Pakistan: Generäle und Establishment als Strippenzieher

Ausländische Touristen sind in Pakistan mittlerweile eine Seltenheit. Foto: Gilbert Kolonko

In Pakistan sind Märchenstunden für eine amerikanische Präsidentengattin und das Verschwinden von 70 Millionen US Dollar nur Geplänkel - die Fäden zieht das Establishment aus Generälen und superreichen Familien im Hintergrund

Anfang letzter Woche wies der oberste Gerichtshof der südlichen pakistanischen Provinz Sindh die Landesregierung an, Auskunft über 70 Millionen US-Dollar zu geben. Michelle Obama hatte sie vor zwei Jahren Maryam Sharif zugesagt, weil die Gattin des damaligen US-Präsidenten beeindruckt war von den angeblichen Anstrengungen der Sharif-Tochter, sich für die Bildung der Mädchen Pakistans einzusetzen. Doch die soziale Stiftung Maryams mit dem Namen 'Let Girls Learn' soll es nicht einmal auf dem Papier geben.

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Mit ihrer Naivität reiht sich Michelle Obama nur ein. Schon die amerikanischen Generäle hatten drei Jahre gebraucht, um mitzubekommen, dass ihre pakistanischen Kollegen die afghanischen Taliban unter ihren Augen wieder aufgebaut haben.

Dass auch in Pakistan immer mehr Mädchen zur Schule gehen, liegt an beeindruckenden Anstrengungen von Privatpersonen, die kostenlose Bildungsangebote schaffen, deren Niveau - wie oft gesehen - das der Privatschulen überragt. Wie im Sindh springt die lokale Regierung dann auf den fahrenden Zug auf, schafft Regierungsposten, um die Engagierten zu kontrollieren und die Gelder zu verteilen, und dann beginnt die Korruption, da es sich herumspricht, dass sich auch mit karitativer Bildung schnelles Geld machen lässt.

Unverfrorenheiten der Sharifs sind an der Tagesordnung. Im September hatten sie für eine Nachwahl in Lahore (Sitz NA 120) als Spitzenkandidatin die Frau von Nawaz Sharifs nominiert, obwohl die Familie wusste, dass Kulsoom Nawaz todkrank ist und daher den Wahlkampf in Londoner Krankenhäusern verbrachte. Ironie am Rande: Ihre unterlegene Konkurrentin bei den Wahlen in Lahore, Yasmin Rashid, setzt sich den Großteil ihres Lebens dafür ein, dass die medizinischen Bedingungen in Pakistan verbessert werden. Immerhin scheinen die Lahoris ein wenig zu lernen; denn Kulsoom Nawaz gewann die Wahl in der Sharif-Hochburg nur noch knapp.

Ebenfalls Anfang der Woche trafen sich die Sharif-Brüder Nawaz und Shahbaz mit dem Milliardär Malik Riaz, der gerade in ganz Pakistan die skandalträchtige Smart City namens Bahria Town baut. "Flüsterer" ließen verlauten, dass Riaz seinem Freund, Ex-Ministerpräsident Asif Ali Zardari, ein Angebot zur Kooperation mit den Sharifs machen soll. Die beiden Ex-Premiers und Oberhäupter ihrer Familien sind offiziell Konkurrenten, doch ihre Angst vor dem nicht korrupten Imran Khan schweißte die beiden schon 2014 bei Khans Marsch auf Islamabad zusammen.

Der Hauptgrund des Besuchs der Sharifs bei Riaz dürfte allerdings sein, dass die Brüder den gewieften Unternehmer Riaz gebeten haben, ihnen einen Draht zu den Generälen zu vermitteln, die der Sharif-Familie gerade zu schaffen machen - was die Riaz-nahen "Flüsterer" natürlich verneinten.

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