Dabei rutschte aber er auch wieder in seinen Großsprech: "Wir müssen der Welt zeigen, dass wir in Frieden und Liebe und Harmonie als amerikanische Bürger vereint sind. Es gibt kein Land wie unseres, und wir zeigen jeden Tag, wir groß wir sind."

Später entglitt ihm die Situation offenbar wieder, wie die Washington Post schreibt. Als er im East Room Besucher und Fans traf, machte er die "Globalisten" lächerlich, worauf einige der Gäste riefen "Soros" und dann "Sperrt ihn ein". Trump lachte und wiederholte "Sperrt ihn ein". (Florian Rötzer)