Pakistan: SIM-Karten nur gegen biometrische Daten

Mit einem großen Aufwand verlangt die Regierung von Mobilfunkbetreibern, dass bis Mitte April jede SIM-Karte mit einem Fingerabdruck verbunden wird

Pakistan hat etwa 180 Millionen Einwohner. Ende Januar zählte die staatliche Telekommunikationsbehörde PTA 136, 4 Millionen Mobilfunkverträge. Zwei Wochen zuvor hatte eine Arbeitsgruppe, zu der das Innenministerium außer der PTA auch das Vertreter des Informationsministeriums, Geheimdienste, Ermittlungsbehörden und Mobilfunkbetreiber eingeladen hatte, festgestellt, dass 103 Millionen SIM-Karten mangelhaft registriert waren.

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Die Aufgabe, welche die Arbeitsgruppe von der Regierung erhielt, bestand darin, dafür zu sorgen, dass diese 103 Millionen binnen 90 Tagen mit einem Fingerabdruck des Kunden verbunden werden, um eine eindeutige Identifizierung zu ermöglichen. Hintergrund der Maßnahme sind Verschärfungen der Anti-Terror-Gesetze nach einem Anschlag auf eine Armee-Schule in Peschawar Mitte Dezember, bei dem weit über 100 Teenager, aber auch jüngere Kinder getötet wurden (Talibananschlag: "Wir haben sechs Selbstmordattentäter in die Schule geschickt").

Bei dem Anschlag hätten die Angreifer via Mobilfunk mit Hintermännern in Afghanistan telefoniert, wird aus pakistanischen Sicherheitskreisen berichtet. Man müsse den Attentätern gewisse Vorteile entziehen. Wenn jede SIM-Karte mit einem Fingerabdruck verifiziert sei, gekoppelt mit dem Blockieren jeder nicht verifizierten SIM-Karte, dann würden die Terroristen nicht mehr über dieses Tool verfügen, ist man im Innenministerium überzeugt.

Zu den guten Kunden schicken die Mobilfunkdienstleister, der größte in Pakistan ist Mobilink (angeblich gut gegen NSA und GHCQ abgeschirmt) mit 38 Millionen Kunden, ihre Angestellte mit der biometrischen Ausrüstung vorbei, die anderen müssen sich in lange zeitraubene Warteschlangen fügen. Ab 15. April werden die nicht verifizierten Karten gesperrt, so die Drohung. Allerdings ließ das Informationsministerium bereits durchblicken, dass die 90-Tagefrist verlängert werden könnte.

Die Washington Post bezeichnet das Unterfangen schon jetzt, nachdem etwa 50 Millionen SIM-Karten biometrisch verifiziert wurden, als eine der weltweit größten und am schnellsten durchgeführten biometrischen Sammelaktionen. Die Daten würden dann mit der nationalen Datenbank, welche die Regierung seit 2005 aufgebaut hat, gematcht. Von jedem Sim-Karten-Besitzer werde verlangt, dass sein Fingerabdruck auch in der nationalen Datenbank registriert ist.

Die afghanischen Flüchtlinge, die Zahl dürfte zwischen 1 und 3 Millionen liegen, die seit vielen Jahren in Pakistan leben, aber keine Staatsbürgerschaft bekommen, müssen vor Gericht erklären, dass sie ihr Mobilfunkgerät in redlicher Weise benutzen, erst dann bekommen sie ein Papier, das ihnen auf offiziellem Weg den Zugang zu einer SIM-Karte erlaubt.

Die andere Lücke im biometrischen Datennetzwerk, das die pakistanischen Behörden möglichst umfassend und dicht aufziehen wollen, sind ausgerechnet die Bewohner jener Zonen, die zum Kerngebiet der militanten Talibangruppen gehören, die Stammesgebiete unmittelbar an der Grenze zu Pakistan. Dort würde man mithilfe der afghanischen Mobilfunkbetreiber kommunizieren.

Bisher war es laut Erfahrungsberichten leicht, mehrere SIM-Karten auf die Nummer eines Identitätsausweises zu registieren, ohne dass der Ausweisinhaber davon wusste. Die jetzt verlangte Koppelung mit dem Fingerabdruck wird auch auszutricksen sein. Aber in einem Land, das derart von Terrorismus heimgesucht wird wie Pakistan, wo die Terroristen nicht selten, wenn nicht gar systematisch auf die Unterstützung staatlicher Organe zählen konnten, sobald nationale Interessen in Afghanistan oder Indien im Spiel waren, ist jede Erschwernis der Organisation mörderischer Unternehmungen ein Fortschritt. (Thomas Pany)

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