Pandemieprofiteure

Das Vermögen der US-Milliardäre ist nach einer kurzen Delle aufgrund der Coronavirus-Pandemie jetzt schon wieder höher als 2019, während Zahl der Arbeitslosen auf 26 Millionen angestiegen ist

Gelegentlich heißt es, vor dem Virus, gegen das es noch keine Immunabwehr gibt, auch wenn das gerade in Frage steht, sind alle gleich. Dass stimmt schon nicht, was die direkte Gefährdung angibt, schließlich können sich Menschen mit großen Wohnungen und Häusern und bestimmten Berufen, die Home Office ermöglichen, besser zurückziehen und riskante Kontakte vermeiden, als diejenigen, die in den Krankenhäusern, Supermärkten, öffentlichen Verkehrssystemen, Baustellen oder Dienstleistungsbetrieben arbeiten oder anderen Tätigkeiten nachgehen müssen, in denen sie regelmäßig auf andere Menschen treffen, weil sie auf das Einkommen angewiesen sind.

In den USA haben bereits 26 Millionen Menschen ihren Job verloren und sind auf Unterstützung angewiesen, die in God's own country unter Donald Trump trotz eines einmaligen Schecks knapp und unzureichend ist. Nun könnte man meinen, dass der mit Covid-19 erfolgte Börsencrash auch viele der Reichen ärmer gemacht hat. Bekannt ist, dass das Einkommen von Jeff Bezos nur kurzfristig geschrumpft, aber dann schnell wieder um 25 Milliarden US-Dollar in die Höhe geschnellt ist, während Amazon brummt. Wenig verwunderlich ist auch, dass das Vermögen des Zoom-Gründers Eric Yuan in der Krise gewachsen ist, da Videokonferenzen für Betriebe, Schulen und privat zum Ersatz für gestrichene Treffen und Kommunikation wurden.

Oder da gibt es den sowieso schon reichsten Mann in Singapur, dessen Vermögen nach Bloomberg in diesem Jahr um 47 Prozent auf 13,5 Milliarden US-Dollar gestiegen ist. Li Xiting, Mitbegründer von Mindray, Hersteller von medizinischen Geräten, ist alleine in diesem Monat um eine Milliarde US-Dollar reicher geworden. Mindray stellt unter anderem Beatmungsgeräte her. Allein Italien hat 10.000 Beatmungsgeräte bestellt, Aufträge kommen von mehr als 100 Ländern.

Auch in der Corona-Krise setzt sich die Umverteilung zugunsten der Superreichen durch

Aber es sind nicht nur die Milliardäre, die direkt von der Pandemie profitieren, sondern die Kaste der Reichen überhaupt. Als bis Ende März die Arbeitslosenzahlen in den USA um 22 Millionen zugenommen haben (letzte Woche waren es bereits 26 Millionen), nahm auch das Vermögen der US-Milliardäre zwischen dem 18. März und 10. April um 10 Prozent oder 282 Milliarden US-Dollar zu. Zusammen hat die Kaste der amerikanischen Milliardäre, zu der sich auch Donald Trump zählt, ein Vermögen von 3,2 Billionen US-Dollar. Mit einer kräftigen Vermögens- und Reichensteuer könnten die Hilfspakete zur Corona-Krise in der Höhe von bislang 2,6 Billionen zumindest mitfinanziert werden, die jetzt die Steuerzahler ausbaden müssen.

Es kommt noch schlimmer. Während die Masse der Bevölkerung mit einem einmaligen Scheck von 1200 US-Dollar bedacht wird, werden den Reichen - darunter Trump und Familie -, insgesamt 43.000 Millionäre, Steuerrückerstattungen in Höhe von 70 Milliarden US-Dollar geschenkt (Es regnet Geld). Das sind statt 1200 US-Dollar im Durchschnitt 1,7 Millionen.

Aber damit setzt sich nur die schon lange praktizierte Umverteilung der Vermögen von unten oder der Mitte nach oben fort. Seit 1980 sind die Steuerzahlungen der Milliardäre um 79 Prozent im Verhältnis zu ihrem Vermögen gesunken. Nach dem Bericht Billionaire Bonanza 2020: Wealth Windfalls, Tumbling Taxes, and Pandemic Profiteers des Institute for Policy Studies hat sich das Vermögen der Milliardäre seit 1990 um 1130 Prozent vermehrt, das ist 200 Mal mehr als der Median des US-Vermögens, das in dieser Zeit um 5,37 Prozent zulegte.

Das Vermögen der US-Milliardäre nach einer kurzen Delle aufgrund der Coronavirus-Pandemie jetzt schon wieder höher als 2019. Der Bericht nennt die 8 Milliardäre, die jeweils um mindestens eine Milliarde reicher wurden: Jeff Bezos (Amazon), MacKenzie Bezos (Amazon), Eric Yuan (Zoom), Steve Ballmer (Microsoft), John Albert Sobrato (Immobilien im Silicon Valley), Elon Musk (Tesla), Joshua Harris (Apollo Global Management)und Rocco Commisso (Mediacom).

Dieses Mal dauerte es nur 3 Wochen, bis das Vermögen der Reichen wieder in die Höhe kletterte. Nach der Finanzkrise 2008 dauerte es noch 30 Monate, bis die Milliardäre wieder so reich waren wie vor der Krise, und schnell wurde es dann noch größer. Aber die Mittelklasse hat noch nicht einmal den Status vor 2008 wieder erreicht und ist nun mit dieser Belastung in den Pandemie-Lockdown gegangen.

Die Autoren des Berichts fordern die Einrichtung eines Kontrollausschusses für Pandemieprofiteure, der Transparenz über deren Vermögen schaffen soll. Dazu soll eine Reichensteuer kommen, auch eine Vermögenssteuer, eine zehnprozentige Notsteuer für Millionäre, ein progressives Steuersystem und eine Schließung der Steueroasen.

Zwar haben einige Milliardäre während der Pandemie viel Geld gestiftet, aber das sei kein Ersatz für eine faire Besteuerung und ein wirklich finanziertes Sicherheitsnetz. Chuck Collins, einer der Autoren, glaubt, dass in Krisen wie jetzt der Pandemie die Menschen aufwachen und die Ungleichheit erkennen. Sie würden eine Politik unterstützen, die eine Vermögenssteuer, eine Erbschaftssteuer oder einen höheren Mindestlohn einführen will. Damit würden sie freilich nach dem Ausscheiden von Sanders und anderen keinen Präsidentschaftskandidaten zur Wahl haben. Und wenn, wie der Bericht darlegt, die Ungleichheit schon seit Jahrzehnten größer wurde, ohne dass die Amerikaner eine andere Politik unterstützten, müsste die Krise schon sehr tief gehen und lange andauern, um eine Wende einzuleiten, die dann aber wahrscheinlich auch eher in die rechtsnationale Richtung ginge. (Florian Rötzer)